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Rees
Depot nur Zwischenstopp für Flüchtlinge

Rees: Depot nur Zwischenstopp für Flüchtlinge
FOTO: Markus van Offern
Rees. Im März oder April werden die ersten Flüchtlinge im Bundeswehrdepot in Haldern eintreffen. Wie hoch ihre Zahl sein wird, ist noch nicht klar. Von Michael Scholten

In der katholischen Kirche St. Georg findet am Montag, 23. November, ab 19 Uhr eine Informationsveranstaltung zur geplanten Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Flüchtlinge im Halderner Depot statt. Bereits am Mittwoch gab Stadtkämmerer Andreas Mai in der evangelischen Kirche erste Details bekannt. Pfarrerin Elke Spörkel hatte Mai eingeladen, im Rahmen eines Buß- und Bettag-Gottesdienstes über die Flüchtlingssituation in Rees und über Pläne für den Ortsteil Haldern zu sprechen.

"Ich gehe davon aus, dass wir im März oder April nächsten Jahres, nach entsprechenden Umbaumaßnahmen, Flüchtlinge in der Bundeswehrkaserne unterbringen werden, die als Halderner Depot bekannt ist", sagte Andreas Mai. Dabei werde es sich nicht um eine städtische, sondern um eine Landeseinrichtung handeln. "Das hat den Vorteil, dass wir dort einen großen Betreuungsschlüssel, also viel Personal haben", erklärte Mai. Der Malteser Hilfsdienst, der seit März die ZUE am Groiner Kirchweg in Rees betreut, werde auch die ZUE in Haldern betreuen. "Es wird eine ansehnliche Zahl an Arbeitsplätzen entstehen", sagte der Kämmerer. Zum Vergleich: In der ZUE am Groiner Kirchweg arbeiten derzeit circa 30 Festangestellte.

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Für die Halderner Einrichtung sollen auch Ärzte eingestellt werden, außerdem sollen im Depot - das mehrere Kilometer vom Ortskern entfernt ist - Einkaufsmöglicheiten geschaffen werden. "Flüchtlingsströme durch den Halderner Wald", die lieber in den Supermärkten des Ortskerns einkaufen wollen, hält Mai für unwahrscheinlich: "Die Menschen bleiben nur ein bis zwei Wochen in der ZUE. Sie können hier zur Ruhe kommen, werden registriert und untersucht, bevor sie auf andere Kommunen verteilt werden."

Anders als bei den Asylbewerbern, die der Stadt Rees zugewiesen werden, bestehe bei den Kindern der Flüchtlinge während ihres Zwischenstopps in Haldern keine Schulpflicht. Zu gegebener Zeit werde die Stadt Rees aber zu Spielzeug- und Kleiderspenden aufrufen, da in der ZUE auch eine Kindergruppe und eine "riesengroße Kleiderkammer" entstehen sollen. Für wie viele Flüchtlinge die ZUE im Halderner Depot ausgelegt werden soll, konnte Mai im Gottesdienst nicht abschätzen. Aber: "Es ist ein großes Gelände." Aktuell stehe die Stadt Rees täglich mit der Bezirksregierung Arnsberg in Kontakt, um Fragen wie Brandschutz und die erforderliche Nutzungsänderung zu klären.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Unverständnis zeigte Andreas Mai im Gespräch mit Pfarrerin Spörkel für den Umstand, dass im alten Trakt des St. Marien-Altenheimes bislang keine Asylbewerber untergebracht werden können. Geplant war, in vier großen Zimmern jeweils eine vier- bis fünfköpfige Familie aus Syrien wohnen zu lassen. Dafür müsse der Kreis erst eine Nutzungsänderung genehmigen, da jeder Raum bislang nur für eine Zweierbelegung zugelassen sei. "Leider spielt das Baurecht eine aufschiebende Rolle", bedauerte Mai. "Wir sind daran gebunden, hoffen aber, dass dort bald hilfsbedürftige Familien einziehen können."

Unlängst hat die Stadt Rees in Haldern eine Bleibe für ein libanesisches Ehepaar mit sechs Kindern angemietet. Das siebte Kind kommt bald am Niederrhein zur Welt. "Aktuell werden uns viele Familien zugewiesen", sagte Mai und sprach von 13.000 bis 19.000 Flüchtlingen, die derzeit wöchentlich in NRW eintreffen. Rees habe zurzeit 367 Flüchtlinge und Asylbewerber, wöchentlich kämen 20 bis 30 hinzu, sodass Mai bis Weihnachten mit circa 500 rechnet. "Wir haben längst keine 40-Stunden-Woche mehr", beschrieb er den Arbeitsalltag der Stadtverwaltung. "Wir arbeiten sieben Tage pro Woche, rund um die Uhr, im Schichtbetrieb."

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Laut Mai kommen 70 Prozent der Menschen, die Rees zugewiesen werden, aus Syrien: "Es ist davon auszugehen, dass sie Bleiberecht erhalten und unsere neuen Mitbürger werden." Weitere Asylsuchende in Rees stammen aus dem Iran, Irak, aus Eritrea und China. "Der Anteil der Kosovo-Albaner hat merklich abgenommen", so Mai. Die Stadt Rees bittet Hausbesitzer, freie Wohnungen von bis zu 50 Quadratmeter zu melden, da neben Familien auch Einzelpersonen und Paare untergebracht werden müssen. "Normalerweise werden die Mietverträge mit den Asylbewerbern geschlossen, aber wir mieten die Wohnungen jetzt als Stadt Rees selbst an, weil das zu einer höheren Akzeptanz bei den Vermietern führt", sagte Mai.

Quelle: RP
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