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Rees
Computerkurse für mehr Lebensqualität

Rees: Computerkurse für mehr Lebensqualität
Rafael Wißen (links), Bernhard Brömling von der KAB Haldern und Helmut Burgschat von Rollstuhlsport Niederrhein Westmünsterland. FOTO: DIANA ROOS
Rees. Im Altenheim St. Marien werden Senioren ohne jegliche Vorkenntnisse an den Umgang mit dem PC herangeführt.

Irma Boland ist 74 Jahre alt. Natürlich, sagt sie, habe sie schon mal einen Computerkurs besucht. "Aber ich habe mich dort fehl am Platze gefühlt", sagt sie. Der Kurs, der sich angeblich an Anfänger richtete, setzte für sie zu viel voraus. "Das ist hier anders", sagt die Haldernerin über den Kurs von Rafael Wißen. "Hier fühle ich mich ausgesprochen wohl. Ich kann Fragen stellen, bekomme alles gut erklärt", lobt sie die didaktischen Fähigkeiten ihres Dozenten, der - man lese und staune - Bewohner des Altenheims St. Marien ist - allerdings erst 51 Jahre jung. "Aber meine Krankenakte umfasst eineinhalb DIN-A-4-Seiten", erklärt der gebürtige Halderner seinen Umzug an die Gerhard-Storm-Straße 1. Am meisten beeinträchtigt ihn die Erkrankung seiner Wirbelsäule mit der Folge, dass er seine Beine nicht mehr steuern kann. Also hat sich der gelernte Gärtner auf seine geistigen Fähigkeiten besonnen. "Technik, Computer, Handys, das ist mein Ding und seit 35 Jahren mein Hobby", sagt der Mann, der im Rollstuhlsport-Niederrhein-Westmünsterland aktiv ist.

Wie auch Helmut Burgschat. Natürlich kannte der Halderner Wißens Fähigkeiten - und machte ihn deshalb zum Dozenten, als die KAB Haldern einen Computerkurs für Senioren ins Leben rufen wollte. Bei Johannes Fockenberg, dem Geschäftsführer des Altenheims St. Marien, liefen die beiden offene Türen ein. "Klar, dass wir ihm, so lange das geht, einen Raum zur Verfügung stellen", regierte er, der ein Mehr an Lebensqualität für den Altenheim-Bewohner witterte. "Das ist auch so, ich habe jetzt viele Kontakte, die ich nicht mehr missen möchte", sagt Wißen. Die reichen sogar bis nach Elten, denn von dort reist die Kursteilnehmerin mit der weitesten Anfahrt an.

"Die meisten sind natürlich aus Haldern", so KAB-Chef Bernhard Brömling. Wie Ehepaar Brigitte und Heinz Booms. "Ich habe hier viel gelernt", sagt der 66-Jährige Heinz Booms. "Vor allem hat er viel Geduld mit uns", findet Booms Ehefrau Brigitte. Seit Mai drücken sie die Schulbank. Mit Maria Tenhagen und Irma Boland bilden sie einen Kurs. "Vier Kursteilnehmer, mehr sollen es auch nicht werden", findet Brömling. Weil es das Fragen leichter, das Lernen effiktiv macht. Neben den zwei Kursen mit je vier Teilnehmern zwischen 50 und 80 Jahren erteilt Wißen zwei Personen Einzelunterricht. Alles kostenlos. Und weil der Zugang zum Raum 332 barrierefrei ist, können auch Menschen mit Behinderungen teilnehmen.

Die Computer, die Wißen für den Betrieb flott gemacht hat, haben Mitglieder der Pfarrgemeinde St. Gerorg gestiftet, der Rollstuhlverein hat Möbel organisiert. Und 100 Euro hat die KAB für den Anschub beigesteuert.

(rau)
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