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Rees
Damit die Erinnerung nicht verblasst

Rees: Damit die Erinnerung nicht verblasst
Rainer van der Horst reinigt die Stolpersteine der ehemaligen Reeser Josef und Johanna Gompertz, die 1943 deportiert und in Sobibor ermordet wurden. FOTO: Michael Scholten
Rees. Unentgeltlich und weitestgehend unbemerkt: Rainer van der Horst reinigt zweimal pro Jahr die Stolpersteine in der Reeser Innenstadt sowie in den Ortsteilen Haldern und Millingen. Von Michael Scholten

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Der Künstler hat in 20 Ländern mehr als 60.000 sogenannte Stolpersteine verlegt, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Die Stadt Rees erhielt ihre 34 Stolpersteine am 23. November 2009. Jeder Stein nennt, in Messing geschlagen, den Namen und die Lebensdaten eines jüdischen Mitbürgers und ist vor dessen früherem Wohnhaus in den Asphalt eingelassen.

Damit die Erinnerung - im wahrsten Sinne des Wortes - nicht verblasst, ist in diesen Tagen wieder Rainer van der Horst in Rees unterwegs. Zweimal pro Jahr reinigt der 67-jährige Hausmeister des Reeser Museums die Stolpersteine in der Reeser Innenstadt sowie in den Ortsteilen Haldern und Millingen. Er macht das unentgeltlich, ohne Auftrag und unbemerkt von den meisten Reesern.

Vor fünf Jahren sollten kurzzeitig Schulklassen Patenschaften für einzelne Stolpersteine übernehmen, doch das Engagement endete schnell wieder. "Schüler und Lehrer wechseln, man weiß nie, ob im Unterricht gerade das Thema Nationalsozialismus behandelt wird", sagt Rolf Albring, der ehemalige Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV), der Gunter Demnig 2009 gemeinsam mit dem Geschichtsverein Ressa nach Rees einlud.

Rainer van der Horst braucht zirka 20 Minuten für einen Stein. Zunächst greift er zum Schrubber, dann säubert er die Oberfläche mit sehr feiner Stahlwolle und Poliercreme. "Die Metzgerei Voß an der Dellstraße hält die Stolpersteine vor ihrem Geschäft selbst immer blitzblank, da muss ich kaum etwas machen", lobt Rainer van der Horst. Vor der Metzgerei waren 2009 auch die ersten der insgesamt 25 Stolpersteine in der Reeser Innenstadt verlegt worden, danach setzte Gunter Demnig seine Arbeit vor zwei Häusern in Haldern und in der Millinger Hauptstraße fort. Ein Faltblatt, das kostenlos im Reeser Rathaus und auf www.rees-erleben.de erhältlich ist, informiert über die Standorte.

Mehr als 34 Stolpersteine soll es laut Rolf Albring in Rees nicht geben. Schon 2009 hätten der Verschönerungsverein und der Geschichtsverein beschlossen, die Steine für jene jüdischen Mitbürger zu reservieren, die durch das NS-Regime ums Leben kamen.

"Natürlich gab es auch viele andere jüdische Bürger, die sich um das gesellschaftliche Leben in Rees verdient gemacht haben, aber an sie erinnern wir regelmäßig bei Gedenkveranstaltungen, in Ausstellungen und in Publikationen", erklärt Rolf Albring.

Quelle: RP
 
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