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Rees
Besuch im Reeser Schmuckkästchen

Rees: Besuch im Reeser Schmuckkästchen
Ein Team des WDR bei Dreharbeiten am Stadtmodell des Museums. Der Mann, der in die Kamera schaut, ist Stadtführer Heinz Wellmann. In diesem Fall in seiner Rolle als Reeser Kerkermeister. FOTO: Michael Scholten
Rees. Das Museum Koenraad Bosman existiert seit 1997. Sehenswert sind das Stadtmodell von 1650 und die Kasematten. Von Michael Scholten

1997 war ein gutes Jahr für die Kultur am Unteren Niederrhein. Gleich drei Museen wurden innerhalb weniger Monate eröffnet: das Museum Kurhaus Kleve, Schloss Moyland und das Städtische Museum Koenraad Bosman in Rees, das im Februar 1997 den Eröffnungsreigen anführte. Vermutlich waren die Reeser auch deshalb die Schnellsten, weil sie unter Zeitdruck standen. Denn der niederländische Mäzen Koenraad Bosman (1918-2000) knüpfte seine großzügige Geldspende an die Bedingung, dass die Stadt Rees bis Ende 1996 tatsächlich ein Museum im denkmalgeschützten und umfassend renovierten Haus Keim fertigstellt.

Bereits am 3. März 1994 hatte der Unternehmer aus dem kleinen Ort Berg en Dal mit dem damaligen Bürgermeister Willi Buckermann und dem damaligen Stadtdirektor Gerd Klinkhammer den Vertrag über die Koenraad-Bosman-Stiftung unterschrieben. Aus dem Ertrag des Stiftungsvermögens von 500.000 Euro werden seither die Betriebskosten des Hauses sowie der Ankauf neuer Kunstwerke finanziert. Die Stadt ehrte den Einsatz des Niederländers, indem sie bereits zu seinen Lebzeiten beschloss, das Museum nach ihm zu benennen.

Der Kontakt zu Koenraad Bosman war Mitte der 80er Jahre zustande gekommen. Der Unternehmer suchte im deutsch-niederländischen Grenzgebiet nach Plätzen zur Zwischenlagerung von Fertigbau-Wellblechhütten und Industriehallen, die er ins Ausland exportierte. Stadtdirektor Gerd Klinkhammer vermittelte im Reeser Ortsteil Empel, wo Bosman knapp zehn Jahre lang die ehemalige Dachziegelei Muhr als Lagerhalle nutzte.

Bosman und Klinkhammer pflegten auch eine private Freundschaft und sprachen oft über Bosmans Liebe zur niederländischen und niederrheinischen Landschaftsmalerei. Gern hätte er seine Sammlung dauerhaft in einem Museum ausgestellt. Gerd Klinkhammer erkannte die Gunst der Stunde. Wie viele seiner Mitbürger wünschte sich auch der Stadtdirektor ein Museum in Rees. Seit dem 16. Februar 1945, als die Rheinstadt von den Alliierten bombardiert wurde und auch das kleine Stadtmuseum im Krantor zerstört wurde, fehlte der Stadt eine solche Einrichtung.

Der Zufall wollte es, dass ein fast 150 Jahre altes Herrenhaus an der Kreuzung Vor dem Falltor/Am Bär zum Verkauf stand. Zwar nannte Architekt Karl Ebbers die Immobilie wegen ihrer schlechten Bausubstanz einen "Schrotthaufen", doch vor allem die Festungsanlage im Keller lohnte die umfassende Renovierung und die Erweiterung des Hauses. Die unterirdische Kasematte gehört seit 20 Jahren zu den Hauptattraktionen des Koenraad Bosman Museums. Inzwischen darf dort sogar geheiratet werden. Bevor das Museum am 21. Februar 1997 in Anwesenheit der damaligen NRW-Kultusministerin Ilse Brusis eingeweiht werden konnte, hatten die Mitarbeiter des Kulturamts und die ehrenamtlichen Museumshelfer bis zur letzten Minute gearbeitet. Der künstlerische Berater Guido de Werd, zugleich Direktor des Museums Kurhaus Kleve, ließ sogar noch Gemälde als Leihgabe aus Amsterdam holen, um bei der Eröffnung besondere Akzente zu setzen.

Den Schwerpunkt der Kunstausstellung setzen aber bis heute die 39 Bilder, die Bosman aus seiner privaten Sammlung zur Verfügung stellte. Zusammen mit Bildern aus dem Besitz der Stadt Rees und diversen Schenkungen gibt das Museum einen guten Einblick das Schaffen niederrheinischer Maler wie Ernst Isselmann und Helmuth Liesegang, zeigt aber auch Modernes von Astrid Feuser. Wechselausstellungen wie aktuell mit Werken von Nadja Nafe ergänzen das Angebot. Seit 2003 gibt es in Sichtweite des Museums auch den Skulpturenpark, der ebenfalls aus Mitteln der Koenraad-Bosman-Stiftung finanziert wird.

Größter Blickfang im stadthistorischen Bereich des Museums ist das Stadtmodell, das Rees um 1650 zeigt. Es wird auch in viele Stadtführungen und Nachtwächter-Touren eingebaut. Erst wenige Jahre alt ist der Raum der Jüdischen Traditionen alt, der unter anderem zwei original Tora-Aufsätze aus der zerstörten Synagoge in der Reeser Oberstadt zeigt.

Info Das Koenraad Bosman Museum steht zentral an der Kreuzung Am Bär / Vor dem Falltor in Rees. Es ist samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen zwei Euro Eintritt, Kinder einen Euro. Für Besuchergruppen ab zirka zehn Personen werden auch gesonderte Öffnungszeiten und Führungen organisiert. Diese können werktags unter Tel. 02851 51187 oder per E-Mail an Claudia.boergers@stadt-rees.de vereinbart werden.

Quelle: RP
 
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