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Emmerich
Der Vogel hing noch am Faden

Emmerich: Der Vogel hing noch am Faden
Gruppenbild aller Königspaare auf der Rathaustreppe. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Am Ende erleichtert durften André Jansen und seine Königin Nicole die Glückwünsche der anderen Schützenkameraden als Stadtschützenkönigspaar entgegennehmen. "Wir werden etwas länger feiern - meine Frau hat's schon geahnt, die hat unser Domizil zuhause noch aufgeräumt", scherzte der Leiter der Qualitätskontrolle bei KLK Emmerich.

"Der kommt in den Flur neben dem anderen Vogel - jetzt fehlt noch der Bezirkskönig", reckte der 46-jährige beim Einmarsch in das Haus Slütter in Vrasselt den Schützenvereinen das "Tier" entgegen.

Zuvor hatte Eltens amtierender Schützenkönig angedeutet, was ihm dieser Titel bedeuten würde: "Das ist das Größte, was man als Schütze in Emmerich erreichen kann - und es ist fast schon Tradition, dass sich Elten und Vrasselt im Wechsel die Titel die letzten sechs Jahre geteilt haben."

Bis an dem Schießstand aber klar war, dass der 46-jährige tatsächlich Stadtschützenkönig sein würde, vergingen einige Minuten. Denn als Jansen als einer der acht Könige der Schützenvereine mit dem 38. Schuss den Vogel traf , hing er noch an einem Faden und lag auf der Platte. Eine heiße Debatte begann, ob der Vogel formal runtergekommen sei oder nicht.

Der Vorsitzende der Emmericher Schützengemeinschaft Hans-Jürgen Gorgs verkündete per Megafon zunächst: "Wir sind noch nicht fertig." Anschließend beriet sich aber der Kreis der Könige und entschied gemeinsam: Auch wenn er nicht gefallen ist, heruntergeschossen worden ist er auf jeden Fall.

"Moralisch war er eh König", meinte der König von St. Johannes Praest, Christian Ising. Ins selbe Horn stieß Königskollege Karl Janssen von der Borussia: "Wir sind Kameraden - und die halten zusammen."

Entsprechend lobte Hans-Jürgen Gorgs diese Entscheidung: "So eine Situation habe ich so noch nicht erlebt, aber dieses Fair-Play ist toll", bedankte er sich noch am Stand und später bei der Proklamation des Stadtkönigspaares.

Am Nachmittag war eine rund 50-köpfige Abordnung der Bruderschaften mit den Königen im Emmericher Rathaus von dem stellvertretenden Bürgermeister Herbert Ulrich empfangen worden, der im vollbesetzten Saal am Abend später die Stadtmeisterschafts-Siegerehrungen vornahm. "Die Schützen halten die Gesellschaft zusammen, das ist eine lebendige Tradition und eine Gemeinschaft", sagte er.

Und mit einer Würdenkette konnte er auch die neue Stadtschülerprinzessin Ronja van Marwyk von St. Georg Hüthum-Borghees und die neue Stadtjugendprinzessin Mariella Schmitz von St. Johannes Praest auszeichnen. "Damit habe ich nicht gerechnet", fiel die zwölfjährige Ronja ihrer Mutter Elke in die Arme. Und Papa Achim verdrückte stolz eine Träne: "Das ist für sie einfach schön."

(aflo)
 
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