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RP-Serie Reeser Bildergeschichten (4)
Das Jahrhundert-Hochwasser

RP-Serie Reeser Bildergeschichten (4): Das Jahrhundert-Hochwasser
Brigitte Schlossmacher-Thissen präsentiert Franz Knippenbergs Fotografie vom Hochwasser 1926. FOTO: Michael Scholten
Emmerich. Brigitte Schlossmacher-Thissen rettete ein Zeitdokument aus dem Jahr 1926. Das Hochwasserfoto hängt heute in ihrem Haus. Von Michael Scholten

REES Es war im Jahr 1978. Brigitte Schlossmacher-Thissen kam vom Einkaufen und befuhr mit ihrem Fahrrad die Straße Am Bär. Dort wartete ein Müllwagen und die Reeserin sah gerade noch, dass ihre Schwägerin Hanni Schlossmacher dem Müllmann ein Bild in die Hand drücken wollte. "So ein olles Ding braucht doch keiner mehr", befand Hanni Schlossmacher und verwies auf den Wasserschaden unten links und auf das kleine Loch oben rechts, das von einem Granatsplitter herrührte. Doch ihre Schwägerin war anderer Meinung. So rettete Brigitte Schlossmacher-Thissen das Bild, rahmte es und hängte es in ihrem Haus in der Oberstadt auf.

Die signierte Schwarzweiß-Fotografie von Franz Knippenberg entstand im Januar 1926 und zeigt die Folgen des Jahrhundert-Hochwassers am Rhein. 10,97 Meter hoch stand das Wasser, eine Metallplakette am Reeser Zollturm erinnert bis heute an diesen Rekord. "Das Wasser lief damals über die Wasserstraße in die Oberstadt", sagt Brigitte Schlossmacher-Thissen. So war auch ihre heutige Nachbarschaft betroffen, die gut auf der geretteten Fotografie zu erkennen ist. Das heute denkmalgeschützte Haus mit der Nummer 42 ist darauf ebenso gut zu sehen wie das schmucke Haus Nummer 46. Nur das kleine graue Haus, das einst zwischen den beiden stand, existiert nicht mehr.

1981 errichteten Brigitte Schlossmacher-Thissen und ihr Mann dort ein dreigeschossiges Haus, das nach hinten raus einen guten Ausblick auf den Rhein, das Rondell, den Mühlenturm und sogar auf den weit entfernten Kirchturm von Haffen ermöglicht.

In Reih und Glied stehen die schaulustigen Bürger, um das Hochwasser in der Oberstadt zu begutachten. FOTO: Michael Scholten

Als die Oberstadt 1926 unter Wasser stand, gelang dem Reeser Drucker und Fotografen Franz Knippenberg ein echter Meisterschuss: Die Häuser und die aufgereihten Schaulustigen spiegeln sich in der glatten Wasseroberfläche. Obendrein vermittelt das Bild einen guten Einblick in die Wintermode 1925/26 und zeigt auch die alte Pumpe der Stadt. Während die Häuser Am Bär heute sehr gefragte Immobilien sind, war das Gebiet früher oft den ärmeren Bürgern vorbehalten. "Die feinen Damen lustwandelten lieber auf dem Marktplatz", weiß Brigitte Schlossmacher-Thissen. Bis in die 80er Jahre hinein nagte zudem der Zahn der Zeit an vielen Häusern: "Unsere Nachbarhäuser waren grau und zerfallen, bis die Familien Ten Hompel und Kuhlen sie liebevoll restaurierten", sagt Brigitte Schlossmacher-Thissen. "Sogar das denkmalgeschützte Haus Schaeling kenne ich noch aus einer Zeit, in der im Turm die Ziegen wohnten."

Heute ist das längst Geschichte - festgehalten auf der 89 Jahre alten Fotografie, die einen Ehrenplatz zwischen Brigitte Schlossmacher-Thissens eigenen Kunstwerken gefunden hat. Bis Ende Juli stellte sie diese auch in einer "Galerie auf Zeit" in der Fallstraße aus. Doch dieses Ladenlokal ist nun vermietet worden, weshalb die Künstlerin auf der Suche nach einem neuen Ort in der Reeser City ist, an dem sie vorübergehend ihre Malereien, Monotypien und Zeichnungen ausstellen kann.

Quelle: RP
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