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Emmerich
Bauern beklagen extreme Ernteausfälle

Emmerich. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft spricht von einem der schlechtesten Jahre für Landwirte, die er in seiner über 17-jährigen Amtszeit erlebt habe. Unter den Bauern herrsche eine sehr bedrückende Stimmung. Von Monika Hartjes

Die Erntebilanz für den Kreis Kleve fällt sehr schlecht aus. "Mindestens 20 Prozent weniger bei den Ackerfrüchten, in diesem Jahr ist die Situation auf der ganzen Breite schwierig", sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Kleve, Josef Peters. Neben dem verminderten Ertrag seien auch die Preise gefallen. In den vergangenen Jahren gab es 17 bis 18 Euro pro Dezitonne Getreide, jetzt 20 Prozent weniger. "In den letzten zwei Jahren waren wir etwas verwöhnt, aber die Ernteerträge in diesem Jahr sind unterdurchschnittlich."

Bereits im Juli sorgten sich die Landwirte am Niederrhein um ihre Ernte. Getreide und Kartoffeln hatten unter der Witterung und dem Regen im Frühjahr stark gelitten und so manche Felder konnten nicht mit schwerem Gerät befahren werden. So gab es nur enttäuschende Erträge. "Emmerich hatte noch Glück im Unglück, weil sie nicht zusätzlich mit großen Überschwemmungen wie in Goch/Weeze und Isselburg zu kämpfen hatten", so Peters. Da gab es noch mal über fünf Prozent Einbußen zusätzlich.

Zurzeit findet die Kartoffelernte statt. "Die Industriekartoffeln müssen jetzt ausgemacht werden. Doch der Boden ist so trocken, dass er zuvor künstlich beregnet werden muss, bevor man sie ernten kann", sagt Josef Peters. Diese Beregnung kostet die Landwirte viel Geld. "Das ist ein Phänomen, das ich noch nie erlebt habe", so der Vorsitzende der Kreisbauernschaft. Auch mit den Zuckerrüben verhalte es sich so. Der Boden sei knochenhart durch die fehlenden Niederschläge, auch hier rechne man mit 20 Prozent weniger Ertrag. Die Zuckerfabrik Pfeiffer & Langen habe noch nie so wenig Rüben bekommen. Einziger Lichtblick: Der Zuckergehalt ist durch die Sonne überdurchschnittlich hoch.

Bei der Ernte auf den Weiden sehe es etwas besser aus. "Durch den nassen Sommer war das sehr ertragreich." Insgesamt gesehen sei das eines der schlechtesten Jahre für Landwirte, die er in seiner über 17-jährigen Amtszeit als Kreisvorsitzender erlebt habe.

Hinzu kämen ja auch noch die schlechten Preise für Milch und Fleisch. Man lese zwar in der Presse, die Situation in diesen Bereichen würde sich verbessern, aber im Portemonnaie der Landwirte sei das noch nicht angekommen. Ein Grund dafür sei auch das Einkaufsverhalten der Bürger. "Bei Umfragen sagen die Leute, sie würden gerne Bio- und regionale Produkte einkaufen, aber dann gehen sie doch zum Discounter."

Unter den Bauern herrsche eine sehr bedrückende Stimmung. "So ruhig habe ich sie noch nie erlebt", sagt Josef Peters. Aber auch mit schlechten Jahren müsse ein Unternehmer leben. "Es kann jetzt nur besser werden."

Quelle: RP
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