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Emmerich
Der Tradition verpflichtet

Emmerich: Der Tradition verpflichtet
FOTO: REimann
Emmerich. Türchen Nummer 13: Der Männergesangverein Concordia Dinslaken ist aus dem ehemaligen Werkschor der Zeche Lohberg hervorgegangen. Die Gruppe will mit ihrem Gesang die Bergmannstraditionen aufrecht erhalten. Von Milena Reimann

Heute sind die Herren des MGV Concordia Dinslaken ausnahmsweise in "zivil" unterwegs: Grün, orange, blau und rot sind die Pullover, mit denen die Männer diesem dunklen Mittwochabend etwas Farbe verleihen.

So kennt das Publikum am Niederrhein die Gruppe sonst nicht, denn bei Auftritten stehen die Herren ganz traditionell gekleidet auf der Bühne: in ihrer dunklen Bergmannstracht mit den schwarz-gelben Hüten. Der ehemalige Werkschor des Bergwerks Lohberg, das 2005 endgültig geschlossen wurde, will die Bergmenschenkultur weitertragen. Und so singen sie nicht nur das bekannte Bergmannslied ("Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt!"), sondern haben ein ganzes Repertoire an traditionellen Zechen-Liedern. Über die Jahre hat sich nur wenig am Liedgut des Chores geändert, nur einige Wander- und Volkslieder sind hinzugekommen. Neben der Musik will der Chor auch die Erinnerung an das zu Ende gehende Kapitel des Bergbaus wachhalten. "Die meisten von uns können die Bergbau-Geschichte aus eigener Erfahrung erzählen", sagt Heinz Jürgen Schüring (73), Ehrenvorsitzender des MGV. Gut 80 Prozent der Mitglieder sind ehemalige Bergleute. So wie Wolfgang Bergmann. Der 83-Jährige ist seit 1955 beim Chor, "für mich war das immer auch Heimat", sagt er. Als er mit 22 Jahren in den Chor eintrat, hatte er gute Gründe: "Ich wollte nicht immer nur das Schwarze, ein bisschen Kultur wollte ich auch haben." Und noch etwas gefiel ihm: "Die Ehefrauen der verheirateten Sänger haben uns immer verwöhnt." Er erinnert sich noch gut an die Zeiten, als der Chor vierteljährlich bei der Betriebsversammlung sang und auch daran, dass das Bergwerk den Chor finanzierte. "Heute müssen wir viel singen, um wat in die Kassen zu kriegen." Das Geld kann der Chor gut gebrauchen, hat er doch in jahrelanger Fleißarbeit sein Vereinsheim hergerichtet. An der Dinslakener Fliehburg, wo einst Bergleute aus aller Welt unterkamen und bis vor einigen Jahren nur noch vereinzelt Personen wohnten, präsentieren die Chormitglieder ihren Gästen heute stolz das "Haus Concordia".

An den Wänden des Gebäudes, das ehemals die Wäscherei für die Arbeiter beherbergte, findet man immer wieder die Symbole der Bergleute: Schlägel und Eisen leuchten nicht nur als LED von der Wand. Auf einer Holztafel wacht die Heilige Barbara, die Patronin der Bergleute, über einen Förderturm.

Neben langen Holztischen, an denen bei Feiern neben dem Chor auch Freunde und Familie Platz finden, gibt es Bar und Küche. "Als wir 2001 hierher kamen, sah das katastrophal aus. Wir haben erst einmal sechs Container Schutt rausgeholt", sagt der Ehrenvorsitzende Schüring. Stück für Stück habe man dann das Gebäude in Eigenregie saniert. Heute wird hier mindestens zweimal pro Jahr gefeiert: das Sommerfest und der Jahresabschluss. Und auch mit den neuen Nachbarn - inzwischen wohnen einige Flüchtlingsfamilien in den Gebäuden auf dem Gelände - wird gefeiert: Bei Festen singt der Chor und hilft beim Grillen. "Solidarität", sagt der Vorsitzende Wilhelm Bauer, "ist kein Fremdwort für uns."

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Quelle: RP
 
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