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Emmerich
Der Verein, der hilft

Emmerich. Der Sozialtreff öffnet ab März wieder zweimal im Monat seine Türen im Aldegundisheim. Der Sozialberatungsverein "Selbsthilfe" zählt vor allem Hartz-IV-Empfänger zu seinen Kunden und hilft durch die komplizierte Gesetzgebung. Von Markus Balser

Wer Hartz-IV- oder Sozialhilfeempfänger ist, hat nicht nur ein finanzielles Problem. Er muss sich auch mit einer komplizierten Gesetzgebung auseinandersetzen, um herauszufinden, auf welche Leistungen er Anspruch hat. Hier hilft der Verein für Sozialberatung "Selbsthilfe", der zweimal im Monat kostenlose Sprechstunden in Emmerich anbietet.

Zwei Berater stehen dafür ehrenamtlich zur Verfügung, die auch wissen, wovon sie reden. Heinz Gräber ist Frührentner und selbst ein "Aufstocker". Und auch Elda Fruh-auf musste selbst einmal die Unterstützung des Vereins "Selbsthilfe" in Anspruch nehmen - und ist seitdem dabeigeblieben, allerdings auf der anderen Seite des Tisches.

Die Sprechstunden in der Cafeteria des Aldegundisheims sind gefragt. Besonders seit Einführung der Hartz-IV-Gesetzgebung. "Fünf bis sechs Ratsuchende, manchmal auch viel mehr, suchen uns pro Termin auf", berichtet Heinz Gräber.

Eine der Hauptaufgaben der beiden Berater besteht darin, Leistungsbescheide zu überprüfen. Aufgrund der komplizierten Gesetzgebung sind sie zum einen für die Betroffenen oft unverständlich, zum anderen können sie auch fehlerhaft sein. Allein in Emmerich sei das laut Heinz Gräber durchschnittlich gut ein halbes Dutzend mal im Monat der Fall. Doch die Berater können in solchen Fällen ihren guten Draht in die Emmericher Stadtverwaltung spielen lassen. "Im direkten Gespräch mit den Sachbearbeitern im Rathaus lassen sich viele Dinge schnell klären, die helfen, langwierige Widerspruchsverfahren zu vermeiden. Das ist längst nicht in jeder Stadt der Fall", lobt Gräber.

Für die Berater ist es aber auch wichtig, ihre Kunden zur Eigeninitiative zu bewegen. "Wir können zwar helfen, wollen ihnen aber auch nicht alles abnehmen", erklärt Gräber. Auch deshalb gibt es in Emmerich - neben einer möglichen Einzelberatung - die integrierte Beratung im Sozialtreff. Dabei sitzen alle Ratsuchenden zusammen, können ihre Probleme schildern und so auch von den Erfahrungen der anderen lernen und profitieren. Mit einem durchaus gewollten Nebeneffekt: "Die Menschen merken, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine auf weiter Flur dastehen", sagt Elda Fruhauf.

Dass sich viele der Ratsuchenden hilflos und überfordert fühlen, hat Herbert Looschelders beobachtet. Der Geschäftsführer des Selbsthilfe-Vereins mit Sitz in Kleve weiß, dass diejenigen, die im gesellschaftlichen Abseits stehen, auch schneller psychologische und gesundheitliche Probleme bekommen können. Folge: "Viele schaffen es nicht mehr, Fristen einzuhalten oder Unterlagen einzureichen, weil sie Orientierung und Struktur in ihrem Leben verloren haben." Looschelders geht davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt: "Auf jeden, der Rat sucht, kommt einer, der zwar Anspruch auf Leistung hat, aber den Kopf in den Sand steckt."

Auch deshalb sagt Elda Fruhauf: "Jeder kann zu uns kommen, auch der, der sich nicht sicher ist, ober er überhaupt Anspruch auf Leistungen hat."

Quelle: RP
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