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Unsere Woche
"Der Nöler": Das richtige Denkmal für Emmerich

Emmerich. Jammern, Mäkeln, Meckern, Nörgeln, Quengeln, Räsonieren - es gibt so viele Worte für das, was die Unzufriedenen dieser Welt so gerne tun. Und die Emmericher fassen es wunderbar in einem eigenen zusammen: Nölen. Auch deshalb, weil sie es so gut können.

Einer, der in diesen Tagen erste Erfahrung mit dieser herausragenden Eigenschaft gemacht hat, ist der neue Wirtschaftsförderer der Stadt Emmerich. Sascha Terörde hat vermutlich geglaubt, dass er im Prinzip alles richtig gemacht hat, als er mit seiner Initiative, ein Straßenmusiker-Festival auf die Beine zu stellen, in die Öffentlichkeit ging. Die Veranstaltung hat er in aller Eile als Ersatz für das Oktoberfest an der Promenade organisiert, das die Gastwirte bekanntlich abgesagt haben.

Doch kaum stand's in der Zeitung, beklagte sich ein enttäuschter Emmericher Musikerverein, dass er überhaupt nicht gefragt worden sei, ob seine Mitglieder dort auftreten könnten. Und überhaupt: Warum Musiker von außerhalb holen, wenn es doch in der Stadt eigene gebe?

Im Prinzip ist das ja richtig. Aber die Frage sei erlaubt: Muss sich der Wirtschaftsförderer nach drei Monaten in der Emmericher Musikszene auskennen? Und warum hat der Verein eigentlich nicht selbst die Idee gehabt? Dann wäre die Reaktion zu verstehen gewesen.

Aber so?

Zweite Erfahrung des Sascha T. in E.: In einem Wochenblatt hatte er erklärt, dass der Einzelhandel in Emmerich zwar echte Probleme habe, er aber auch Chancen sehe. In der Facebook-Gruppe "Du bist Emmericher..." geriet er damit prompt unter die Internet-Rumpelstilzchen, die zuhause am Computer gerne gegen andere wüten und dem Wirtschaftsförderer mit Kommentaren wie "Sabbel Brabbel Labber Subbel Brubbel......" zu verstehen gaben, dass er ein Fantast sei, der alles viel zu positiv sehe.

Sascha Terörde verteidigte seine Bestandsaufnahme tapfer, zog sich dann aber - wohl erdrückt von der Überzeugungskraft seiner Kontrahenten - aus der Debatte zurück.

Ob das alles ein Schock für den Mann aus Bocholt war? Hatte er sich im Juli den Beginn seiner Tätigkeit so vorgestellt?

Wir sind optimistisch, dass er sich nicht entmutigen lässt. Denn in seiner Heimatstadt ist das Phänomen ebenfalls bekannt. Und man hat ihm sogar ein Denkmal gesetzt: Im Langenberg-Park in Bocholt steht die Figur des "Meckermann". Ein übel gelaunter Kerl auf einem Sockel, die Nase hoch, die Mundwinkel runter. Er ist gegen alles.

Vorschlag: Der Emmericher Rat schreibt einen Ideenwettbewerb aus, um die Suppenhaarsucher, Schmolleckensteher, Permanent-Empörten und alle anderen, die gerne Bedenken vortragen, es immer schon gewusst haben und Schwarzsehen für eine hellseherische Fähigkeit halten, endlich mit einem Denkmal zu würdigen. Ich glaube, "Der Nöler" würde sich ganz wunderbar im Rheinpark machen.

CHRISTIAN. HAGEMANN@ RHEINISCHE-POST.DE

Quelle: RP
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