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Rees
Ein ganz besonderer Führerschein

Rees: Ein ganz besonderer Führerschein
Michael Münch zeigt stolz seinen Führerschein. Im Hintergrund freut sich mit ihm sein Fahrlehrer Michael Lagarde. FOTO: markus van offern
Rees. Michael Münch darf jetzt Auto fahren. Für den 38-Jährigen ist das keine Selbstverständlichkeit, denn er hat eine geistige Behinderung. Für den "Lappen" hat er trotzdem eifrig gelernt - und die Prüfung auf Anhieb bestanden. Von Monika Hartjes

Dass Michael Münch stolzer Besitzer des Führerscheins ist, das ist schon etwas ganz Besonderes. Der 38-Jährige hat eine geistige Behinderung. "Die zeigt sich darin, dass er nur langsam lernen kann, visuelle Unterstützung braucht und das Gelernte öfters wiederholen muss", erklärt Klaus Lüdge, Teamleiter des LVR-Wohnverbundes an der Empeler Straße, der Michael Münch im Alltagsleben unterstützt. "Mit viel Eigeninitiative und intensiver Hilfe seines Fahrlehrers Michael Lagarde hat er es geschafft", freut sich Lüdge.

Michael Münch lebt im betreuten Wohnen und wird einige Stunden in der Woche von Mitarbeitern des LVR-Netzwerkes Heilpädagogische Hilfen Niederrhein unterstützt. Er arbeitet bei der Lebenshilfe Groin im Lager. Dort erlitt er vor drei Jahren einen schlimmen Unfall, bei dem er schwer verletzt wurde. Da er den Unfall nicht selbst verschuldet hatte, bekam er Schmerzensgeld - rund 3000 Euro. Ihm war schnell klar, wie er das Geld gut anlegen konnte. "Ich wollte meinen Führerschein machen." Zunächst sprach er mit seinem gesetzlichen Betreuer Wolfgang Wachholz, der dieses Vorhaben unterstützte, zumal er dadurch bessere berufliche Perspektiven für seinen Schützling sah und ihm das auch zutraute.

"Michael fährt jeden Morgen sicher mit dem Mofaroller zur Arbeit, er kennt sich im Straßenverkehr aus." Außerdem kannte Wachholz einen Fahrschullehrer, der Menschen mit Behinderungen ausbildet. "Wir haben uns da intensiv weitergebildet", erklärt Michael Lagarde. "Vor allem im Bereich körperliche Behinderungen verfügen wir über Erfahrungen, aber auch bei Behinderungen im geistig-kognitiven Bereich können wir ausbilden. Es gibt Lernhilfen in der Theorie, beispielsweise Hörbücher, Sprachcomputer oder auch visuelles Material." Der Unterricht sei integrativ, Menschen mit Behinderungen lernen gemeinsam mit Nichtbehinderten.

So meldete sich Michael Münch im Februar 2014 an. Klar, dass der junge Mann nicht gleich alles verstand. Aber er konnte jederzeit die Mitarbeiter des HPH fragen, die ihm den Vorgang dann einfacher erklärten, so dass er alles verstehen konnte. Fahrlehrer Michael Lagarde war besonders begeistert vom Eifer seines Fahrschülers. "Ihn musste man nie zusätzlich zum Lernen motivieren. Er machte alles engagiert und sogar schneller, als so mancher der anderen Schüler."

Fast jeden Abend habe er die Bücher hervorgeholt und geübt, sagt der stolze Führerscheinneuling, der aber auch froh ist, dass die Lernerei ein Ende hat.

Mit dem praktischen Fahren war das schon etwas schwieriger. "Michael war zunächst ängstlich und unsicher. Manchmal wollte er auch aufgeben. Es war schon eine Herausforderung, aber gemeinsam haben wir sie bewältigt", so der Fahrlehrer. Bei der Prüfung, die am 6. Februar stattfand, wurde der Prüfer nicht über die Behinderung informiert. "Für alle gelten die gleichen Bedingungen", sagt Lagarde. "Michael ist wunderbar gefahren und bekam den Führerschein gleich im ersten Anlauf."

An seinem Arbeitsplatz hat sich bereits etwas geändert, Michael Münch ist jetzt jeden Tag als Fahrer in den Lebenshilfe-Autos unterwegs und bringt Material herum. Doch der junge Mann hat sich schon ein weiteres Ziel gesetzt: "Jetzt spare ich für ein eigenes Auto."

Quelle: RP
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