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Hüthumer Geschichten (Teil 6)
Der Wunderdoktor brachte viele Gäste

Hüthumer Geschichten (Teil 6): Der Wunderdoktor brachte viele Gäste
Die Ansichtskarte aus dem Jahr 1936 zeigt die Gaststätte außen und innen. Das war die Blütezeit des Hauses. Sechs Jahre zuvor hatte man sogar noch einen Saal mit Kegelbahn angebaut. FOTO: Privat
Emmerich. "Beij den Heb op den Bölt": Die wechselvolle Geschichte der Gastwirtschaft Hebben im Polderbusch. Von Norbert Loose und Monika Hartjes

Auf einem Hügel im Polderbusch, genannt "den Bölt", lag das alte Bauernhaus der Familie Reyers aus der Zeit um 1800. 1913 erwarb die Familie Lueb-Verbücheln das Anwesen und eröffnete ein Jahr später in dem Haus eine Gastwirtschaft, die durch Heirat 1919 in den Besitz der Familie Hermann Hebben überging. Die Gastwirtschaft wurde nun bedeutend erweitert, es entstand eine Veranda und eine große Gartenwirtschaft mit Spielplätzen.

1930 erbaute man einen Saal mit Kegelbahn in der Größe des heute noch vorhandenen Saales Hebben. Die St. Michael-Schützenbruderschaft, die seit 1914 dem Haus verbunden ist, feierte fortan hier ihre Feste. Viele Vereine wurden damals im Haus Hebben gegründet, unter anderen auch der Tennisclub Rot-Weiß Emmerich, der am Fuße des Hauses in Richtung Unterhüthum seine Platzanlage eingerichtet hatte. "Beij den Heb op den Bölt" war ein Begriff.

Die Bilder vermitteln einen Eindruck der großzügigen Anlage mitsamt ihren Tennisplätzen. FOTO: NN

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges begann der Leidensweg des Hauses. Der Saalbetrieb musste eingestellt werden, da man militärische Einquartierung bekam. Beim Großangriff am 7. Oktober 1944 wurde das gesamte Anwesen zerstört. Nur eine überdachte Halle, in der die Gartenmöbel untergebracht waren, blieb unbeschadet. Hier richtete man sich 1948 notdürftig ein und nahm den Schankbetrieb wieder auf. Gleichzeitig begann der Wiederaufbau des Wirtshauses, das 1950 neu in Betrieb genommen wurde.

Im Jahr 1951 richtete sich "Wunderdoktor" Georg Cornielje eine Praxis in der vormaligen Notunterkunft ein und es erfolgte sehr zum Segen des Hauses Hebben ein unglaublicher Publikumsverkehr. Zu jedem ländlichen Gasthof gehörten auch einige Schweine, manchmal auch ein oder zwei Kühe und ausreichend Hühner. Nach dem Krieg fing man gleich wieder mit der Schweinehaltung an, zunächst in Bretterverschlägen, die dem Freiheitsdrang dieser Borstentiere selten gewachsen waren.

FOTO: NN

So mussten die Schweine öfter mal eingefangen werden. Das erste Schützenfest nach dem Krieg war von einem solchen Ereignis überschattet. Kurz vor Beginn der Feierlichkeiten waren die Schweine wieder mal ausgebrochen. Und viele Uniformierte in weißen Hosen durchstöberten die Ruinen des ehemaligen Saales, um sie wieder hinter Schloss und Riegel zu bringen. Ein Passant, der eigentlich dem Aufmarsch der Schützen zuschauen wollte, fragte einen anderen: "Säg Hein, maake die dor en Gefechtsübung?" "Nä", meinte dieser.

"Dorvan häbbe sej de Nös noch well voll, äwer bej den Hebb sin de Pogge loss!" Nach jedem Fest bekamen die Schweine das Leckbier, gut vermengt mit Mehl. Danach waren sie so friedlich, dass die Kinder auf ihren Rücken reiten konnten, aber meistens schliefen sie gleich nach der Mahlzeit laut schnarchend ihren Rausch aus. Die Zeiten besserten sich. Auf dem ehemaligen Acker hinter dem Saal richtete sich Ende der 50er Jahre der Turn- und Sportverein 08 Emmerich eine Sportanlage ein.

Inzwischen dient die Wiese auch den Borussiaschützen, die seit Ende der 80er Jahre bei Hebben beheimatet sind. Auf dem verbliebenen Streifen des Grundstücks bauten die Michaelschützen in erstaunlicher Eigenleistung eine Schießsportanlage, die beiden Schützenvereinen zur Verfügung steht. Das Haus "Hebben im Polderbusch" befindet sich heute noch im Familienbesitz, dort werden neben den Schützenfesten auch große Karnevalssitzungen gefeiert.

Quelle: RP
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