| 00.00 Uhr

Kommentar
Der schwatte Linksaußen kann auch die Blutgrätsche

Emmerich. Christoph Gerwers ist nicht nur der Bürgermeister von Rees. Ihm wird auch nachgesagt, in seiner Jugend als Fußballer keine Grätsche gescheut zu haben.

In dieser Woche haben wir gelernt, dass der Reeser CDU-Bürgermeister ("der schwatte Linksaußen" wurde er genannt) tief im Herzen noch immer nach alter Schule verteidigt: Drauf und weg mit dem Ball.

In diesem Fall haben zwei Schulleiterinnen in Emmerich die Härte des Spiels zu spüren bekommen. Wobei man sagen muss, dass zuerst sie dem Bürgermeister auf den Fuß gestiegen sind und Gerwers danach rustikal, aber nicht unsportlich dagegen hielt.

Was war geschehen? In einer Pressemitteilung hatte die Stadtverwaltung Rees vor zwei Wochen Eltern nach Rees zu Infoabenden der weiterführenden Schulen der Stadt eingeladen. Und zwar nicht nur die Eltern aus Rees, sondern auch aus allen Nachbarstädten. Das betraf also nicht nur Emmerich, weil ja immer schon Kinder aus der gesamten Umgebung die Reeser Schulen besucht haben.

Aber in Emmerich fühlten sich Inge Hieret-McKay (Gymnasium) und Christiane Feldmann (Gesamtschule) angegriffen. Schließlich sind in letzter Zeit Rufe von Eltern laut geworden, die den alten Schul-Zeiten nachtrauern, die es ja in Rees noch gibt. Deshalb luden die beiden Damen eine Tageszeitung zum Gespräch: Rees wildere in Emmerich, das sei eine gezielte Aktion gewesen. Rees würde mit seinem alten, dreigliedrigen Schulsystem werben, "als sei das was besseres".

Wieso sich die Beiden dafür zwei Wochen Zeit ließen, lässt sich nur erahnen. Zumal sie vorher bereits mit dem Emmericher Bürgermeister gesprochen hatten. Und dieser wiederum seinen Reeser Amtskollegen in der Sache kontaktiert hatte. Woraus man übrigens auch ableiten könnte, dass die beiden Schulleiterinnen nicht nur dem Reeser Bürgermeister einen Pferdekuss verpassen wollten (um beim Fußballdeutsch zu bleiben), sondern auch bei Peter Hinze nachtraten. Obwohl der ja zu ihrer Mannschaft gehört, sollte man meinen.

Nur einen Tag später meldete sich der Reeser Bürgermeister und erklärte öffentlich, dass man in Rees auch in Zukunft Kinder aus anderen Städten aufzunehmen gedenke. Und er schrieb: "Offenbar ist gerade die Schulleiterin des Gymnasiums in Emmerich sehr besorgt um ihre Anmeldezahlen. Sie sollte sich lieber um die Qualität der Arbeit in ihrer Schule kümmern, statt völlig ungerechtfertigt die Arbeit am Schulzentrum in Rees via Presse zu kritisieren."

Rumms. Das nennt man eine Blutgrätsche.

Und um sicher zu gehen, dass die gegnerische Mannschaft auch wirklich weiß, dass sie sich ab jetzt dem Reeser Strafraum nur noch unter Schmerzen nähern darf, haute Gerwers noch einen raus: "Fakt ist, dass viele Eltern aus Isselburg, Hamminkeln, Kalkar und auch aus Emmerich ihre Kinder an einer weiterführenden Schule in Rees anmelden, womöglich wegen der guten pädagogischen Arbeit, die in Reeser Schulen geleistet wird."

In alten Fußballertagen hätte sich Christoph Gerwers an dieser Stelle vermutlich mit blutigem Knie, aber zufrieden vom Aschenplatz erhoben. Seine Gegner wären, sich gegenseitig stützend, vom Platz gehumpelt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kommentar: Der schwatte Linksaußen kann auch die Blutgrätsche


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.