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Emmerich
Driessen beklagt "mangelnde Pflege"

Emmerich: Driessen beklagt "mangelnde Pflege"
Eines der beiden alten Bilder von Robert Schwartz. Hein Driessen stieß auf sie beim Ausräumen seiner Kunsthalle. Die wird abgerissen, Driessen bekommt Garagen als Nachbarn. Das ärgert ihn. FOTO: van Offern Markus
Emmerich. Der Maler stellt zwei alte Bilder vor und nutzt die Gelegenheit zur Kritik an seiner Heimatstadt. Von Monika Hartjes

Rund 100 Jahre alt sind die beiden Ölgemälde, die Hein Driessen beim Aufräumen fand. "Die sind schon lange im Familienbesitz", sagt er. Signiert sind sie mit R. Schwarz. "Ich kenne den Maler nicht, muss aber sagen, dass er fachlich eine sehr gute Arbeit abgeliefert hat", lobt Hein Driessen seinen "Kollegen".

Auf einem Bild ist im Vordergrund die Martinikirche und ein Segelschiff auf dem Rhein zu sehen, im hinteren Bereich erkennt man die Aldegundiskirche mit ihrem spitzen Turm aus Zeiten vor dem Krieg. Das zweite Bild zeigt ein typisch niederrheinisches Motiv: Eine alte Katstelle und im Vordergrund ein Pferd, das einen Pflug zieht.

Wie berichtet, musste Driessen die "Kunsthalle" neben seiner Galerie an der Rheinpromenade räumen, dieses Haus wird abgerissen. Da fand er dann die beiden Schätzchen. "Der Maler muss um Bernd-Terhorst-Zeiten gelebt haben", vermutet der 83-jährige Driessen. Terhorst wurde 1893 geboren und starb 1986. "Das sieht nach Düsseldorfer Schule aus."

Eine Recherche im Internet ergab, dass es sich um den Maler Robert Schwarz handeln könnte. Der wurde 1899 in Duisburg geboren, absolvierte eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf, unterrichtete 1927/28 in Bad Godesberg Raumkunst, Kunstgewerbe, Reklamegrafik und Malerei und starb 1962 in Düsseldorf.

Von 1939 bis 1943 war er mehrmals auf der Großen Deutschen Kunstausstellung vertreten. Robert Schwarz gehörte außerdem der Künstlergruppe "Junges Rheinland" an. Das Kunstmuseum Düsseldorf und das Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen besitzen Bilder von ihm.

In Düsseldorf war der Maler aber auch aus einem anderen Grund recht bekannt gewesen: In den 1950er Jahren gestaltete er dort Karnevalswagen für den großen Rosenmontagszug - unter anderem auch mehrfach den Düsseldorfer Prinzenwagen.

Fast sein gesamter künstlerischer Nachlass schlummerte über 50 Jahre lang unbeachtet im Haus seiner Enkelin in Huckingen. Als das Haus 2009 verkauft werden sollte, fand man rund 80 Bilder des Künstlers, der in den 20er bis 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an Rhein und Ruhr einen Namen hatte. Die Motive waren vorwiegend holländische und niederrheinische Landschaften, Meerespanoramen, Duisburger Industriekulissen, Akte und Stillleben. Unter den Bildern waren Federzeichnungen, Aquarelle und vor allem aber sehr fein gemalte Ölgemälde.

"Wie die beiden Bilder in unseren Besitz gekommen sind, weiß ich nicht", sagt Driessen, der bedauert, dass Emmerich seine alten Künstler "nicht sehr gut pflege" im Gegensatz zu Städten wie Kalkar und Kleve. Seine Galerie habe an der Rheinpromenade einen schönen Standort. "Aber dass ich nach den neuesten Plänen von zehn Garagen 'eingequetscht' werde, das gefällt mir nicht", so der Künstler. Statt Garagen solle man doch lieber Schaufenster für Geschäftsleute dort bauen und die Garageneinfahrten von der Steinstraße aus machen. Im nächsten Jahr ist Driessen seit sechs Jahrzehnten als freischaffender Künstler tätig und zu diesem Anlass wurde er vom Bürgermeister der mallorquinischen Stadt Santanyi zu einer Ausstellung mit seinen Bildern eingeladen.

Ansonsten genießt Hein Driessen sein "Sitz-Plätzchen" vor der Galerie, wo er mit vielen Emmerichern ein kleines "Prötchen" hält. Am Samstag traf er dort Moelli Breuer, die mit ihrer Enkelin zu Besuch in ihrer Heimatstadt ist. "Ich habe in meinem Haus in Kalifornien einige Aquarelle von dir hängen", erzählte sie dem Maler. "Du bist ein Juwel Emmerichs."

Quelle: RP
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