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Haldern Countdown
Aus der Zeit gefallene Rock'n'Roller

Emmerich. Am 10. August beginnt das Haldern-Pop-Festival. RP-Redaktionsleiter Sebastian Peters hat sich die aktuellen Alben der Bands bereits angehört. Hier sein Urteil:

Sløtface - Empire Records (EP) Die norwegische Popband Sløtface hieß früher Slutface, musste sich aber aufgrund umbenennen, weil sich das in englischsprachigen Suchmaschinen nicht gut machte. Um die Gefahr zu entgehen, Opfer der Zensur sozialer Netzwerke zu werden, suchte man einen neuen Namen. Drei Eps hat das Quartett bisher veröffentlicht. Auf Songs wie "Take Me Dancing" wird der Ansatz deutlich feministische Botschaften in einem pop-punkigen Gewand zu verkleiden. So klang Rock in den Neunzigern. Hier wird eine Message transportiert, ohne das Predigergewand zu tragen.

Klingt nach: The New Pornographers, The Cardigans (Punkte: 4/5)

Joe Fox - Aftershow (Single) Der britische Songwriter Joe Fox mit dreadgelocktem Haupthaar hat einen prominenten Mentor namens A$AP Rocky. Der New Yorker Rapper hat den jungen Mann unter seine Fittiche genommen, Fox sang den Chorus in Rockys Lied "Max B". Musikalisch scheint die Liaison aber keine gravierenden Auswirkungen auf das Schaffen des Joe Fox zu haben. Die vorliegende Single "Aftershow" ist solide Songwriterarbeit, Fox singt mit der Verve eines Paolo Nutini. Zu wenig für einen Ohrwurm, zu viel für eine Eintagsfliege. Da geht noch was.

Klingt nach: Paolo Nutini (ohne Wertung).

Isaac Gracie - ohne Album Der britische Songwriter Isaac Gracie ist auch in den Untiefen des Internets noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Einige Songs kann man in Schnipseln bei Soundcloud hören - wir wollen hier nicht übertreiben, aber in dieser rohen Anmutung, so gänzlich unproduziert, klingt das umwerfend. Man meint einen Rohdiamanten zu entdecken, den jungen Jeff Buckley zum Beispiel. So ist dem 21-Jährigen zu wünschen, dass seine Musik nicht glattgebügelt und feingeschliffen wird, wie das in diesen Tagen so oft Unsitte der Musikindustrie ist.

Klingt nach: Jeff Buckley, Nick Drake (ohne Wertung).

The Amazons - The Amazons Vier Männer, vier mal langes Haupthaar - die Band "The Amazons" aus dem Londoner Vorort Reading wirkt optisch ein wenig aus der Zeit gefallen. Aber darf man vom Äußeren die inneren musikalischen Werte ableiten? Wer das selbstbetitelte Album "The Amazons" hört, der entdeckt einen eher traditionellen Rock'n'Roll, der nie wirklich überrascht, der nach bewährtem britischen Muster simpel gestrickt ist, und gerade deshalb funktioniert. Die Gitarre werkelt als Riffmaschine, der Gesang wird in den Momenten voller Ekstatse zu Gebrüll. Exemplarisch sollte man die Single "Stay With Me" hören, die viel von dem verrät, was The Amazons ausmacht. "The Kooks", "The Libertines", "Razorlight", "The Rifles" - in "The Amazons" vereint sich noch einmal der Klang der 2000er Jahre. Womit die Antwort auf die Frage, ob man vom Äußeren auf Inneres schließen darf, hier doch noch gegeben wird.

Klingt nach: Razorlight, The Rifles

(Punkte: 3/5).

Quelle: RP
 
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