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Emmerich
Die Rückkehr der Störe

Emmerich: Die Rückkehr der Störe
Emmerich. Eine Wanderausstellung des Deutschen Meeresmuseums Stralsund macht ab Sonntag im Rheinmuseum Halt. Von Markus Balser

Er kann über sechs Meter lang und bis zu 400 Kilo schwer werden. Der Stör ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein beeindruckender Fisch. Aber einer, der auf der Roten Liste steht. Störe sind vor allem in Europa akut vom Aussterben bedroht. Bereits seit 1920 sind sie aus der Ostsee verschwunden, wo sie in Deutschland besonders häufig anzutreffen waren.

Dass der Stör auch einmal Bewohner des Rheines war, weiß Herbert Kleipaß. Der Leiter des Rheinmuseums kann sich noch gut an eine historische Aufnahme aus den 1940er Jahren erinnern, die einen Reeser Fischer mit einem mannsgroßen Exemplar zeigt. "Die Störe waren früher auch bei uns heimisch, erst nach dem Zweiten Weltkrieg sind sie aus dem Rhein verschwunden", sagt Kleipaß. Für ihn Grund genug, eine Ausstellung des Deutschen Meeresmuseums nach Emmerich zu holen, die ab Sonntag erstmals außerhalb Stralsunds zu sehen ist. "Im Rheinmuseum wollen wir den Leuten zeigen, wie es früher war, auch was die Natur anbelangt."

"Die Rückkehr der Störe" gibt anhand präparierter Tiere und mit spannenden Geschichten einen tieferen Einblick in die Welt dieser Knochenfische, die den meisten Menschen vor allem wegen ihres schmackhaften Rogens, dem Kaviar, bekannt sind. 20 Infotafeln, ein Tierpräparat, ein Modell, eine knochige Störhaut und eine Videoshow hat Kleipaß dafür aus dem hohen Norden kommen lassen. Im Rheinmuseum laufen derzeit die Aufbauarbeiten.

Die Ausstellung ist aus einem wissenschaftlichen Projekt des Deutschen Meeresmuseums Stralsund hervorgegangen. Kleipaß hatte sie im vergangenen Jahr gesehen und war begeistert: "Sie zeigt anschaulich und leicht verständlich, was man über den Stör wissen muss. Seine Geschichte, seinen Lebensraum und wie das Tier vom Mensch genutzt wurde". Und das war durchaus vielfältig. Ganze Branchen konnten von dieser sehr alten, fast schon prähistorischen Fischart leben. Auf St. Pauli gab es eine Stör-Schlachterei, in der pro Jahr mehrere tausend Tiere zerlegt wurden. Das Fleisch war begehrt. Andere Bestandteile des Fisches fanden etwa bei der Bierproduktion Verwendung, um Trübstoffe auszufiltern, oder wurden für die Leimherstellung verwandt. Und dann natürlich der Kaviar.

Der große Bedarf an Stören, Überfischung und Umweltverschmutzung von Flüssen und Meeren ließen die Population jedoch drastisch zurückgehen. Auch im Rhein. "Der Fluss wurde im 20. Jahrhundert zu einem der größten Abwasserkanäle Europas", sagt Kleipaß. Derzeit gibt es mehrere Projekte, die versuchen, den Stör in seinen ehemaligen Gefilden wieder heimisch werden zu lassen. Auch darüber informiert die Ausstellung. Doch dass die Wiederansiedlung des Störs im Rhein bislang nicht von sonderlichem Erfolg gekrönt ist, wundert Herbert Kleipaß nicht: "Bei aktuell über 140.000 Schiffsbewegungen pro Jahr ist das alles andere als einfach."

Die Ausstellung ist bis zum 10. Juli zu sehen. Danach taucht das Rheinmuseum wieder in ganz andere Gefilde ein: Karton-Modellbauer aus Duisburg zeigen dann ihre filigrane Kunst (17. Juli bis 11. September).

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 8. Mai, 11 Uhr, Rheinmuseum.

Quelle: RP
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