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Emmerich
Der Herbergsvater

Emmerich. In Nütterden wurde Pastor Gerhard Siebers 1913 geboren. Er gründete die Jugendtagungsstätte auf dem Wolfsberg, die bis heute von vielen jungen Menschen besucht wird. Von Werner Stalder

"Als Pastor Gerhard Siebers am 7. November 1913 in Nütterden geboren wurde, kam sein Onkel, Pater Gerhard Siebers SJ, nach Berlin und wurde dort später erster Diözesanpräses von Kolping", erzählt die Nichte, Dr. Elisabeth Siebers, die viel von "Ohme Gerd" berichten kann, der in Nütterden die Volksschule besuchte und anschließend zum Staatlichen Gymnasium nach Kleve ging.

In seiner Jugend war er Torwart beim SV 1927 Nütterden. Nach seinem Abitur pflegte er seinen schwerkranken Vater. Er studierte in Münster und Bonn Theologie und Philosophie und empfing am 19. März 1941 die Priesterweihe. Nach seinen Kaplansjahren in Horst, Bocholt, Walbeck, Meiderich und Tönisberg wurde ihm im Jahre 1952 die Pfarrstelle in Niel übertragen. Hier wirkte er als Pfarrer bis zu seiner Emeritierung 1975. Die Zeit als Kaplan in Bocholt hat ihn sehr geprägt. In der schweren Nachkriegszeit von 1945 bis 1951 war er Dirigent des Kirchenchores von Liebfrauen in Bocholt. Über die "Ära Siebers" könnte ein ganzes Buch geschrieben werden. So zählte der Chor 1950 dank seines Einsatzes über 150 Stimmen. Große Werke kamen unter seiner Leitung zur Aufführung. Ein Sänger erinnerte sich später: "Eines Sonntagmorgens kam meine Mutter von der Frühmesse und sagte: Wir haben einen neuen Kaplan, der gleicht den Bildern von Franz Schubert aufs Haar. Später erfuhr ich, dass er Gerd Siebers hieß."

Zu dieser Zeit sammelte Kaplan Siebers Geld, um in Nütterden auf dem Wolfsberg eine Jugendtagungsstätte zu errichten. Viele aus Bocholt arbeiteten mit. Er besorgte von der Rheinfähre eine Schiffsglocke für die Kapelle und Dachpappe von einem evangelischen Klever Fabrikanten. So entstand aus den kleinsten Anfängen eines Ferienlagers in Nissenhütten ein kleines Jugenddorf, das sich dank des Engagements von Pastor Siebers bis heute großer Beliebtheit erfreut.

"Seine Liebe galt der Musik, der Jugend und der Heimat", blickt seine Nichte zurück. Er pflegte die Mundart, die Gebräuche und sammelte niederrheinisches Gebrauchsgut. Gerne schrieb er plattdeutsche Geschichten. So lautet eine Weihnachtserzählung: "Hu vör langen Tid twee onnözele Kinder de Kerstnacht belävte." Und eine andere Geschichte: "Im Reichswald raucht wieder der Meiler." Der Initiative des Pastors war es zu verdanken, dass auf dem Wolfsberg ein Kohlenmeiler errichtet werden konnte, wohin Tausende aus dem Kleverland kamen, wenn dort wieder ein Meiler brannte.

Der Nieler Pastor erhielt den Rheinlandtaler und von der Karnevalsgesellschaft Queekespiere in Keppeln den Orden "van et Möökeshüs". Das Bundesverdienstkreuz schickte er zurück, als er zur Novellierung des Abtreibungsparagrafen 218 nicht ja sagen konnte.

Seit 1960 hatte er die Familienwallfahrt nach Boxmeer wieder aufleben lassen. Nun pilgert die Großfamilie nach Niel, wo "Ohme Gerd" nach den neuen Richtlinien des Konzils den Umbau des Altarraumes vornahm. Seinen Grabstein auf dem Friedhof in Niel hat er selbst entworfen. Die Inschrift lautet: "Lehrt van wor gej kommt, op datt gej bäter söllt wete, wor gej nortu mot gohn!" Oberhalb befinden sich Noten aus dem "Te Deum" von Bruckner: "In te, Domine, speravi" - "Auf Dich hab ich vertraut, o Herr."

Pastor Siebers starb am 17. Juni 1982. Eine Straße in Nütterden trägt seinen Namen.

Quelle: RP
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