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Serie "Hüthumer Geschichten" (Teil 11)
Der tüchtige Wirt von Hüthum

Serie "Hüthumer Geschichten" (Teil 11): Der tüchtige Wirt von Hüthum
Josef Reyers, den alle nur Jupp nannten, vor seiner Gastwirtschaft. Bis 1988 führte die Familie sie weiter. FOTO: NN
Emmerich. Jupp Reyers erwarb 1930 das Wirtshaus der Familie Vels. Die Geschichten um die Gaststätte erheitern noch heute viele. Von Norbert Loose und Monika Hartjes

Nachdem man früher auf der Landstraße nach Elten das Viadukt der damaligen Reichsbahn durchschritten hatte, gelangte man links über eine kleine Wildbrücke zum neutralen Weg in Richtung Spyck. Das Land zur Rechten des Weges gehörte zu den Niederlanden, das gegenüberliegende Gebiet ist deutsch und gehörte damals schon zu Hüthum. Zu allen Zeiten war der neutrale Weg ein Schmuggler-Paradies. Besonders aber die Notzeiten nach den beiden Kriegen verführten selbst so manchen rechtschaffenen Bürger dazu, hier und dort mal etwas über den Zaun zu "grasen"- und da war man hier goldrichtig.

Auf halber Wegstrecke zum Rhein hin lag links auf deutscher Seite das Wirtshaus der Familie Vels, das um 1850 erbaut worden war. Auch vorher soll da bereits ein Wirtshaus gestanden haben. Um 1930 erwarb der Gastwirt Josef Reyers das Haus und führte es später auch mit seiner Ehefrau als Schankwirtschaft weiter. Dabei pflegte er besonders die grenzüberschreitenden Kontakte zwischen den Bewohnern der beiden Nationen diesseits und jenseits des Schlagbaums.

Auf halber Wegstrecke zum Rhein hin links lag das Wirtshaus, das Josef Reyers 1930 erwarb. FOTO: privat

Jupp, wie man ihn nannte, war ein sehr tüchtiger Wirt, der alles regelte. Auch hier bereitete dann der Krieg 1945 dem lustigen Gasthausbetrieb ein vorübergehendes Ende. Doch schon bald nach der Aufhebung des "Niemandslandes", währenddessen alle Grenzbewohner ihre Heimstätten verlassen mussten, stand das erstaunlich schnell instandgesetzte Haus allen Gästen wieder zur Verfügung und fühlte sich wie ehedem den alten Traditionen verpflichtet.

In diesem Jahr nahm das Geschäft unter anderem deshalb einen enormen Aufschwung, weil der niederländische Gulden hoch im Kurs stand. Dies wussten die Arbeiter der zahlreichen Ziegeleien jenseits der Grenze für sich zu nutzen. Ein- bis zweimal in der Woche, manchmal auch häufiger, trafen sie sich bei Jupp und dann ging's immer hoch her. Man nannte diese Treffen "Moddamse Kermes". Unzählige Geschichten ranken sich seither um diese kleine Gaststätte, man kann aber nicht immer unterscheiden, ob sie Wahrheit oder Legende sind.

Doch die Tatsache, dass Jupp ein äußerst unterhaltsamer Wirt und jederzeit im Stande war, mit seinen Geschichten beim Körnchen selbst Zollbeamte zu faszinieren, besagt noch lange nicht, dass er etwa Kenntnisse von den Vorgängen außerhalb seines Hauses gehabt hätte, wo währenddessen kleine Pakete, wie von Geisterhand geführt, per Seilzug die Straße überquerten, um von Holland nach Deutschland - oder umgekehrt - zu gelangen. Die Familie Reyers führte die Gaststätte noch bis zum Jahr 1988 weiter, danach wurde der Betrieb eingestellt.

Doch die alten Geschichten erheitern auch heute noch so manche gemütliche Stammtischrunde.

Quelle: RP
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