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Emmerich
Das Ziel - dem Tumor zuvorkommen

Emmerich. Mit Prof. Verreet ist ein Spezialist ans Karl-Leisner-Klinikum gekommen, der das Gocher Wilhelm-Anton-Hospital zum Schwerpunkt-Krankenhaus für Krebserkrankungen macht. Der Chefarzt setzt auf interdisziplinäre Zusammenarbeit. Von Anja Settnik

Mit seinem Antritt am Gocher Wilhelm-Anton-Hospital wurde die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und spezielle Viszeralchirurgie eröffnet: Prof. Dr. Patrick Verreet ist, nachdem Prof. Berthold Reers in den Ruhestand wechselte, neuer Chef der Chirurgie in Goch.

Noch stärker als bisher stehen mit der neu zugeschnittenen Klinik die Tumorerkrankungen im Fokus. Prof. Verreet ist Spezialist für onkologische Chirurgie und nimmt sich aller Krebserkrankungen an, die Magen, Speiseröhre, Leber, Darm, Bauchspeicheldrüse oder auch Schilddrüse und Nebenniere betreffen. "Bei allen onkologischen Patienten ermöglicht die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit die Erarbeitung eines individuellen Therapiekonzeptes", sagt der leitende Arzt. Ihm und seinem Team geht es aber nicht nur um das Operieren und Behandeln festgestellter Tumore - die Mediziner wollen den Krebserkrankungen möglichst zuvorkommen.

Wenn Prof. Verreet, der zwei weitere Oberärzte mit nach Goch gebracht hat - Dr. Jacek Witala und Drs. Henk Pietersen - von "konditionierenden" Erkrankungen spricht, die das Entstehen eines bösartigen Tumors begünstigen oder sogar nahezu zwangsläufig nach sich ziehen, meint er damit zum Beispiel Zysten oder Polypen, die mit der Zeit gefährlich werden können, aber auch genetische Bedingungen. "Ich bin mein Leben lang dem Tumor hinterher gelaufen und habe immer deutlicher erkannt, dass wir viel mehr dafür tun müssen, sein Entstehen zu verhindern", sagt der Arzt.

Manchmal seien es Zufallsbefunde, die ein frühzeitiges Einschreiten möglich machten, manchmal empfehle es sich, bei familiären Vorbelastungen genau hinzusehen. "Der Krebs fällt nicht vom Himmel", sagt der Mediziner, wenn das für die Betroffenen und deren Angehörige oft auch anders erscheine. Nach seiner Erfahrung schale sich mancher Krebs im Frühstadium ein wie eine Nuss und müsse sich nicht unbedingt weiterentwickeln, wenn das Immunsystem des Menschen in Ordnung sei. "In der Schweiz wird jeder Verstorbene obduziert, dabei fällt häufig auf, wie viele Menschen eine Tumorerkrankung hatten, ohne dass diese bekannt war."

Häufig höre man dies auch hierzulande von Prostatakrebs, den 60 Prozent aller Männer ab 65 Jahren hätten - die Todesursache dieser Männer sei meist eine andere. Krebserkrankungen von Hoden oder Prostata werden in der Urologie in Kleve behandelt. Auch Lungenerkrankungen sind nicht Verreets Fachgebiet, sondern das des Gocher Kollegen Dr. André Stobernack. Krebserkrankungen des weiblichen Unterleibs oder der Brust wiederum werden in Kleve therapiert.

Prof. Verreet ist überzeugt, dass ein immunologisch gesunder, zuversichtlicher Mensch, der sich genügend bewege und gut ernähre, es dem Krebs schwerer macht, sich auszubreiten. Deshalb arbeitet der Chirurg auch mit Kollegen zusammen, die Naturheilverfahren anwenden. "Die Psyche kann enormen Einfluss auf die Selbstheilungskräfte nehmen", weiß Verreet.

Grundlegend bleibe aber, Tumore möglichst im Frühstadium zu erkennen. Dem Hausarzt und seiner Vernetzung mit Fachärzten und spezialisierten Kliniken komme dabei eine besondere Verantwortung zu. Neben modernsten Operationsverfahren, an denen "telemedizinisch" auch Krankenhausärzte aus Kleve teilnehmen können, gibt es in Goch bekanntlich auch das Zentrum für Strahlentherapie und das komplette Spektrum innerer und onkologischer Medizin. In den regelmäßigen "Tumorkonferenzen" setzen sich die Mediziner aus den Fachabteilungen zusammen und erörtern einzelne Fälle.

Quelle: RP
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