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Emmerich
Brennen für den Niederrhein

Emmerich: Brennen für den Niederrhein
Vor zwei Jahren präsentierten Ingeborg und Andre de Schrevel den neuen Whisky "Thorneke" in der Niederrhein-Destille Dornick. Das Ehepaar entwickelt immer wieder neue Kreationen, bald soll ein Weinbrand ausprobiert werden. FOTO: van Offern
Emmerich. Vor zehn Jahren wurde aus einem Zahntechniker ein Schnapsbrenner: Andre de Schrevel gründete 2007 die Niederrhein-Destille in Dornick. Inzwischen wurden seine Brände mehrfach prämiert. Von Monika Hartjes

Vor zehn Jahren machte Andre de Schrevel seine erste Destillation in der Niederrhein-Destille. "Es war ein Zwetschgenbrand", erinnert er sich. "Ich war furchtbar nervös, denn ich hatte die Geräte erst kurz vorher aufgestellt und musste unter Aufsicht der Herren der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein destillieren. Die kontrollierten, ob die Geräte und vor allem die Messuhren richtig eingestellt waren." Mittlerweile läuft es sehr gut in der Niederrhein-Destille, die er gemeinsam mit Ehefrau Ingeborg betreibt. Die gute Qualität ihrer Erzeugnisse beweist die umfangreiche Liste an gewonnenen Preisen: 16 Mal Gold, 20 Mal Silber und sieben Mal Bronze. Unter den Preisen sind zwei Ehrenpreise, einmal, weil die höchstmögliche Punktzahl erreicht wurde, der zweite wurde 2010 auf der Internationalen Spirituosenmesse in Neustadt an der Weinstraße überreicht für den Quittenbrand als "Obstdestillat des Jahres".

Andre de Schrevel machte seine Leidenschaft zum Beruf. "Schon als 16-Jähriger machte ich erste Versuche mit Obstbränden. Im Laufe der Jahrzehnte sammelte ich Erfahrungen und las viel Literatur", erzählt der gelernte Zahntechniker. Als das Ehepaar 1999 in Dornick ein Haus baute, richtete er dort sein Labor ein. Im März 2007 besuchte er an der Uni Hohenheim bei Stuttgart einen Brennereilehrgang, verkaufte seine Laboreinrichtung an einen Kollegen und richtete in den Räumen die Niederrhein-Destille ein.

Das Obst für die Brände und Geiste bekommt er von den Obstbauern aus der Region. Äpfel, Birnen, Zwetschgen und weitere Obstarten werden gewaschen, in der Rätzmühle zu Maische verarbeitet, in den Keller gepumpt und dort mit Hefe versetzt. So entsteht ein Brand. "Die Hefe 'frisst' den Zucker und scheidet den Trinkalkohol Ethanol und Kohlensäure aus", erklärt der Fachmann. Bei "Geisten" werden die Früchte, die nicht über Fruchtzucker verfügen, beispielsweise Haselnüsse, mit Neutralalkohol angesetzt. Der Alkohol zieht die Aromen aus den Früchten, nachher wird die Flüssigkeit abdestilliert. "Man braucht das richtige Know-how und muss sauber arbeiten, das ist sehr wichtig", sagt de Schrevel. Und natürlich feine Geschmacksnerven haben. Da helfen Ehefrau Ingeborg und Tochter Eva, die im nächsten Jahr eine Gastronomie mit Verkauf - auch der elterlichen Artikel - in Kleve eröffnen wird. Der Erfolg gibt de Schrevel Recht. Und immer wieder testet er etwas Neues aus. "Ich hörte von kleinen Obstbrennereien, die Whisky brannten", erzählt der Dornicker. 2012 probierte er es selbst, versetzte Gerstenmalz mit Enzymen, die daraus vergärbare Maltose machten, die dann destilliert wurde. Drei Jahre muss das Destillat in Holzfässern lagern, damit es Whisky heißen darf. Deshalb gab es im Jahr 2015 die erste Abfüllung des "Thorneke"-Whiskys, benannt nach dem mittelalterlichen Namen für Dornick. Jetzt wird die sechste Abfüllung verkauft - es gibt 396 Halbliterflaschen. Der Thorneke kam so gut an, dass er 2017 in den Deutschen Whisky-Guide als Top-Empfehlung aufgenommen wurde. Es gibt auch Pralinen, die mit dem Whisky gefüllt sind.

Neu in diesem Jahr sind zwei Produkte: Der Kräuterlikör "Deichfee" hat ein "männliches Gegenstück" bekommen, den "Deichteufel" - da ist Chili mit drin. Außerdem wurde ein Gin in drei Ausführungen neu konzipiert: Den "Junip Rhenus" (lateinischer Name für Rhein) gibt es in würzig, fruchtig und fassgelagert.

Andre de Schrevel hat schon eine neue Idee im Kopf: Er möchte Weinbrand herstellen. "Ich habe bereits Kontakt mit einem Winzer am Mittelrhein aufgenommen, der mir Brennwein liefern kann."

Quelle: RP
 
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