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Rees
Die Trauerseeschwalbe und ihre Feinde

Rees. Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Bienen bringen Nistflöße aus und bringe Kameras in Stellung.

Jan Kreider steht im Neoprenanzug im Wasser und ist gerade dabei, die Kameras zu justieren. "Sie sollen so ausgerichtet werden, dass jede vier Nester im Blick hat", erklärt Biologe Achim Vossmeyer, der am Rand des Millinger Meeres, ebenfalls im Neoprenanzug, steht. Derzeit bringen Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Bienen - wie in jedem Frühjahr - Nistflöße für Trauerseeschwalben aus. 120 Stück werden brutwilligen Paaren an Bienener Altrhein, an Reeser Altrhein und am Millinger Meer zur Wahl stehen.

Die Hälfte der künstlichen Nester wird mit Kameras überwacht. Seit sechs Jahren schon. "Wir haben damit wertvolle Erkenntnisse gewinnen können, welche Faktoren den Bruterfolg mindern", sagt Vossmeyer. Gleich im ersten Jahr entdeckte man mit Erstaunen, dass nicht irgend ein Eierdieb am Werk war, sondern Karpfen. Üblicherweise laichen sie an Pflanzen ab, auf den Fotos wurde deutlich, dass sie auch die künstlichen Flöße nutzten, wobei sie einen so heftigen Wellenschlag verursachten, dass die Eier von den Flößen kullerten. Heute sichert ein Schaumstoffschlauch das Gelege. Auch die Waldohreule wurde erwischt. In einer Nacht holte sie sich innerhalb von eineinhalb Stunden zehn Trauerseeschwalben-Küken aus Nestern auf dem Millinger Meer. 2013 und 2014 nahmen Blesshühner die Flöße fürs eigene Brutgeschäft in Besitz. "Am Reeser Altrhein führt das nicht zu Problemen, in Praest aber sehr wohl", sagt Vossmeyer. Dort besetzten einige Blesshühner Flöße, auf denen sich Trauerseeschwalben eingerichtet hatten. Eins wurde sogar mit einer Eischale im Schnabel fotografiert. "Wir wissen aber nicht, ob sie die Gelege nur kaputtgemacht oder vielleicht sogar gefressen hat", sagt Vossmeyer. Im vergangenen Jahr gerieten Nutrias in den Fokus.

40 bis 50 Brutpaare finden sich Jahr für Jahr in der Region ein. Der Bienener Altrhein ist der einzige Brutplatz für Trauerseeschwalben NRW. In diesem Jahr werden die Vögel beringt und sollen zudem mit Geo-Lokatoren ausgestattet werden. Schon im vergangenen Jahr erhielten zehn Vögel Geo-Lokatoren, die anzeigen, wo und wie lange sich die Vögel an den verschiedenen Standorten aufhalten.

(rau)
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