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Rees
Das lange Warten auf die Täterfotos

Rees. Es kann Wochen oder sogar Monate dauern bis Bilder von Verdächtigen von Polizei und Staatsanwaltschaft zur Veröffentlichung freigegeben werden. Dabei können diese Aufnahmen wichtige Hinweise für die Fahndung liefern. Von Sebastian Latzel

Es war ein spektakulärer Fall: Ein Mann hatte in Rees einen nagelneuen Traktor gestohlen und war damit Richtung Weeze gefahren. Dort ging der Sprit aus, der Mann tankte und konnte anschließend den Traktor nicht mehr starten. Er stieg zum Komplizen in ein Auto und machte sich aus dem Staub. Seitdem sucht die Polizei den Treckerdieb. Schon kurz nach dem Fall wurde bekannt, dass es ausgezeichnete Fotos der Überwachungskamera von dem Täter gibt. Doch es sollte dauern, bis diese Bilder schließlich für die Fahndung veröffentlicht werden durften. Erst knapp vier Wochen später schickte die Polizei Bilder des Mannes. Der ist bestens auf dem Foto zu erkennen, wie er gerade die Tankrechnung bezahlt. Dass es vier Wochen dauerte, bis das Bild veröffentlicht werden durfte, ist fast schon richtig schnell. Vor einiger Zeit hatte es sage und schreibe zehn Monate gedauert bis das Bild eines EC-Kartenbetrügers gezeigt werden durfte. Der Mann war beim Abheben in einer Voba-Filiale in Bedburg-Hau fotografiert worden.

Zehn Monate seien wirklich extrem lang, sagt Staatsanwalt Günter Neifer. Ziel der Behörden sei, ein Bild möglichst schnell freizugeben. Doch das sei nicht immer so einfach. "Es kommt dabei immer auf den Tatvorwurf und den Grad des Verdachts an", sagt er. Bei einem Tötungsdelikt werde das Bild schnell zur Verfügung gestellt, bei Tankbetrug etwa dauere es länger. "Denn das stellt einen erheblichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar", sagt Polizeisprecher Manfred Jakobi. Es müssten erst alle anderen Möglichkeiten der Fahndung ausgeschöpft werden. Schließlich könnte es ja sein, dass der Gesuchte in Wahrheit unschuldig sei. Wenn die Ermittlung nicht zum Erfolg geführt habe, komme die Veröffentlichung von Fotos als nächster Schritt. Die Freigabe muss der Staatsanwalt beantragen. Den Beschluss fällt dann der Richter des zuständigen Amtsgerichts.

Das alles kann dauern. In Uedem gab es vor kurzem den Fall, dass ein Hausbesitzer ein Foto eines Einbrechers gemacht hatte. Auch dieses Bild durfte die Polizei nicht einfach verwenden. Brauchte sie auch nicht: Der Mann stellte sich selbst.

Im Falle des Treckerdiebes ist im Beschluss des Gerichts auch noch festgeschrieben, dass das Bild nur einmal und nur lokal beschränkt veröffentlicht werden darf. Die Polizei hat es daher nur an die örtlichen Tageszeichnungen weitergegeben. In der RP wurde das Bild gedruckt, doch bis heute ist der Täter nicht gefunden. "Für uns ist es hilfreich, wenn das Foto überhaupt einmal gezeigt werden darf. Deshalb sagen wir uns: Lieber einmal als gar nicht", so ein Polizeisprecher.

Eine zweite Veröffentlichung ist nicht gestattet. Daher darf der Mann hier auch nur noch verfremdet abgebildet werden

Quelle: RP
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