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Rp-Thema Die Bürgermeister-Kandidaten
Der "schwatte" Linksaußen

Rp-Thema Die Bürgermeister-Kandidaten: Der "schwatte" Linksaußen
Bürgermeister Christoph Gerwers hofft am 13. September auf seine Wiederwahl. FOTO: markus van offern
Emmerich. Amtsinhaber Christoph Gerwers geht als Favorit ins Rennen. Ein Selbstläufer ist die Wahl für den 51-Jährigen jedoch nicht.

Eigentlich ist Christoph Gerwers ein Linksaußen. Zumindest als er noch früher aktiv gegen den Ball trat, war er auf dieser Position zuhause. Politisch war er allerdings schon immer ein "Schwatter" - und für die CDU will er auch weiterhin das Ruder im Reeser Rathaus in der Hand halten.

Der 52-jährige Jurist war ein politischer Frühstarter: Bereits mit 26 Jahren war er - das jüngste - Mitglied im Weseler Rat, dem er von 1989 bis 1998 angehörte. Zu dieser Zet lernte er auch die "andere Seite" kennen: Seit 1992 arbeitet er in der Verwaltung, bis zu seinem Wechsel nach Rees war er unter anderem Beigeordneter in Willich.

Seit 2009 ist er Bürgermeister in Rees. Damals konnte er sich mit 54,9 Prozent der Stimmen gegen Harry Schulz (SPD), Klaus Dörr (Grüne) und Jürgen Tenter durchsetzen und strebt jetzt seine erste Wiederwahl an. Auch wenn die Chancen im traditionell CDU-dominierten Rees dafür gut stehen, ist dieses Ziel für Gerwers kein Selbstläufer. "Wer sich ausruht und zurücklehnt, hat schon verloren", sagt er.

Ein Satz, der in seiner Sicht auch für die Zukunft von Rees und den Ortsteilen gilt. Der Amtsinhaber sieht zwar hier trotz finanzieller Schwierigkeiten eine "schöne Weiterentwicklung" in den letzten Jahren, weiß aber auch um die "Baustellen" in seiner Stadt. Dazu gehören unter anderem der Landesentwicklungsplan, der Rees nur wenig Spielraum für Neubaugebiete lässt und auch das Thema "Demographie", das in bereits nicht all zu ferner Zukunft Auswirkungen auf viele andere Bereiche, zum Beispiel Schulen oder Nahversorgung, haben wird. Auch die anstehende Sanierung vieler Straßen hat Gerwers bereits auf dem Schirm.

Zieht er aus den letzten sechs Jahren Bilanz, kann er eine ganze Reihe von Punkten aufzählen, bei denen sich Rees von anderen Städten abhebt. "Wir haben immer noch einen ausgeglichenen Haushalt und müssen keine Kassenkredite in Anspruch nehmen", sagt er nicht ohne Stolz. Gleiches gilt auch für den Neubau des Hallenbades, den die Stadt, zusammen mit den Fraktionen im Rat, gut hingekriegt habe.

Als Erfolg, wenn auch als "schmerzhaften", wertet Gerwers, den Konsens in Sachen Betuwe - ein Thema, das die Stadt allerdings noch über Jahre beschäftigen werde. Zufrieden ist der Bürgermeister auch mit der mittlerweile abgeschlossenen Schulsanierung - jetzt steht nur noch die der ehemaligen Anne-Frank-Schule aus - und der Entwicklung auf dem Niag-Gelände: "Hier können wir als Eigentürmer mitgestalten."

Vorwürfe, wie sie in letzter Zeit in Rees aufkamen, die Stadt betreibe unter seiner Führung Politik von oben herab, hält Gerwers für ungerechtfertigt: "Im Falle der Pumpe am Markt ist es sogar umgekehrt. Es ist zwar richtig, dass der VVV nicht in die Planung miteinbezogen war, aber wir haben Anregungen von Schülern, die sich an einem Ideenwettbewerb des VVV beteiligt hatten, für die Planungen aufgegriffen."

Auch in Sachen Information über das neue Flüchtlingsheim hält Gerwers Kritik für verfehlt: "Es macht keinen Sinn, eine Informationsveranstaltung anzubieten, wenn ich neun von zehn Fragen noch gar nicht beantworten kann. Wir konnten die Bürger erst ausführlich informieren, nachdem uns das Land die Details mitgeteilt hatte. Und das haben wir dann auch getan", erläutert er.

Privat ist Christoph Gerwers, der in Haldern lebt, ein Familienmensch. "Zuhause bin ich nicht Bürgermeister, sondern Ehemann und Vater", sagt er. Joggen und Fahrradfahren gehört zu seinen Hobbys, hin und wieder greift er auch mal zum Tennisschläger. Er liest gerne, was aber meistens nur im Urlaub klappt, und verfolgt, wann immer es geht, das Fußball-Geschehen am Bildschirm.

Gerwers hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung. "Es ist das erste Mal, dass in Rees nur der Bürgermeister gewählt wird", sagt er und gibt folgendes zu bedenken: "In anderen Ländern geben die Menschen unter Lebensgefahr ihre Stimme ab, weil sie von ihrem demokratischen Mitspracherecht Gebrauch machen wollen. Bei uns sollte das deshalb auch ein hohes Gut sein."

Eine Wahlbeteiligung von mindestens 50 Prozent wäre daher für ihn wünschenswert.

VON MARKUS BALSER

Quelle: RP
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