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Rees
Das "Warenhaus" wird 60 Jahre alt

Rees: Das "Warenhaus" wird 60 Jahre alt
1860: Das historische Rathaus, das 1945 beim Bombenangriff auf Rees zerstört wurde FOTO: Stadtarchiv
Rees. 1956 wurde das neugebaute Rathaus am Reeser Markt bezogen. Dass es an seinen alten Platz kam, ist auch dem Widerstand vieler Reeser gegen die ursprüngliche Planung zu verdanken. Von Michael Scholten

Gab es etwa Klüngel im Reeser Rathaus, noch bevor das Rathaus vor 60 Jahren eingeweiht wurde? Bei einem Wettbewerb, an dem sich neun Architekten beteiligten, setzte sich das Modell des Coesfelders Hans A. Schäfer durch. Umgesetzt wurde aber der zweitplatzierte Entwurf des Hannoveraners Ernst Kreytenberg. Der gebürtige Emmericher war mit dem Reeser Stadtdirektor befreundet - doch ausschlaggebend sollen die Kostenersparnis und die Optik gewesen sein. "Die Pläne des Siegers erinnerten die Reeser an ein Warenhaus", heißt es in den Ratsprotokollen.

Bevor Anfang der 50er Jahre der erste Spatenstich erfolgte, um das neue Rathaus an Stelle des kriegszerstörten historischen Rathauses zu bauen, legten 122 Reeser Einspruch gegen die ursprüngliche Planung ein. Das Rathaus sollte gedreht werden und weiter auf den Marktplatz rücken. Dadurch wäre vor der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt ein weiterer großer Platz entstanden, quasi ein zweiter Marktplatz. Der Widerstand der Reeser veranlasste die Bauherren zum Umdenken.

1954: Richtfest mit Bürgermeister Johann Meisters (unten Mitte) FOTO: Stadtarchiv Rees

Zwei Ordner im Reeser Stadtarchiv dokumentieren die Bauarbeiten mit zahlreichen Fotos. Danach fand das Richtfest bereits 1954 statt, ein Motiv zeigt Bürgermeister Johann Meisters mit anderen Honoritäten beim Festakt.

Bezogen wurde der Neubau am 19. Oktober 1956. Durch die kommunale Neuordnung 1975 wuchs Rees, was bald dazu führte, dass der Platz im Rathaus nicht mehr ausreichte. Polizei und Stadtbücherei, die 1956 ihren Platz im Rathaus gefunden hatten, wurden Anfang der 80er Jahre ausgelagert.

Um den steigenden Platzbedarf der Verwaltung befriedigen zu können, wurde bald darauf ein Erweiterungsbau geplant: das Bürgerhaus. Erneut stießen die Pläne auf Proteste. Da das Bürgerhaus mehrere Meter in den Marktplatz hineinragen sollte, befürchteten die Reeser eine Teilunterbrechung des großen Marktplatzes. Die Häuser Eickmeyer und Raadts mussten weichen, 1988 erfolgte der erste Spatenstich, im Jahr 1991, also vor 25 Jahren, konnte das Bürgerhaus dann als kulturelles und gesellschaftliches Zentrum der Stadt eröffnet werden. In Zeiten von Atari- und Commodore-Computern ahnte damals niemand, wie wichtig die elektronische Datenverarbeitung für die Stadtverwaltung werden würde. So wurde versäumt, Leerrohre zwischen den neuen Büros im Bürgerhaustrakt und im Rathaus einzubauen. Das führt nun im Jubiläumsjahr beider Gebäude zu Mehrkosten bei der dringend erforderlichen Neuverkabelung. Für die Modernisierung des IT-Systems im Rathaus hat der Reeser Rat unlängst 270.000 Euro im Haushalt eingeplant.

Quelle: RP
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