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Emmerich
Betuwe: "Die Sicherheit ist ungenügend"

Emmerich: Betuwe: "Die Sicherheit ist ungenügend"
FOTO: Thorsten Lindekamp
Emmerich. Feuerwehr-Chef Martin Bettry schlägt in Sachen Betuwe-Pläne der Bahn Alarm. Und denkt dabei nicht nur an die Anwohner, sondern auch an seine Kollegen.

Martin Bettray blickt mit sorgenvoller Miene auf seinen zweimal fünf Meter großen Bürotisch. Nicht, dass Emmerichs Feuerwehr-Chef angesichts der bergeweise verteilten Papiere zum Ausbau der Betuwe-Bahnstrecke zwischen Elten und Oberhausen den Überblick verlieren würde. Der 52-Jährige, der seit 1991 hauptberuflich für Emmerichs Feuerwehr unterwegs ist, kennt schließlich das Thema in allen Einzelheiten. Vor allem vor dem Hintergrund des Sicherheitsaspektes.

Hier wird der Vertrag unterzeichnet FOTO: dpa, Oliver Berg

Bahn-Projektleiter Michael Teitzel hatte kürzlich im Rahmen einer Bürgerversammlung im Eltener Kolpinghaus erklärt, das Rettungskonzept für den Zugunglücksfall sei im Gesamtprojekt enthalten. Man sei mit der Feuerwehr im Gespräch. Dass die Partner im Dialog allerdings meilenweit auseinanderliegen, blieb unerwähnt.

Bettray formulierte genau aus diesem Grund nun seine unmissverständliche Botschaft. Die lautet zugespitzt: "Das Sicherheitskonzept ist ungenügend. Die Bahn nimmt uns die Erfolgsaussicht, wenn etwas passieren sollte. Und wir müssen den Leuten sagen, dass wir uns um die Sicherheit sorgen." Der Feuerwehr-Chef weiß sein Löschzugführerteam hinter sich: Gregor Amting (Vrasselt), Jörg Heimann (Emmerich), Rüdiger Geerlings (Hüthum) und Gert Dörning (Elten) sind ebenfalls im Thema drin.

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Springender Punkt aus Feuerwehr-Sicht ist die bislang stark eingeschränkte Erreichbarkeit einer möglichen Unfall- und Gefahrenstelle an der dann mit einem dritten Gleis verbreiterten Strecke. Bis zu vier Meter hohe Schallschutzwände erschweren eine vermeintliche Rettungsaktion. Von einem zumindest in einem kleinen Streifen verglasten Schallschutz ist bisher keine Rede im Konzept.

"Genau diesen brauchen wir aber, um eine Unfallsituation schnell einschätzen zu können", erklärt Bettray. Dass bisher nur südlich der Strecke mögliche Zugänge liegen, nicht aber nördlich, ist ein logistisches Defizit. "Wir müssten im Zweifelsfalle gegen den Strom der Einsatzkräfte retten", so Bettray. Die Bahn plant dazu, nur alle tausend Meter eine "Zuwegung" zum Gleis zu schaffen, die Feuerwehr fordert diese für Punkte alle 200 Meter.

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Der Grund ist für den Experten simpel. "Wir müssen in der Regel mit Atemschutz arbeiten. Ist die Strecke zum Unfall zu lang, reicht die Luft für den Retter nicht mehr aus, um sicher wieder aus der Gefahr zu gelangen. Irgendwann ist die Flasche leer", betont Bettray.

Auch die Löschwasserversorgung vor Ort könnte ein Problem werden. "6000 Liter Wasser pro Minute wären im Zweifelsfalle nötig. Die gigantische Summe ergibt sich aufgrund einer wissenschaftlichen Betrachtung aus den Niederlanden", so Bettray.

Die Bahn stützt sich in ihrem Sicherheitsplan auf das Konzept der ICE-Trasse Köln-Frankfurt, was eine aktuelle Absprache zwischen Innenministerium, Eisenbahn-Bundesamt und Deutscher Bahn ist. Die Schnellstrecke mit vorwiegendem Personenverkehr und zahlreichen Brücken sei aber, so Bettray, nicht mit der Betuwe-Linie zu vergleichen. Hier würde das Gros aus Güterzügen bestehen.

Auch das Thema Notfallmanager ist eines. Der muss die 15 000 Volt "spannende" Oberleitung abschalten, einen Teil des Stroms in die Erde leiten. Problem: Die Notfallmanager der Bahn haben eine Anrückzeit von 30 Minuten.

Letztlich kommt der Punkt, wer die 40 Millionen Euro extra, die der Arbeitskreis Sicherheit der Feuerwehr für das eigene Konzept veranschlagt, bezahlt.

(miry)
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