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Emmerich
Bordell-Razzia: Jetzt droht Gefängnis

Emmerich: Bordell-Razzia: Jetzt droht Gefängnis
Blick auf das „Casa Rossa“ in Elten an der Groenlandstraße. Acht Prostituierte waren zum Zeitpunkt der Razzia im Bordell. Die Beamten nahmen die Betreiberfamilie fest. Die Frau in Emmerich am Parking, die beiden Männer in den Niederlanden. Von dort sollen sie nach Deutschland ausgeliefert werden. FOTO: markus van Offern
Emmerich. Vor 14 Monaten wurde die Betreiberin des Bordells "Casa Rossa" wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Nun wird ihr das gleiche Vergehen erneut vorgeworfen. Der Frau droht nun Gefängnis. Von Christian Hagemann

Die Staatsanwaltschaft Kleve in den frühen Nachmittagsstunden drei Haftbefehle gegen eine dreiköpfige Familie vollstreckt, die im Verdacht steht, seit 2010 im großen Stil in ihrem Bordellbetrieb in Elten Steuern und Sozialabgaben in Höhe von fast 1,5 Millionen Euro verkürzt zu haben. Unterstützt wurde die Staatsanwaltschaft durch etwa 100 Beamte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Duisburg, der Steuerfahndung Düsseldorf, der Landes- und Bundespolizei sowie der niederländischen Behörden.

Die hohe Summe und die Aktion der Behörden überraschen, denn erst im Februar war der Prozess geben Marion B. vor dem Landgericht in Kleve zu Ende gegangen. Dort hatte sie sich wegen derselben Anschuldigungen verantworten müssen. Am Ende zahlte sie 30.000 Euro an die Stadt sowie 220.000 Euro an das Finanzamt in Kleve. Als eine Art teilweise Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden. Denn es ging nach der damaligen Rechnung von Staatsanwalt Hendrick Timmer um knapp 2,6 Millionen Euro Schaden, die dem Staat an Steuern und Sozialabgaben verlorengegangen sein sollten.

Der Vorsitzende Richter Christian Henckel verhängte am Ende gegen Marion B., die 2011 das Bordell an ihren Sohn übergab, eine Bewährungshaftstrafe über zwei Jahre. Plus 330 Tagessätze zu je 20 Euro. Henckel sah die Anschuldigung, zu gering oder gar nicht in die Staats- oder Krankenkasse gezahlt sowie die Bordell-Damen als Schein-Selbstständige beschäftigt zu haben, in 179 Einzelfällen als gegeben an und rechnete letztlich den immensen Schaden auf 1,2 Millionen Euro herunter.

Staatsanwalt Timmer hatte dagegen dreieinhalb Jahre Gefängnis gefordert. Timmer war auch am Dienstag verantwortlich für die Razzia im "Casa Rossa". Und die spannende Frage ist, ob Marion B. in einem nächsten Verfahren das Gericht als freie Frau wird verlassen können. Im Moment sitzt sie jedenfalls in Untersuchungshaft. Gibt es weitere Beweise, dürfte es wohl mit der Bewährungsstrafe vorbei sein. Der Staatsanwaltschaft jedenfalls hat die Sache keine Ruhe gelassen. Die Zollfahnder aus Duisburg schrieben am Dienstagabend: "Nach monatelangen Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft und die Finanzkontrolle Schwarzarbeit wird den mutmaßlichen Tätern vorgeworfen, die im Bordell arbeitenden Prostituierten nicht als Angestellte gemeldet zu haben. Sie hatten sich vielmehr auf Anweisung der Bordellbetreiber als selbstständige Hostessen oder Masseurinnen beim Gewerbeamt zu melden, obwohl diese angebliche Selbstständigkeit bei keiner der ausländischen Prostituierten gegeben oder vorgesehen war."

Die jüngste Razzia im Erotikgewerbe macht deutlich, dass die Behörden den Betreibern auf die Finger gucken. Vor wenigen Wochen gab es vor dem Landgericht in Kleve einen Prozess gegen den Betreiber eines Bordells in Kalkar, auch hier ging es um die Steuern. In Erinnerung ist zudem der Prozess gegen das Ex-Betreiberpärchen des Fun Garden an der Tackenweide, das 2013 vom Landgericht Kleve wegen Zwangsprostitution von Frauen, die aus dem Ausland eingeschleust worden waren, sowie Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden war. Nach Verbüßen von zwei Dritteln der Strafe ist der Mann wieder auf freiem Fuß.

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