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Emmerich
Bereuen CDU-Wähler ihren Denkzettel?

Emmerich: Bereuen CDU-Wähler ihren Denkzettel?
Ein geschockter Amtsinhaber. Johannes Diks verliert im elften Jahr als Bürgermeister 31 Prozent der Stimmen. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Die BGE kann Peter Hinze (SPD) am 27. September zum Bürgermeister machen. Doch werden die CDU-Wähler, die ihren Bürgermeister am Sonntag abgestraft haben, das mitmachen? Von Christian Hagemann

Nach dem Wahlabend am Sonntag steht fest: Peter Hinze (SPD) kann nur Bürgermeister werden, wenn die Bürgergemeinschaft Emmerich (BGE) es will. Nach den überraschend hohen Stimmverlusten von Johannes Diks kommt es in zwei Wochen, wenn Bürgermeister Diks gegen Herausforderer Hinze in einer Stichwahl antritt, darauf an, ob die Menschen, die Joachim Sigmund von der BGE ihre Stimmen gegeben haben, diese nun der SPD oder der CDU geben.

Klar ist auch, dass es für die CDU in den kommenden zwei Wochen die dringendste Aufgabe ist, ihre Wähler davon zu überzeugen, Johannes Diks zu wählen. Denn das Wahlergebnis zeigt, dass viele CDU-Wähler nicht für den Amtsinhaber votiert haben. Deutlich wird das mit Blick auf die parallel stattgefundene Landratswahl. Da hat Landrat Spreen (CDU) am Sonntag in Emmerich 51 Prozent der Stimmen bekommen. Beinahe 20 Prozent mehr als sein Parteikollege Diks. In absoluten Zahlen: Der CDU-Landrat hat 2000 Emmericher Stimmen mehr als sein CDU-Parteikollege.

Ein weiterer Beleg für eine Denkzettel-Wahl ist das überraschend gute Abschneiden von Hinze in Elten. Bei den letzten Wahlen holte die CDU dort immer weit mehr als 50 Prozent. Da allerdings war Albert Jansen noch CDU-Ortsvorsteher und die Betuwe kein großes Thema. Hat also das Dauerfeuer der SPD-gesteuerten Eltener Betuwe-Bürgerinitiative gegen den Bürgermeister Wirkung gezeigt?

Und hat die Eltener CDU es möglicherweise Diks angekreidet, dass Jansen nicht mehr Ortsvorsteher ist, obwohl ihn die Eltener SPD abgesägt hat?

Das alles sind nur Spekulationen, zu denen sich aber noch eine dritte gesellen könnte: Nach elf Jahren haben die Wähler möglicherweise das Gefühl, es einfach mal mit einem neuen Gesicht im Rathaus probieren zu wollen.

Das könnte ebenfalls den Erfolg von Peter Hinze erklären. Schließlich trat er bei dieser Wahl bereits zum dritten Mal gegen Diks an - und das nach deutlichen Niederlagen in den Jahren zuvor. Andere hätten längst aufgegeben.

Aber Hinze hat es stattdessen geschafft, als Chef seiner Partei und Führer der SPD-Fraktion im Rat mit ruhiger Hand die Sozialdemokraten nach vorne zu bringen. Durch diese Entwicklung ist Peter Hinze im Bewusstsein der Bevölkerung auch als feste Größe der Politik in Emmerich angekommen. Sein Bekanntheitsgrad ist mittlerweile so hoch wie der von Johannes Diks.

Und nun liegt er tatsächlich mit 5,4 Prozentpunkten vor Diks. Folglich schauen beiden Kandidaten auf die 27 Prozent der BGE. In absoluten Zahlen sind das 2959 Wähler. Eine Menge Stimmen, die am 27. September verteilt werden.

Diks und Hinze trennen 593 Stimmen. Die CDU braucht also deutlich mehr von diesem Stimmen-Kuchen. Zumal David Krüger von der BSD auch noch 350 Stimmen erhielt. Seine Wähler dürften eher zur SPD neigen, so dass Johannes Diks allein zum Gleichstand rein rechnerisch 943 Stimmen fehlen.

Macht man sich diese Zahlen klar, wird deutlich, dass die Wahlempfehlung der BGE für einen Kandidaten wichtig sein kann. Joachim Sigmund hat bereits erklärt, dass er einen Wechsel im Rathaus will. Das ist eine Empfehlung an seine Wähler, Peter Hinze zu wählen. Ob diese ihm dabei folgen, ist eine andere Frage. Denn die CDU-Wähler, die für Sigmund votiert haben, werden wohl kaum in einer Art Treueschwur jetzt automatisch für den SPD-Mann stimmen, nur weil die BGE es so will.

Und auch die SPD dürfte eine Wahlempfehlung der BGE mit gemischten Gefühlen betrachten. Wer den Blick über die Stichwahl hinaus nach vorne richtet, wird erkennen, dass ein SPD-Bürgermeister Peter Hinze nicht einfach durchregieren könnte. Im Rat hat die SPD nur zehn Stimmen. Die CDU hat 13. Die BGE könnte Hinze stützen, weil sie sechs Stimmen hat. Die Grünen würden es vielleicht auch tun, obwohl sie eine Wahlempfehlung für Joachim Sigmund abgegeben haben. Die neue "Embrica"-Fraktion mit ihren drei Stimmen versteht sich eher als reine Opposition und wird einem SPD-Bürgermeister vielleicht eher nicht helfen wollen.

Und die CDU? Sollte Johannes Diks es tatsächlich nicht schaffen, würde sie bis zur nächsten Ratswahl im Jahr 2020 wohl kaum die SPD durch eine weitreichende Zusammenarbeit stark machen.

Sie würde vermutlich im Gegenteil versuchen, ohne einen eigenen Bürgermeister im Rathaus ihr Profil als Partei zu stärken. Das könnte sie auch deshalb tun, weil sie eben keinen eigenen Mann mehr auf dem Chefsessel hat, auf den sie Rücksicht nehmen müsste.

Sie könnte folglich in Ruhe abwarten, wie Peter Hinze mit einem möglichen Bündnis SPD/BGE/Grüne zu regieren versucht. Und darauf hoffen, dass sich dieses Bündnis rasch abnutzt und die BGE mit der Rolle der Regierenden schnell überfordert ist.

Das sind alles Überlegungen, die in den nächsten Tagen bei den Verhandlungen der Parteien eine Rolle spielen werden.

Aber es könnte auch ganz anders kommen: Dass nämlich eine Reihe von CDU-Wählern, die Sigmund gewählt haben, schlichtweg nicht wollen, dass ein SPD-Mann regiert. Dann hätte Johannes Diks vielleicht wieder 2000 Stimmen mehr als noch vor zwei Tagen.

Wahlergebnisse: Seite C 2

Quelle: RP
 
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