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Emmerich
Betuwe-Sicherheit: Druck wird größer

Der Betuwe-Ausbau in Bildern
Der Betuwe-Ausbau in Bildern FOTO: DB Bau Projekt
Emmerich. Die Feuerwehren, Bürgerinitiativen und Kommunen von Emmerich bis Oberhausen fordern Mindeststandards an der Strecke, um im Ernstfall schnell eingreifen zu können. Ende des Jahres wird das Eisenbahnbundesamt entscheiden. Von Markus Balser

Ein Tross von gut 50 Feuerwehrleuten, Vertretern von Bürgerinitiativen, Kommunen, Deutscher Bahn sowie den Bundestagsabgeordneten Sabine Weiss (CDU) und Ulrich Krüger (SPD) setzte sich gestern von Oberhausen bis ins niederländische Zevenaar in Bewegung. Anlass war die dritte Sicherheitskonferenz, zu der die Initiative "Betuwe - so nicht!" geladen hatte.

Konkret ging es um die Forderung der Feuerwehren entlang der Strecke, beim Bau der Betuwe-Linie Mindestsicherheitsstandards umzusetzen, die in den Niederlanden gang und gäbe sind. Auf deutscher Seite sehen die Feuerwehren großen Nachholbedarf bei der bisherigen Planung, vor allem, was den direkten Zugang zur Strecke anbelangt. Nur alle 1000 Meter wird er durch die geplanten Lärmschutzwände möglich sein.

Wie das im Katastrophenfall mit Chemikalien funktionieren könnte, hatte die Emmericher Feuerwehr vor kurzem ausprobiert - mit einem alarmierenden Ergebnis: Ab 400 Metern Entfernung zum Unfallort wäre ein Einsatz nicht mehr möglich, weil nicht mehr genügend Atemluft in den Pressluftatmern vorhanden ist. Sie reicht nur für einen Einsatz von 20 bis 30 Minuten.

40 Millionen Euro, rund zwei Prozent der Gesamtkosten, würde es kosten, die Zahl der Zugänge zu erhöhen, ihre Breite zu vergrößern und Sichtfenster in den Lärmschutzwänden einzufügen, so wie es die Feuerwehren fordern. Das zuständige Eisenbahnbundesamt steht dem bislang noch ablehnend gegenüber, wohl auch deshalb, um keinen Präzedenzfall für andere Strecken der Bahn zu schaffen.

In Zevenaar ließen sich die Besucher aus Deutschland das niederländische Sicherheitssystem für die Strecke erläutern, die dort, anders als in Deutschland, ausschließlich für den Transport von Gütern vorgesehen ist. Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf, gleichzeitig auch Sprecher des Arbeitskreises Betuwe, hält die dortigen Standards nicht für übertrieben: "Da wurde kein Rad neu erfunden, das wir nicht auch drehen könnten."

An der gestrigen Sicherheitskonferenz nahm auch die Düsseldorfer Regierungspräsidentin Anne Lütkes teil, die zusicherte, die Forderungen zur Chefsache machen zu wollen.

Ende des Jahres will das Eisenbahnbundesamt bekannt geben, wie es entscheidet. Nach Gesprächen, die die Bundestagsabgeordneten Weiß und Krüger dort führten, soll es aber erste Signale gegeben haben, die auf eine positive Lösung hindeuten könnten. "Wir sind zuversichtlich, dass dort jetzt ein Umdenken einsetzt. Gerade in Sachen Sicherheit dürfen keine Kompromisse gemacht werden", sagte der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers.

So sieht es auch Manfred Flore, Sprecher der Oberhausener BI "Betuwe - so nicht!": "Alle Kommunen entlang der Strecke, alle Feuerwehren und die gesamte Politik bis hin zu Barbara Hendricks stehen auf unserer Seite. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich hier nichts tun würde". Sollte sich das Eisenbahnbundesamt dennoch weiter gegen die Sicherheitsforderungen sperren, sieht Flore die Gefahr, dass die Betuwe dann bei den Bürgern vollends die Akzeptanz verliere.

Emmerichs Bürgermeister Johannes Diks will in diesem Fall dann auch das letzte Mittel einer Klage nicht ausschließen: "Das will eigentlich keiner, weil es das gesamte Verfahren verlängert, wäre aber vorstellbar."

Quelle: RP
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