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Brexit: "Auch die Doofen dürfen mitmachen!"

Rees: Brexit: "Auch die Doofen dürfen mitmachen!"
Die Volksbank Emmerich-Rees hatte Hajo Schumacher als Referent zu ihrer Vertreterversammlung eingeladen. FOTO: H. Völkel
Rees. Der Berliner Journalist Hajo Schumacher sprach auf Einladung der Volksbank und sparte nicht mit Kritik an der Entscheidung der Briten. Von Michael Scholten

"Das Problem der Demokratie ist: Auch die Doofen dürfen mitmachen!" Hajo Schumacher fand klare Worte für die Entscheidung der Briten, die Europäische Union verlassen zu wollen. Der Berliner Journalist, den die Volksbank Emmerich-Rees als Referent zu ihrer Vertreterversammlung geladen hatte, warnte davor, die Briten "mit Tricks" in der EU halten zu wollen. Zuvor hatte Wim Abbing, der Aufsichtsratsvorsitzende der Volksbank Emmerich-Rees, noch gehofft, dass die Briten, "doch nicht ernsthaft den Austrittsantrag stellen".

Schumacher, der seine Doktorarbeit über die politischen Führungsstrategien von Angela Merkel verfasste, meinte dagegen: "Entschieden ist entschieden, die EU darf den Briten keine Schlupflöcher bieten." Nur ein zweites Referendum lässt er gelten: "Wenn sie dann wieder den Brexit wählen, müssen sie sofort raus. Wenn sie einsehen, dass sie sich verwählt haben, weil sie Lügnern aufgesessen sind, dürfen sie bleiben. Das kostet dann allerdings eine Kleinigkeit, zum Beispiel das Pfund."

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Der europäische Ausblick war nur die spontan improvisierte Ouvertüre des eigentlichen Vortrags zu Schumachers Buch "Restlaufzeit: Wie ein gutes, lustiges und bezahlbares Leben im Alter gelingen kann". Inspiriert wurde der Autor, der Jahrgang 1964 ist, von den tristen 50. Geburtstagen in seinem Umfeld: "Ein Drittel sagt schon früh ab, ein Drittel sagt kurzfristig ab, weil die Kinder krank sind, und dann kommen nur die Langweiligen."

So nutzte er seinen eigenen 50. Geburtstag für eine Reise mit seiner Frau und dachte dabei übers Älterwerden nach. Denn in Zeiten unsicherer Renten, wachsender Lebenserwartung und nachlassender Einzahlungsmoral der jungen Generation sei die sorgenfreie Pensionierung fraglich. Schumachers Vater, der bei der Bahn arbeitete, starb 1979 mit 55 Jahren und hatte nichts mehr von der Rente. "Meine Mutter hat dann 30 Jahre damit verbracht, auf den Tod zu warten", sagte der Autor und verurteilte die "schleichende Einsamkeit" als schlimmstes Phänomen. "Einsamkeit kostet sieben Lebensjahre, da können Sie besser rauchen, saufen und rumhuren - und haben immer noch ein längeres Leben."

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Schumacher besuchte eine luxuriöse Seniorenresidenz in Berlin, die aber nur "Steifheit und Leere" bot. Das Wohnprojekt Beginenhof im Essener Stadtteil Rüttenscheid, betrieben von zwei pensionierten Lehrerinnen, ist für Frauen reserviert, die "Villa Germania", in der deutsche Rentner mit ihren Thai-Frauen nahe Pattaya wohnen, ist ihm zu peinlich. Eine Vier-Generationen-Familie, die er besuchte, funktionierte nur, weil sich die Mutter "krumm und depressiv" arbeitete. Besser gefiel ihm ein 300 Einwohner großes Öko-Dorf in den neuen Bundesländern, in dem jeder für den anderen eintritt.

Schumacher appellierte an die Zuhörer, sich körperlich und geistig fit zu halten und bei Neuem nie zu denken, dass es sich nicht mehr lohne: "Eine Französin hat mit Anfang 80 Klavierspielen gelernt und mit 89 das Fechten." Zudem solle die "Restlaufzeit" nur mit netten Menschen verbracht werden: "Teilen Sie Ihren Bekanntenkreis in A, B und C auf", empfahl Schumacher. "Von C können Sie sich verabschieden und die gewonnene Zeit mit A verbringen. Unterteilen Sie dann B in jene Menschen, die eher das Potenzial zu A oder C haben und sortieren Sie erneut aus."

Quelle: RP
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