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Emmerich
Die "UN" tagt in Kleve

Emmerich. Vom 23. bis 26. November findet an der Hochschule Rhein-Waal die Klever "Model United Nations"-Konferenz statt. Studenten debattieren über wichtige Themen wie sexuelle Rechte und den Schutz von Zivilisten in Kriegsgebieten. Von Bianca Mokwa

Studenten, die statt Jeans Anzug tragen, sich für die Rechte der Armen und Frauen einsetzen und stundenlang debattieren statt zu chillen. Das gibt es wirklich. Und zwar bei den "Model United Nations"-Konferenzen, kurz MUN.

Vom 23. bis 26. November findet diese einmal mehr an der Hochschule Rhein-Waal statt. Es ist bereits die vierte Veranstaltung dieser Art. Mittendrin ist Jana Martens. Sie ist 23 Jahre alt und studiert Internationale Beziehungen. Sie ist dieses Jahr für die Organisation mitverantwortlich und vom MUN-Virus infiziert.

"Das erste Mal hat mich eine Kommilitonin überredet, zu einer Training-Session mitzukommen. Ich wollte gar nicht, aber dann hat es mich voll erwischt", sagt Jana. Sie nennt es "eine besondere Erfahrung". Studenten schlüpfen in die Rolle von Delegierten, und wie bei den großen UN-Konferenzen wird geredet, argumentiert, manchmal auch gestritten. Alles auf Englisch.

Jana Martens erinnert sich an ihren ersten Einsatz. "Da war ich Delegierte für den Sudan, so etwas ganz Verrücktes, weil man denkt, die würden nie eine weibliche Vertretung schicken." Um wirklich argumentieren und mitreden zu können und so authentisch wie möglich zu sein, hat Jana ziemlich viel über den Sudan recherchiert. Was zeichnet das Land aus? Wer ist überhaupt der Amtsinhaber, und wie sieht seine Außenpolitik aus? Außerdem lohne es sich, zur Vorbereitung eine UN-Debatte auf Youtube anzuschauen.

Wie bei den echten Debatten unterliegen auch die "Model United Nations"-Konferenzen bestimmten Regeln. Alles soll so originalgetreu wie möglich sein. "Röcke müssen fünf Inches über dem Knie sein", nennt Jana ein Beispiel. Aber auch beim Argumentieren gibt es Vorschriften, auf die streng geachtet wird. "Man darf während der Diskussion nicht ,ich' sagen, denn man ist ja Delegierter eines Landes." Stattdessen ist ein "Das sollten wir ändern" durchaus angemessener. Gar nicht so einfach sei es, an solche Regeln zu denken, wenn es bei den Debatten doch mal hoch hergeht.

Üblicherweise stehen zwei Themen auf der Agenda. Ganz demokratisch werde darüber abgestimmt, welches Thema zuerst angegangen wird.

Beim Weltsicherheitsrat der Studenten steht in Kleve folgendes auf dem Programm: 1. Der Schutz der Zivilisten beim Konflikt im Süd-Sudan und 2. Die Rolle des Sicherheitsrates im israelisch-palästinensischen Friedensprozesses. Neben dem Sicherheitsrat tagen gleichzeitig das Komitee für Entwaffnung und internationale Sicherheit (DISEC), die UNEP (Umweltprogramm der UN) und das Komitee für soziale, humanitäre und kulturelle Angelegenheiten (SOCHUM). Alle Gruppen haben aktuelle Themen auf der Agenda stehen. Im letztgenannten Gremium wird etwa über die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender diskutiert.

Und noch etwas ist wie im richtigen politischen Leben. "Manchmal dreht man sich bei einer Debatte im Kreis, kommt nicht voran, das geht über Stunden, Tage, Nächte. Es ist echt anstrengend." Und manchmal auch frustrierend, wie im richtigen Leben halt.

Trotzdem hält die Begeisterung an. Es gebe eine regelrechte MUN-Community, erzählt Jana. Die Mitglieder der Community fahren zu verschiedenen Konferenzen. In Kleve werden ungefähr 100 Studenten erwartet. "Es ist spannend, man lernt neue, nette Menschen kennen, und was auch wichtig ist, man lernt zu debattieren", zählt Jana die Vorteile auf. "Und wenn man es richtig macht, fühlt man sich wirklich wie eine Delegierte von einem anderen Land."

Quelle: RP
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