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Rees
Der vergessene große Reeser

Rees: Der vergessene große Reeser
Ein Bild von Carl Jaspers aus dem Jahre 1881. FOTO: ressa
Rees. Klaus Kuhlen von Reeser Geschichtsverein Ressa widmete sich jetzt in einem Ausführlichen Vortrag dem Kaplan, Kirchenmusiker und Komponisten Carl Jaspers. Von Michael Scholten

Über einen "vergessenen großen Reeser" referierte jetzt Klaus Kuhlen im Kolpinghaus. Der zweite Vorsitzende des Geschichtvereins Ressa erinnerte an das Leben und Schaffen des Kaplans, Kirchenmusikers und Komponisten Carl Jaspers, der am 26. Juli 1835 um in Rees geboren wurde. Das Kirchenbuch dokumentiert seine Taufe in der Reeser Pfarrkirche am folgenden Tag. Taufpaten waren Bernard Hartmann, der spätere Ehrendomherr von Münster, und Anna Catharina Pauls.

Jaspers Eltern Peter und Henrietta stammten aus Appeldorn. Vier ihrer sieben Kinder waren dort zur Welt gekommen, drei weitere in Rees. Carolus Bernardus, wie Carl Jaspers offiziell hieß, war das jüngste Kind. Der Vater war als erster weltlicher Organist an die Reeser Kirche bestellt worden. Bis zur Auflösung des Stifts hatte die Kirchenmusik noch in der Verantwortung der Geistlichen gelegen.

Laut Klaus Kuhlen fiel Carl Jaspers' Geburt in eine Zeit, in der es in Rees viele "kirchliche, kulturelle und politische Umwälzungen" gab. So hätten die "eher vorsichtigen Reeser" kurz zuvor eine neue Kirche gebaut, die als "totale Absage" an die bisherige Kirche galt, deren Baustil wie ein "heidnischer Tempel" wirkte und deren Türme bis zu 20 Meter kleiner waren als die der umliegenden Dörfer. Rees habe sich langsam aus seiner Ummauerung gelöst, das Falltor und das Delltor wurden abgerissen. 1838 wurde dann mit der Tabakfirma Oldenkott die erste große Fabrik gegründet, im selben Jahr nahm die erste Druckerei der Rheinstadt ihre Arbeit auf.

Carl Jaspers verbrachte die ersten 14 Jahre seines Lebens in Rees, besuchte die Schule und dürfte über seinen Vater wichtige Kenntnisse über die Kirchenmusik erhalten haben. Die höhere Schulbildung genoss er in Gaesdonck, allerdings ist nicht bekannt, in welcher Stadt er sein Abitur ablegte.

Die Priesterweihe empfing er am 4. Dezember 1858, es folgte seine Zeit als Kaplan in Sonsbeck, bevor er 1862 in Münster Domvikar und Direktor des Knabensing-Instituts Gregorianus wurde. 1864 ging er als Kaplan nach Kevelaer und wollte sich später dem Orden der Redemptoristen in Trier anschließen.

Laut Klaus Kuhlen fand er dort allerdings nicht sein Glück und ging im Juni 1869 als Kaplan nach Straelen. An dieser letzten Station seines mit 47 Jahren recht kurzen Lebens hinterließ Jaspers Spuren als Komponist. Der Carl-Jaspers-Weg in Straelen erinnert bis heute an ihn, Kuhlen regte deshalb an, dass auch seine Geburtsstadt Rees einen Weg oder eine Straße nach ihm benennen sollte.

Speziell für den Vortrag hatte der Reeser Kirchenchor unter Leitung von Klaus Lohmann ein Stück von Carl Jaspers eingesungen. So erklang im Kolpinghaus die Aufzeichnung der zweiten Messe aus dem Opus 11, "Ecce Dominus veniet". Klaus Kuhlens Tochter hatte eine weitere Komposition von Jaspers eingespielt, zu der Maria Luise Thurmeir im Jahr 1950 einen Text verfasste.

Weitere Erkenntnisse, die Klaus Kuhlen aus seinen Recherchen im Reeser Stadtarchiv und in Dieter Roos' Privatarchiv über Jaspers fand, werden in der nächsten Ausgabe des "Reeser Geschichtsfreunds" stehen. Die Ressa-Jahrespublikation erscheint im Dezember.

Quelle: RP
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