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Rp-Serie Prominente Zu Besuch
Als die Rathaustreppe einstürzte

Emmerich. Beim Empfang für Rainer Bonhof kam es zu einem Unglück, das bis heute nicht vergessen ist. Von Monika Hartjes

EMMERICH Als sehr stürmisch ist den Emmerichern der Empfang für den Weltmeister Rainer Bonhof in seiner Heimatstadt im Jahr 1974 wohl in Erinnerung geblieben. Denn die Brüstung der Rathaustreppe hielt dem Ansturm der Autogrammjäger nicht stand und ein Teil stürzte ein auf die davor spielenden Musiker des Emmericher Blasorchesters. Etwa 20 Personen verletzten sich, glücklicherweise waren keine schweren Verletzungen dabei.

Bereits am 27. Januar 1974 wurde Bonhof von der Stadt Emmerich für seine großen sportlichen Leistungen geehrt. Am 7. Juli wurde er zur Legende, als er den entscheidenden Pass zu Gerd Müller spielte, der dann für das Siegtor sorgte: Deutschland wurde Weltmeister. Und am 25. August erwarteten dann etwa 3000 Fans ihren Weltmeister auf dem Rathausvorplatz.

Bereits um zehn Uhr war der Platz brechend voll, obwohl sich Rainer Bonhof erst für elf Uhr angekündigt hatte. Zehn Minuten später - das Blasorchester spielte gerade: "Ja, mir san mit'm Radl da" - fuhr der damals 22-jährige Profifußballer, der bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag stand, in seinem Mercedes vor. "Jetzt ist er da, der erste Weltmeister in der Geschichte Emmerichs", begrüßte Bürgermeister Franz Wolters den prominenten Gast. In der Straßenmannschaft der Gerhard-Cremer-Straße habe er mit dem Fußballspielen begonnen. "Heute ist er in den größten Stadien der Welt zuhause", so Wolters, der Bonhof eine große WM-Uhr überreichte.

Der Eintracht-Vorsitzende Heinz Kraayvanger ließ den sportlichen Werdegang des jungen Stürmers Revue passieren: von "09" über Eintracht in die Kreisauswahl und die DFB-Jugendauswahl, dann nach Borussia Mönchengladbach und in die Nationalelf. Unter dem lauten Jubel der Besucher ernannte Kraayvanger den Weltmeister zum Ehrenmitglied der Eintracht. Willi Dellemann, Vorsitzender des Stadtverbandes für Leibesübungen, stellte den jungen Spieler als Vorbild für die sporttreibende Jugend in Emmerich hin. Er sei kein großer Redner, meinte Bonhof, der sich aber ganz herzlich für den Empfang bedankte. Als die Ersten vom Empfang abwanderten, geschah das Unglück. Rainer Bonhof war gerade "freigegeben" worden für die Autogrammjäger, als unter dem Druck der Massen die etwa 20 Zentimeter dicke Mauer vor dem Rathausportal einstürzte. Die Rettungskräfte arbeiteten vorbildlich und nur wenige Minuten nach dem Unfall wurden die Verletzten im Krankenhaus ärztlich versorgt. Nach den ersten Auskünften wurde niemand schwer verletzt. Die Stadt Emmerich erklärte sich sofort bereit, die entstandenen Schäden zu ersetzen, unter anderem auch eine Tuba und eine Trompete des Emmericher Blasorchesters.

Nach dem Unglück verlegte Bonhof die Autogrammstunde, die auf der Rathaustreppe stattfinden sollte, in die Rathaushalle. Ordner ließen nur immer wenige Fans auf einmal zu ihm. Da die Verletzungen nicht allzu schlimm waren, beruhigten sich die Gemüter schnell und es wurde dann wie geplant noch einige Stunden gefeiert. Es gab Freibier - die Stadt hatte fünf Fässer gestiftet - und Erbsensuppe. Das vorrangige Gesprächsthema war natürlich der Einsturz der Brüstung. Bonhofs Hauptinteresse galt den Verletzten. "Haben Sie schon was aus dem Krankenhaus gehört?", war die besorgte Frage des Fußballers, der von 1972 bis 1981 als Mittelfeldspieler 53-mal das Nationaltrikot trug und neun Treffer erzielte. Er war der erste eingebürgerte Nationalspieler. Bei seinem ersten Juniorenländerspiel für den DFB am 18. Oktober 1969 hatte er noch die niederländische Staatsbürgerschaft, direkt danach wurde er deutscher Staatsbürger.

Quelle: RP
 
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