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Emmerich
Bei Manni nach den Wurzeln suchen

Emmerich: Bei Manni nach den Wurzeln suchen
Manni Otten ist leidenschaftlicher Sammler von Fotos, Dokumenten und allem, was die Geschichte seiner Heimatstadt erzählt. 2013 zogen seine Schätze in das leerstehende Ladenlokal an der Steinstraße, um dort die komplette Otten-Sammlung für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. 500 Ordner mit Fotos, Texten und Zeitungsausschnitten, Zeichnungen und historischen Begebenheiten stehen in Manni Ottens kleinem Museum. Hier finden sich die wichtigsten Emmericher Themen, Geschäfte und Personen. Von Monika Hartjes

Heimat erleben in Wort und Bild - das kann man in Manni Ottens kleinem Museum an der Steinstraße. Dort stehen über 500 Ordner, gefüllt mit Fotos, Texten und Zeitungsausschnitten, Zeichnungen und historischen Begebenheiten. Man kann dort so richtig schön in Erinnerungen schwelgen. "Hierher kommt so mancher, der in Emmerich geboren ist, seine Jugend hier verlebte, dann ausgewandert ist und jetzt nach den Wurzeln seiner Kindheit sucht", erzählt der 81-jährige Manfred Otten, der von allen einfach "Manni" genannt wird.

Den Gärtnermeister kennt man als leidenschaftlichen Sammler von Fotos, Dokumenten und Zeitungsausschnitten, die die Geschichte seiner Heimatstadt widerspiegeln und erzählen. Früher war er auch selbst als Fotograf bei Veranstaltungen verschiedenster Art - vom Karneval bis zum Stadtfest, vom Aufbau eines Gebäudes bis zum Abriss ehemaliger Fabriken oder Geschäfte - unterwegs und hielt alles in Bildern fest. Seine gesammelten Werke füllten dann irgendwann komplette Wandregale im Wohnzimmer, die bis unter die Decke reichten, und einen zusätzlichen Kellerraum. Als er älter wurde, machte sich der Emmericher Gedanken darum, was mit seinen mehreren hundert Aktenordner voll gesammelter Geschichte geschehen sollte. "Ich habe sie einigen Vereinen angeboten, doch die wollten nur einen Teil daraus", sagt er. Gemeinsam mit Johannes Diks und Sparkassenchef Horst Balkmann wurde dann eine Lösung gefunden, wie die Sammlung zusammenbleiben konnte: Alle Dokumentenordner zogen um in das leerstehende Ladenlokal an der Steinstraße 9. "Es ist uns ein Anliegen, die Otten-Sammlung komplett für die Nachwelt zu unterhalten", sagte Diks, als er Manni Otten die Räumlichkeiten im Februar 2013 übergab.

Herbert Wißmann hilft ihm, eine Ordnung in die gesammelten Werke zu bekommen. Man sortierte unter anderem nach Themen, Geschäften und Personen. Mittlerweile stehen rund 500 Ordner in den Regalen von Mannis kleinem Museum. Dort kann man die Geschichte der Emmericher Kirchen in Wort und Bild nachvollziehen, es wird berichtet über die Feuerwehr, den Emmericher Hafen, die einzelnen Ortsteile, Mühlen und Gaststätten. Auf den Fotos durch die Geschichte sieht man beispielsweise auch, wie sich die Mode und die Autos geändert haben und man entdeckt so manchen alteingesessenen Emmericher in jungen Jahren. Eine wahre Fundgrube an Geschichten sind auch die Ordner der großen Betriebe wie Lohmann, Katjes, Unichema, Sparkasse, Probat, Germania oder das Krankenhaus. "Bei der Unichema habe ich früher den Arbeitsplatz schmücken müssen, wenn jemand ein Jubiläum hatte", erinnert sich Manni Otten. "Der bekam einen grünen Kranz und ein Blumengesteck."

Besondere Erinnerungen hat er auch an so manche sportliche Veranstaltung, eine ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben und diese hat er natürlich auch dokumentiert. Am 8. März 1952 spielte eine Auswahl vom WDR Köln mit Redakteuren und Schauspielern in einem Fußballspiel gegen die Emmericher Prominenz, darunter Dr. Alff, Johann Abbing, Carl van Beek und Hubert Fink. Der Erlös des Freundschaftsspiels, das im Stadion stattfand und eine riesige Menge an Zuschauern anzog, kam dem Wiederaufbau der Emmericher Kirchen zugute.

Auch große Persönlichkeiten findet man in Mannis Archiv. So gibt es einen Ordner über Angela Merkel und Barack Obama. "Die waren natürlich nicht in Emmerich zu Besuch", schmunzelt der Senior. "Ich sammelte die Unterlagen, weil mich diese Politiker interessieren." Aber Hannelore Kohl, die habe er sogar persönlich getroffen. Die habe ihm ein Kochbuch geschenkt, in dem unter anderem das vom Altkanzler Helmut Kohl so beliebte "Saumagen"-Rezept stand.

So manche Ehemaligen treffen sich an der Steinstraße zu einem Klassentreffen und suchen in Mannis Archiv nach alten Fotos und Zeitungsausschnitten. Und sogar Antenne Niederrhein kam zu einem Interview, als es um den 50. Geburtstag der Rheinbrücke ging. Wenn also jemand Historisches über seine Heimatstadt entdecken möchte, ist er in Mannis kleinem Museum herzlich willkommen.

Quelle: RP
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