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Emmerich
Alte Gemäuer in Szene gesetzt

Emmerich: Alte Gemäuer in Szene gesetzt
Dominik Graf drehte sein Drama "Das Gelübde" auch in der Wasserburg Anholt und in der Ruine von Schloss Empel. FOTO: Verleih/Thinkstock
Emmerich. Teil II der kleinen Film-Reihe: Vom Kühlturm des Wunderlandes Kalkar bis zum Wasserschloss Anholt - gerade die niederrheinischen Bauwerke überzeugen nationale wie internationale Filmemacher. Sie dienen oft als Kulisse. Von Michael Scholten

Bevor der Kühlturm des Schnellen Brüters in Kalkar mit einer Alpenlandschaft bemalt wurde, war er ein beliebtes Motiv für actionreiche Szenen. In einer Folge der RTL-Serie "Alarm für Cobra 11" ließ sich ein Stuntman mit Raketenrucksack von einem Hubschrauber aus dem 45 Meter hohen Turm ziehen, im Spätsommer 1998 doubelte Kalkar das Kernkraftwerk Brokdorf. In der Auftaktszene des Kinothrillers "23 - Nichts ist so wie es scheint" kletterte Hauptdarsteller August Diehl als Atomkraftgegner Karl Koch auf einen Schutzzaun und wurde von Wasserwerfern zu Boden geschleudert. Trotz eines Budgets von drei Millionen Euro fehlte Regisseur Hans-Christian Schmidt ein Hubschrauber. Da ließ sich der niederländische Wunderland-Betreiber Henny van der Most nicht lumpen und stellte seinen privaten Helikopter zur Verfügung.

Ein Hubschrauber kam auch zum Einsatz, als Regisseur Jorgo Papavassiliou 2004 in eine Baggersee bei Bergerfurth Szenen für den RTL-Zweiteiler "Die Sturmflut" drehte. Zehn Meter vom Uferbereich entfernt, wurde ein Hausdach ins Wasser gebaut. Darauf stand eine Familie, die - wie 1962 bei der großen Sturmflut in Hamburg - per Hubschrauber gerettet werden musste.

Die Rheinbrücke Rees-Kalkar spielte eine zentrale Rolle in der Schlussszene des Jugenddramas "Fickende Fische", das 2002 viel Kritikerlob erntete. Regisseurin Almut Getto ließ ihre jungen Helden, den HIV-positiven Jan und seine Freundin Nina, mit dem Wagen in den Rhein stürzen. Der Film spielt zwar in Köln, doch als die dortigen Behörden den Stunt verboten, sprang Rees bereitwillig als Double ein.

Nicht am Niederrhein, aber ganz in der Nähe, steht das Wasserschloss Anholt, das seit jeher die größten und schönsten Filmproduktionen anlockt. Nachdem das Anwesen des Fürsten zu Salm-Salm 1989 als Kulisse der ZDF-Serie "Rivalen der Rennbahn" gedient hatte, drehte 1993 der amerikanische Regisseur Sid Macartney in Anholt den Märchenfilm "Der Prinz und der Prügelknabe". Allerdings entstanden dort nur pompöse Bankettszenen im Speisesaal und Episoden in Küche und Kerker, während für die Außenaufnahmen ein Schloss in Burgund genutzt wurde. Umso bildgewaltiger wurden die Außenmauern in anderen Kostümfilmen ins rechte Licht gerückt: Im ARD-Zweiteiler "Das unbezähmbare Herz" (2003) stieg Bettina Zimmermann vom Bauernmädchen zur Herzogin am Hof des französischen Sonnenkönigs auf und drehte auch in Anholt, im ARD-Märchenfilm "Aschenputtel" (2011) fand die spätere "Tatort"-Ermittlerin Aylin Tezel in Anholt ihren Traumprinzen. Regisseur Dominik Graf verwandelte den Innenhof der Wasserburg zur preußischen Kaserne und drehte dort im Jahr 2007 Szenen für sein Historiendrama "Das Gelübde", das die verbürgte Begegnung des Romantikdichters Clemens von Brentano (Misel Maticevic) und der Nonne Anna Katharina Emmerick (Tanja Schleif) erzählt. Zuvor hatte Graf schon in den Ruinen von Schloss Empel gedreht. Das von Bäumen umsäumte Anwesen doubelte die Ruinen einer Klosteranlage, in der die 2004 selig gesprochene Ordensschwester einst lebte.

Zuletzt entstanden in Dingden Szenen für den deutsch-französisch-belgischen Kinofilm "Der junge Karl Marx" mit August Diehl als Marx und Stefan Konarske als Friedrich Engels. Regisseur Raoul Peck drehte zunächst im Wald Am Bokern, bevor er mit großem Team zum Textilmuseum in Bocholt weiterzog. Im Websaal wurde die Baumwollspinnerei von Friedrich Engels Vater nachgestellt. Der Film soll 2016 ins Kino kommen.

Quelle: RP
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