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Hüthumer Geschichten (teil 7)
Auf ein Freibier in den Polderbusch

Emmerich. Die Gaststätte, die 1836 eröffnet wurde, gehörte zu den beliebtesten Ausflugszielen ihrer Zeit. Betrieb wurde 1998 eingestellt. Von Norbert Loose und Monika Hartjes

HÜTHUM-POLDERBUSCH Mitten im Polderbusch lag das Anwesen der Familie Heinrich Heiting. Die "Gaststätte im Polderbusch" stammte aus dem Jahr 1836. Mit ihrem hübschen Saalbau und dem großen Garten gehörte sie mit zu den beliebtesten Ausflugszielen ihrer Zeit. Es wurde hier auch einiges geboten. Ein großer Spielplatz sorgte für die Unterhaltung der kleinen Gäste. An Sonn- und Feiertagen gab es bei schönem Wetter Klavier- und Geigenmusik im Garten.

Wer Lust verspürte, ein Tänzchen zu wagen, dem stand dazu eine große Tanzfläche. Jedes Jahr zu Pfingsten wurde ein Konzert gegeben, das nicht selten über 600 Besucher anzog. Am Vortag eines solchen "Pfingstkonzertes" mussten Hunderte von Gläsern bereitgestellt werden, die am folgenden Tag mit Fruchtsirup und Wasser gefüllt als Limonade verkauft wurden. Der Angriff auf Emmerich am 7. Oktober 1944 bedeutete auch für die "Gaststätte am Polderbusch" das unwiderrufliche Ende.

Die gesamte Anlage wurde an diesem Tag durch Luftminen dem Erdboden gleichgemacht. Nach dem Krieg errichtete die Familie Heiting-van Dillen eine kleinere Gaststätte an gleicher Stelle, die überwiegend aus Holz bestand. Aber der Glanz der alten, in Generationen aufgebauten Anlage ließ sich nicht wieder herstellen. Dennoch war es auch dort sehr gemütlich und man zehrte von den Erinnerungen alter Zeiten. Besonders Großvater Heinrich erzählte gerne von früher.

Eine nette Truppe damals noch recht junger Burschen aus Hüthum wusste dies für sich zu nutzen. Immer, wenn die eigene Kassenlage mau war, brauchte man nur ganz beläufig zu sagen: "Hein, wu was dat dormols met den Kaiser?" Schon nahm die Sache ihren gewohnten Lauf: Großvater Heiting, der damals zu Kaisers Zeiten in Berlin gedient hatte, nahm Haltung an und rief: "Hier stung ek en dor de Kaiser!" Dabei wies er energisch auf den Platz zu seiner Rechten. "Wellt gej noch mehr höre, now dann.

" Nun brauchte man nur noch so zu tun, als müsse man aufbrechen und prompt kam die angestrebte Einladung: "Drenkt de erst mor en paar van min." Dem folgten die Burschen natürlich gerne. Sie hatten ihr Freibier, Großvater Heinrich konnte erzählen - alle waren zufrieden. Manchmal entwickelte sich die Sache auch weiter und man holte aus Übermut den Ziegenbock von der Weide und führte ihn zur Theke, um Stammgast Jan, dessen Namen sich wie Bock anhörte, zu hänseln.

Wenn es hieß "Gäf denn Bock wat te drenke", ging Jan sofort darauf ein und rief: "Als gej min meint, dann loot dor mor wat komme." Sagte man aber "Schmitt den Bock herütt, wannt dat Bees stenkt", dann konnte man was erleben. 1998, als der Betrieb eingestellt wurde, endete die 160-jährige Familientradition der "Gaststätte im Polderbusch".

Quelle: RP
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