| 00.00 Uhr

RP-Serie Hüthumer Geschichten (Teil 1)
Als Hüthum eine Kneipenmeile hatte

Emmerich. Um 1910 lagen an der Landstraße von Emmerich nach Elten viele Gaststätten. Zum Beispiel der "II. Spanier". Von Norbert Loose und Monika Hartjes

Wenn man um 1910 die Landstraße von Emmerich nach Elten befuhr, hatte man in Hüthum eine große Auswahl unter den dort ansässigen Gastwirtschaften, so die damalige Bezeichnung für die Orte, an denen man eine kleine Rast einlegte. Heute würde man sicherlich von einer "Vergnügungs-, Fress- und Kneipenmeile" sprechen. Die einzelnen Gasthäuser lagen oft nur wenige hundert Meter auseinander. Gleich hinter der Ziegelei Terwindt & Arntz lag am Fuße des Rheindeiches die Hofschaft der Familie Hemming, ein Gebäude aus dem späten 18.

Jahrhundert. Hier wurde neben der Landwirtschaft auch eine Schankwirtschaft betrieben. Der Name dafür - "II. Spanier - stammt aus dem spanisch-niederländischen Krieg (1566 - 1648): Der zweite spanische Wachposten stand damals genau an dieser Stelle. Vor allem Sonntagsausflügler aus der Stadt wanderten zahlreich zum II. Spanier, um bei "Muttje Hemming" unter schattenspendenden Lindenbäumen etwas zu trinken und dazu kräftige Schinkenbutterbrote zu verzehren.

An den Wochentagen waren es oft die Arbeiter der Ziegelei, die dort ihr Körnchen tranken. Bauern gingen nach einem guten Marktverkauf auf "de groote Walfahrt met alle Heiligenhüskes" - eine "Wallfahrt in alle Kneipen". Den Anfang machte der II. Spanier, die "letzte Ölung" gab es bei Lueb. Zwischenstation wurde auch in der "Restauration Germania" von Gastwirt Heinrich Hebben gemacht. Es war ein stattliches Gebäude aus der Zeit um 1850 mit großem Saalbau, der 1907 errichtet wurde.

Der Eindruck gepflegter Gastlichkeit wurde durch die spätere Anlage einer Außenterrasse anstelle der ehemaligen Pferdetränke noch verstärkt. Viele Vereine waren in der Restauration Germania beheimatet, unter anderem die DJK Hüthum, die Feuerwehr und der Kunstradsportverein. Im Saal, ausgestattet mit Bühne und 250 bis 300 Sitzplätzen, fanden viele kulturelle Veranstaltungen statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das "Theater am Niederrhein" hier zu Gast, der Hüthumer Karnevalsverein hielt seine Elferratssitzungen und regelmäßig gab es Tanzabende.

Das gastronomische Angebot erweiterte sich mit dem Einbau einer Kegelbahn und dem Ausbau von Gästezimmern. Später übernahm Schwiegersohn Alfons Sluyter die Gastwirtschaft, aber auch im neu gestalteten "Haus Sluyter" blieb die alte Gemütlichkeit. Der Stammtisch bei "Lilo" war eine feste Institution für fröhliche Stunden. So manchmal schlugen die "Wellen des Pläsiers" besonders hoch. Einmal kletterte Franz in den bedrohlich schwankenden Baldachin über der Theke und stimmte sein berühmtes Lied "Hüthum, mein Hüthum, wie lieb ich Dich" an.

Lilo, sonst die Ruhe selbst, geriet doch ein bisschen aus der Fassung. Doch Franz konnte sie beruhigen, indem er auf seinen Bruder Kurt, der eine Versicherung betrieb, hinweisend sang: "Und geht Dir öfter was kaputti, dann versich're Dich bei Kuti". 1994 wurde das Anwesen durch einen Großbrand zerstört und nicht mehr aufgebaut. Doch blieb es bei den Hüthumern, besonders den älteren, in wehmütiger Erinnerung an einstmals viele schöne Stunden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

RP-Serie Hüthumer Geschichten (Teil 1): Als Hüthum eine Kneipenmeile hatte


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.