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Rees
Brücke fasziniert auch nach 50 Jahren

Rees: Brücke fasziniert auch nach 50 Jahren
Viel Interesse zogen die Zeitungsartikel auf sich, die auch im Rahmen der Ausstellung gezeigt werden. FOTO: Markus van Offern
Rees. Bei der Eröffnung der Ausstellung zur Rheinbrücke gab es viele interessante Details zu dem Bauwerk. Von Michael Scholten

"Wir nutzen die Rheinbrücke ganz selbstverständlich. Doch wenn sie bei Sturm oder Glatteis gesperrt wird, merken wir schnell, wie abhängig wir von ihr sind", sagte Bürgermeister Christoph Gerwers zur Eröffnung der Ausstellung "50 Jahre Rheinbrücke Rees-Kalkar" im Museum Koenraad Bosman. Mehr als 160 Besucher wohnten der Feierstunde bei. Seit ihrer Eröffnung am 20. Dezember 1967 habe die Schrägseilbrücke eine wichtige Rolle für Verkehr, Wirtschaft und persönliche Kontakte zwischen dem linken und dem rechten Rheinufer gespielt, sagte Gerwers.

In der Bauphase der Brücke habe es aber auch "unangenehme, sogar blamable Stunden" gegeben. So hätten die Ingenieure nach dem Einsturz eines 95 Meter langen Teilstücks am 20. November 1966 "sicher manche unangenehme Frage" beantworten müssen, wie es zu der 2,5 Millionen Mark teuren Panne und einer halbjährigen Bauverzögerung kommen konnte. "Zum Glück gab es damals noch kein Facebook", sagte der Bürgermeister. Heute werde die Rheinbrücke Rees-Kalkar täglich von 15.410 Kraftfahrzeugen genutzt und sei auch in ihrem Jubiläumsjahr "gut in Schuss, wie Straßen.NRW erst kürzlich attestierte."

Stadtarchivarin Tina Oostendorp, die mit Eila Braam die Ausstellung organisiert hat, erinnerte an die Vorgeschichte der "Rheinharfe", wie die Brücke von vielen Reesern liebevoll genannt wird. Schon im Jahr 1960 wünschten sich Wirtschaft und Politik, die A1 von Eindhoven nach Brüssel zu verlängern und den Rhein auf Höhe Rees zu queren. Im Januar 1961 berichtete dann erstmals die Presse über diesen Plan. Es dauerte noch bis zum 24. April 1965, bis die Politprominenz symbolisch den Grundstein für die neue Rheinbrücke legte. Bundesverkehrsminister Hans Christoph Seeboom, NRW-Ministerpräsident Franz Meyers und Weihbischof Heinrich Baaken hatten vormittags bereits das letzte Teilstück der Bundesautobahn bis zur niederländischen Grenze eingeweiht und machten dann einen Abstecher nach Rees, wo im Hotel Holzum gefeiert wurde. "Der Grundstein bzw. die Kupferrolle mit Urkunde wurde aber noch fast zehn Monate im Tresor der Stadtsparkasse eingelagert, bis er am 10. Februar 1966 tatsächlich im Widerlager Rees versenkt wurde", erklärte Tina Oostendorp.

Die Einweihung am 20. Dezember 1967 war ein großer Festtag für Rees. Bundespräsident Heinrich Lübke reiste am Vortag mit der Bahn an, wurde am Bahnhof Empel empfangen und wohnte im Rheinhotel Dresen. Der damalige Bürgermeister Johann Meisters empfing Lübke und viele geladene Gäste zu einem Empfang im Rathaus. Tina Oostendorp erinnerte daran, dass der Tag der Freude auch ein Tag des Abschieds war: "Am 20. Dezember 1967 endete die Jahrhunderte alte Tradition der Rheinfähre." Die "Stadt Rees" wurde nur einen Tag später nach Östrich bei Rüdesheim überführt und setzte dort - unter neuem Namen "Cornelia" - ihren Fährdienst fort. "An ihrem letzten Tag fuhr die Fähre kostenlos", sagte die Stadtarchivarin. "Viele Kinder machten sich den Spaß, mit der Fähre überzusetzen, dann den kostenfreien Bus nach Rees zu nehmen und wieder mit der Fähre überzusetzen." Zeit dazu hatten sie: An jenem Mittwoch fiel die Schule aus. Die Jungen und Mädchen wurden mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen ausgestattet und winkten dem Bundespräsidenten zu. Zwei dieser Fahnen haben überlebt und sind nun Teil der Ausstellung.

Tina Oostendorp dankte den Zeitzeugen, die mit Erzählungen und Exponaten zum Erfolg der stadthistorischen Ausstellung beitragen. Dass die Sammelarbeit niemals endet, bewies Carla Gottwein. Sie brachte zur Ausstellung digitalisierte Tonaufnahmen mit, die ihr Vater Bruno Leineweber am 19. Dezember 1967, damals als Mitglied im Stadtrat, mit einem tragbaren Kassettenrekorder im Rathaus gemacht hat. Darauf ist unter anderem die Rede des Bundespräsidenten Heinrich Lübke zu hören. Das Tondokument soll noch im Dezember in die Ausstellung integriert werden.

"50 Jahre Rheinbrücke Rees-Kalkar" kann bis zum 4. Februar 2018 zu den Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung besichtigt werden. Danach, voraussichtlich vor Ostern, wandern Teile der Ausstellung ins historische Rathaus von Kalkar.

Quelle: RP
 
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