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Contra
Der Fluch der Geldes

Emmerich. Junge Schnösel mit tätowierten Armen und fein gestylter Frisur, die sich beim zartesten Windhauch vor Schmerzen auf dem Rasen wälzen, sich in selbstverliebten Posen fotografieren... Ich weiß manchmal nicht, ob man angesichts des modernen Fußballzirkus' lachen oder weinen soll.

Die Multi-Millionen-Masche mit dem Ball stößt mich mehr und mehr ab. Ablösesummen, mit denen man das Bildungssystem mancher Länder auf Jahre festigen könnte, finde ich widerlich.

Es stimmt: Bei einer Fußballweltmeisterschaft geht es nicht um europäischen Vereinsfußball mit raffgierigen Spielervermittlern und Kickern, die vor lauter Geldzählen nicht in den Schlaf kommen. Viele Jahre habe ich den Deutschen Fußballbund dafür bewundert, dass er seine Talente förderte, sich mit Hingabe, Demut und Fleiß einer Sache widmete: dem schönen Spiel. Jürgen Klinsmann machte den Anfang, Jogi Löw vollendete. Und ich bin heute noch dankbar, dass sie uns aus den finstersten Zeiten deutschen Rumpelfußballs herausgeführt haben. Der Höhepunkt dieser steilen Entwicklung war der vielleicht denkwürdigste Fußballabend der gesamten WM-Geschichte: das 7:1 gegen Brasilien. Wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen, schauen Sie das mal bei You Tube im englischen Originalkommentar an...

Aber seither sind vier Jahre vegangen, in denen beim Deutschen Fußballbund und seinen Funktionären immer wieder vom "Produkt Fußball" die Rede war. Davon, dass man es optimieren müsse. Letztlich also, einfach mehr Geld damit verdienen will.

Und wer dann noch Helene Fischer im DFB-Pokalfinale singen lässt, hat endgültig den Kontakt zur Basis verloren.

Ganz zu schweigen von den zwielichtigen Gestalten bei der FIFA...

Für mich ist es kein Wunder, dass die Menschen immer weniger Lust auf die Spiele haben.

Quelle: RP
 
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