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Rp-Thema Die Bürgermeister-Kandidaten
"Die Bürger wollen einen Fachmann"

Emmerich. Als parteiloser Kandidat tritt Michael Carbanje bei den Isselburger Bürgermeisterwahlen an. Der Anholter rechnet sich gute Chancen auf den Chefsessel im Rathaus aus.

Herr Carbanje, als wir uns für dieses Interview verabredet haben, war Ihre Vorgabe, dass wir uns auf keinen Fall in ihrem Büro im Bauamt treffen können...

Carbanje Ich trenne das strikt. In erster Linie bin ich Bauamtsleiter - noch. Dadurch habe ich die Verantwortung für Isselburg im Rahmen der Bauverwaltung. Das zählt für mich erstmal. Ich möchte nicht meinen Wahlkampf mit der Arbeit als Bauamtsleiter verknüpfen. Das ist mir sehr wichtig. Darin sieht man ja auch, wie wichtig mir Isselburg ist.

Wieso haben Sie sich entschieden, als Bürgermeister-Kandidat anzutreten?

Carbanje Ich habe drei Bürgermeister erlebt, die nicht aus der Verwaltung kamen. Ich habe mir dann bereits Ende 2016 Gedanken dazu gemacht. Unabhängig ob Rudi Geukes weitermacht, habe ich mit meiner Familie darüber gesprochen, dass ich gerne Bürgermeister für Isselburg werden möchte. Meine Lebensgefährtin steht da voll hinter mir und dann ist die Entscheidung Anfang 2017 gefallen.

Haben daran gedacht, sich einer Partei anzuschließen?

CArbanje Nein, das war von vorneherein klar, dass ich parteilos bleiben werde. Die SPD hatte, nachdem für mich persönlich die Entscheidung feststand, angefragt, ob ich als Bürgermeister-Kandidat der SPD antreten wolle. Das ehrt mich sehr, dass ich da gefragt worden bin und vor allem, dass die SPD hinterher die Planung geändert hat und mich als parteilosen Kandidaten unterstützt.

Was bedeutet eigentlich unterstützt?

Carbanje Wichtig ist mir, dass ich von der SPD keine finanziellen Mittel erhalte, sondern Unterstützung dahingehend, dass die SPD eine Wahlempfehlung ausspricht. Und bei der Verteilung von Flyern und beim Aufhängen von Wahlplakaten mir unter die Arme greift.

Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Carbanje Ich bezeichne die Chance als gut. Denn ich glaube, dass die Bürger sehr wohl wissen, dass es auf kommunaler Ebene auf die Erfahrung ankommt und nicht wie auf Landes- oder Bundesebene parteipolitische Dinge eine Rolle spielen. Ich glaube, dass es sich einige Bürgerinnen und Bürger Isselburgs wünschen, dass es ein Fachmann wird. Von daher bin ich sehr positiv gestimmt.

Falls Sie die Wahl gewinnen, wo würden Sie sofort den Hebel ansetzen?

Carbanje Das Thema Hochwasserschutz hat für mich absolute Priorität. Denn ohne Hochwasserschutz sind weitere Planungen und Entwicklungen in unserer Stadt kaum möglich. Hochwasserschutz fördert die Sicherheit der Menschen, schützt deren Hab und Gut. Für mich als Bürgermeister hat es von daher absolute Priorität, das Hochwasserschutzkonzept konsequent umzusetzen.

Sehen Sie denn überhaupt die Notwendigkeit für weitere Baugebiete?

Carbanje Das Potenzial ist nach wie vor vorhanden. Wissen Sie, es sieht ja so aus: Der Isselburger baut in Isselburg, der Anholter in Anholt, der Heeldener in Heelden und so weiter. Das ist aber für die Landesregierung nicht von Bedeutung. Sie sagt, ihr habt doch die Möglichkeit in Anholt zu planen, da ist es hochwasserfrei. Ich möchte aber auch für Isselburg und Werth Wohnraum schaffen. Isselburg, Anholt und Werth sind laut Regionalplan Siedlungsschwerpunkte. Vehlingen, Herzebocholt und Heelden sind auch entwickelbar, aber nur für den örtlichen Bedarf.

Schule und Bildung sind Themen, die vielen unter den Nägeln brennen.

Carbanje Ich setzte mich für die Steigerung der Attraktivität und die Ausstattung der Schulen ein. Wir müssen einen ständigen Dialog mit den Schulen haben, um die Qualität zu optimieren.

Bald hat Isselburg keine weiterführende Schule mehr. Kann sich daran noch etwas ändern?

Carbanje Schwierig. Die Genehmigung für eine weiterführende Schule obliegt der Bezirksregierung Münster. Wenn es die Möglichkeit gäbe, sehe ich es schon so, dass die Bezirksregierung dann auch unterstützend tätig werden würde.

Sehen Sie Optimierungsmöglichkeiten bei der Verwaltung?

Carbanje Ich setze mich dafür ein, dass der digitale Weg weiter fortgeschritten wird, den wir bis jetzt eingeschlagen haben. Ich befürworte die Digitalisierung in der Verwaltung ausdrücklich. Einmal für den Bürgerservice, aber auch aus Gründen der Arbeitseffizienz.

Haben Sie konkrete Pläne, wo sie zudem noch etwas verändern wollen?

Carbanje Wichtig ist mir das Erscheinungsbild der Stadt. Ich plane, die Bürger stärker einzubeziehen. Ich möchte eine Arbeitsgruppe Stadtkümmerer gründen. Warum sollte man das Potenzial der Bürger nicht nutzen? Es gibt so viele Menschen, die in Isselburg unterwegs sind, die sich melden können, wenn ihnen was auffällt - da ist eine Verunreinigung, da ist Müll. Einfach ein offenes Auge auf unsere Stadt werfen.

Mal angenommen, Sie werden Bürgermeister. Wie stellen Sie sich die Arbeit in den politischen Gremien vor?

Carbanje Ich werde in schwierigen Fragen mit allen Ratsvertretern fraktionsübergreifend nach Lösungen suchen und Lösungen finden. Das ist meine ehrliche Botschaft.

Angenommen, es klappt nicht und ein anderer gewinnt die Wahl...

Carbanje Dann bin ich nach wie vor der Bauamtsleiter.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE TORSTEN TENBÖRG

Quelle: RP
 
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