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Rees
Der ganz normale Wahnsinn

Rees: Der ganz normale Wahnsinn
Barbara Ruscher unterhielt mehr als 250 Besucher beim Klappstuhl-Kabarett-Abend in malerischer Kulisse der Burgruine Empel. FOTO: Michael Scholten
Rees. Barbara Ruscher war mit ihrem Programm "Ekstase ist nur eine Phase" zu Gast an der Burgruine Empel. Mal derb, mal witzig wechselte die Kabarettistin von der großen Weltpolitik zu kleinen Alltagsbeobachtungen. Von Michael Scholten

"Ich dachte immer, auf dem Land sei es ruhig", wunderte sich Kabarettistin Barbara Ruscher bei ihrem Auftritt vor der Burgruine Empel. Doch das akustische Rahmenprogramm beim Klappstuhl-Kabarett-Abend des Heimatvereins Millingen-Empel hatte es in sich: Neben Temposündern auf der nahen B 67 und ratternden Zügen auf den Schienen war es vor allem der PS-starke Traktor, der auf einem benachbarten Feld unentwegt Geräusche von sich gab. Und Gülle. Sehr viel Gülle. "Das nächste Mal laden wir den einfach ein - oder wir trinken jetzt so viel Alkohol, bis wir nix mehr riechen", schlug die Kabarettistin vor.

Wein und Prosecco flossen ohnehin reichlich an diesem warmen Sommerabend in malerischer Kulisse. Da wunderte es den Burgherrn Peter Landers nicht, dass der Heimatverein einen neuen Rekord aufstellte. Der zählte mehr als 250 Besucher und somit doppelt so viele wie 2015 beim Auftritt der Kabarettistin Monika Blankenburg. Zur Premiere im Jahr 2014, als das Münsteraner Duo Foxtrott bei Nieselregen auftrat, waren seinerzeit nur 60 Besucher erschienen.

Diesmal stand Barbara Ruscher auf der improvisierten Bühne und saß am Klavier, um ihr neues Programm "Ekstase ist nur eine Phase" und so manche improvisierte Ergänzung vorzutragen. Mal derb, mal witzig wechselte die ausgebildete Lehrerin von der großen Weltpolitik zu kleinen Alltagsbeobachtungen und dem ganz normalen Wahnsinn des menschlichen Zusammenlebens. Es ging um hochbegabte Kinder in Köln-Sülz, um doofe Mücken, um den Datenklau durch Payback-Karten und immer wieder um Erotik. Schließlich habe der Roman "Fifty Shades of Grey" und dessen Verfilmung weltweit zu neuem Schwung in den Betten geführt und auch Sado-Maso-Spielchen gesellschaftsfähig gemacht. "Kabelbinder sind überall ausverkauft, Baumärkte werden zu Erotik-Stores und die insolvente Baumarktkette Praktiker wird als Sexual-Praktiker wiedereröffnet", sagte Barbara Ruscher.

Während sie die Reeser so einschätzte, dass sie sich zumindest teilweise an den Zustand der Ekstase erinnern können, sah sie in der Landeshauptstadt dringenden Handlungsbedarf: "In Düsseldorf ist es schon Ekstase, wenn man vor der Hochzeit seine Frau duzt." Dabei bedeute Ekstase in Wahrheit nicht weniger als: "Wenn du auf 'nem Maiskolben sitzt und Popcorn spuckst."

Die Kabarettistin besang die selten gewordene Spezies der "harten Männer" und rechnete mit Waldorfschullehrern und Veganern ab: "Vegan ist die neue Religion, Gott ist ein Tofu." Dagegen wünscht sich Barbara Ruschers fiktive Freundin Susi eine Frau als Gott, damit zum Beispiel Parklücken unter 50 Metern gesetzlich verboten werden. Dieselbe Susi isst grundsätzlich nur Fleisch aus Massentierhaltung, weil sie es nicht übers Herz bringt, dass für ihre Fleischeslust "glückliche Tiere" aus Freilandhaltung getötet werden.

Mit ähnlich erschlagender Logik redet sich ihre andere Freundin die Produktionsbedingungen der Billigkleidung ("Bluse fünf Euro, Parkhaus acht Euro") schön: "Ich kenne die Näherin in Bangladesch doch gar nicht. Sie könnte ja auch einen anderen Job machen, zum Beispiel Prostituierte werden." Ruscher: "Das mach' ich auch schon mal, wenn's nicht so läuft. Ich wollte ja immer was mit Menschen machen."

Quelle: RP
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