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Emmerich
Die Menschen lieben seine "Promenadenkonzerte"

Emmerich: Die Menschen lieben seine "Promenadenkonzerte"
Das passt: Friedhelm Spohr und die Skulptur des Mundharmonikaspielers von Dieter von Levetzow an der Promenade. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Musik auf der Mundharmonika: Wenn Friedhelm Spohr bei geöffnetem Fenster spielt, bleiben die Leute gerne stehen und hören zu. Von Wolfgang Hoppe

Dass auch auf einer Mundharmonika "große Musik" gespielt werden kann, beweist Friedrich-Wilhelm Spohr, besser bekannt unter dem Vornamen Friedhelm. Fast täglich sitzt er am geöffneten Fenster im Parterre seiner Wohnung an der Rheinpromenade 41 und intoniert virtuos die schönsten Stücke aus Oper, Operette, Musical und Volksmusik.

Vor allem das deutsche Liedgut liegt ihm am Herzen. Dank seines ausgezeichneten Gedächtnisses kann er 150 Volkslieder aus dem Stehgreif abrufen und auswendig spielen.

Vielen Besuchern ist der einsam anmutende Musikant durch seine "Promenadenkonzerte" bekannt. "Immer wieder bleiben Leute stehen, summen oder singen mit und tanzen gelegentlich sogar zu meinen Stücken" berichtet der Senior mit leuchtenden Augen. "Es sind vor allem ältere Menschen, deren Herz schneller schlägt, wenn sie vertraute Weisen aus ihrer Jugend hören", weiß der Enthusiast, dessen Anliegen es ist, das Volksgut zu pflegen und zu erhalten.

"Jüngere Menschen singen heutzutage, wenn überhaupt, nur noch in englischer Sprache", bedauert er und versteht nicht, warum unsere Liedkultur kaum noch gefragt ist. "Nur Weihnachten ist das anders: da singt Jung und Alt vor meinem Fenster."

Im Alter von sechs Jahren "klaute" er seiner älteren Schwester ihre Mundharmonika und versuchte darauf zu spielen. Weil ihm das auch nach langem Üben nicht gelang, schrieb er "persönlich" einen Brief an die Firma Hohner und beklagte sich über seine "kaputte Harmonika". Sein Brief gefiel der Firmenleitung, und der Knirps bekam postwendend eine chromatische Mundharmonika mit drei Oktaven geschenkt. Damit waren die Weichen für ein lebenslanges Hobby gestellt, die bis heute für den 80-Jährigen nichts von seiner Faszination verloren hat. Die Musik half ihm auch über schwere Schicksalsschläge hinweg: Vor 15 Jahren starb seine Frau und vor zwei Jahren einer seiner beiden Söhne.

Aufgewachsen ist Friedhelm Spohr in Holzwickede und Unna-Massen. Er machte in den Nachkriegsjahren seine Gesellenprüfung als Dachdecker, musste aber nach einem Unfall umschulen. Das Glück war ihm hold, denn der er fand eine Anstellung beim Zoll in Düsseldorf und kam über diesen Weg 1960 nach Emmerich. Hier arbeitete er bis zur Pensionierung. Er wohnte bis vor zwei Jahren an der Straße Hinter dem Engel. Dem einst weltberühmten Bielefelder Kinderchor ist Friedhelm Spohr seit Jahrzehnten verbunden. Vor allem ihm und seinen Chorleitern verdankt er die Liebe zu Volksliedern. Er hatte sogar einige Male Gelegenheit, sich als Gastsänger unter die unter die mehr als 250 Sängerinnen und Sänger zu mischen. "Aber das war noch vor dem Stimmbruch" erinnert er sich.

2007 feierte er mit der ganzen Sängerfamilie das 75-jährige Chor-Jubiläum in der Oetker-Halle. "Wahre Freundschaft soll nicht wanken", intoniert er zum Schluss des Gespräches auf seiner Mundharmonika.

Quelle: RP
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