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Rees
Das große Verschwinden im Depot

Rees. Im Zuge der Änderung der Pläne für das Depot Haldern ist wieder eine Geschichte in den Fokus gerückt, die fast unglaublich klingt. Der erste Besitzer hatte Inventar im großen Stil entfernen lassen. Gestört hat das offenbar bis heute keinen so richtig. Von Sebastian Latzel

Die Pläne für das Halderner Depot haben im Rat die letzten Hürden genommen. Damit ist für die Firma Vink der Weg frei, das Areal zur Lagerung und Reparatur von Großmaschinen zu nutzen. Das Okay war letztlich nur eine Formalie, spannender war, dass im Zuge der Stellungnahmen zu dem Projekt ein Anwohner wissen wollte, was eigentlich mit dem ganzen Metall passiert ist, das in den Bunkern lagerte. Eine Frage, die offenbar keiner so richtig beantworten kann und hinter der sich eine fast krimireife Geschichte verbirgt, bei der es um Werte in Millionenhöhe geht und eine Straftat, die es rein rechtlich gar nicht gibt. Eine komplizierte Geschichte.

Sie beginnt im Jahr 2005, als die Bundesanstalt für Immobilien das Depot zum Verkauf anbietet. Mehrere Gebote gehen bei der Behörde ein, die schließlich einer Firma aus Bocholt den Zuschlag erteilt. Vertraglich wurde vereinbart, dass das Unternehmen den Kaufpreis innerhalb eines Jahres zu zahlen hat. Rein rechtlich waren die Bocholter jetzt Besitzer des Geländes, aber nicht Eigentümer. Es gab quasi einen Schwebezustand, was das Bundesamt aber offenbar nicht weiter störte, weil die Behörde davon ausging, dass der Interessent ja ohnehin das Gelände kaufen würde.

Die Firma, ein Projektentwickler, suchte Investoren für große Pläne. Ein Reitpark mit Jugendherberge und Hotel sollte auf dem Gelände entstehen. Überlegungen, die ebenso für Gesprächsstoff sorgten wie die Ambitionen der Bocholter, auch beim Reeser Meer groß einzusteigen. Vor allem der damalige Reeser Kämmerer beäugte die Pläne auf dem Depot allerdings kritisch.

Im Gegensatz zur Bundesanstalt für Immobilien. Die Behörde störte es nicht, dass die Besitzer anfingen, das Inventar des Depots abzutransportieren. Vermutlich ein lohnendes Geschäft. Die zwei großen Bunker der Anlage waren seinerzeit umgebaut worden, weil es Pläne gab, dort die giftige Chemikalie PER zu lagern. Dafür waren riesige Auffangwannen auf tonnenschweren Stahlträgern installiert worden. Darüber befanden sich Stahlmatten, auf denen sogar 10-Tonner rangieren konnten. Rund 12 Millionen D-Mark soll die Installation gekostet haben.

Die Besitzer räumten den gesamten Stahl aus den Bunkern. Was damit passierte, ist bis heute unklar. Augenzeugen berichten, dass das Material an Schrotthändler verkauft worden sei. Damals sei der Schrottpreis enorm hoch gewesen. Auch eine Anlage für Wasseraufbereitung sei verkauft worden.

Während die Bocholter Firma auf dem Gelände zumindest beim Abtransport recht aktiv war, gestaltete sich die Suche nach Investoren für den Reitpark offenbar schwierig. Immer wieder hielten die Verantwortlichen die Stadt und das Bundesamt hin. Immer wieder gab es Gerüchte über Zahlungsprobleme.

Tatsächlich haben die Bocholter den Kaufpreis nie bezahlt und fanden schließlich die Firma Vink, die die Kaufoption übernahm. Als Vink und ein Vertreter des Bundes sich das Gelände ansahen, seien alle überrascht gewesen, dass die Hallen leer waren. Da aber Vink ohnehin kein Interesse an den Stahlwannen hatte und der Bund den Kaufpreis bekam, der vereinbart war, sei effektiv kein Schaden entstanden, heißt es. Dem Vernehmen nach hat sich der jetzige Eigentümer bestätigen lassen, dass die Wannen bereits verschwunden waren, bevor er das Gelände übernommen hat. Was mit dem Stahl passiert ist, würde mancher gerne wissen. Doch beim Bocholter Unternehmen gibt es dazu keine Auskunft mehr. Unter der Telefonnummer meldet sich inzwischen eine Anwaltskanzlei.

Laut Auskunft des Handelsregisters Coesfeld ist der Firmensitz im August 2009 ins Industriegebiet Rhede verlegt worden. Telefonisch ist dort niemand zu erreichen. Es ist immer ein Besetzzeichen zu hören. Unter der angegebenen Adresse ist tatsächlich ein Gebäude mit passendem Firmenschild zu finden. Allerdings öffnet niemand aufs Klingeln oder klopfen. Die RP hinterließ einen Brief mit der Bitte um Rückruf. Bislang ohne Reaktion.

Quelle: RP
 
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