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Rees
Ein Paradies für Trödel-Fans

Rees: Ein Paradies für Trödel-Fans
Rosemarie Netta und ihr reichhaltiges Trödel-Angebot. FOTO: Michael scholten
Rees. Fernsehformate wie "Der Trödeltrupp" und "Bares für Rares" erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch in Rees lässt sich mit Trödel ein wenig Geld verdienen - oder aber anderen Menschen helfen. Von Michael Scholten

Sie lauern im Keller, Kinderzimmer oder auf dem Dachboden: Alte Schätzchen, an denen inzwischen mehr Staubpartikel als Erinnerungen haften. Für die Mülltonne sind die Spielwaren, Kleidungsstücke oder Elektrogeräte aber meist zu schade. Besser kann man damit anderen Menschen helfen oder sogar etwas Geld verdienen.

Der Caritas-Shop in der Reeser Fallstraße 29 nimmt während seiner Öffnungszeiten (Montag, Mitttwoch und Donnerstag zwischen 14 und 17 Uhr) Kleidung, Wäsche, Spielwaren, Bücher und Haushaltswaren als Spenden an. Sie werden gegen einen kleinen Obolus an Bedürftige verkauft, wodurch auch die laufenden Kosten des Shops getragen werden. Mieter des ehemaligen Jeans-Ladens ist seit 2012 die Pfarrgemeinde St. Irmgardis, viele Ehrenamtliche sichten, sortieren und verkaufen die Sachspenden. Abgesehen von den Lebensmitteln, die montags und donnerstags nur an tatsächlich Bedürftige mit entsprechendem Bezugsschein verkauft werden, darf jeder in diesem überraschungsreichen Second-Hand-Laden einkaufen. Besonders empfehlenswert sind die gut sortierten Bücherregale, die Lesestoff für 50 Cent bis einen Euro bieten.

Private Fundstücke erleben auch in Rosis Kram- und Trödelladen im Reeser Gewerbegebiet einen zweiten Frühling. In der Empeler Straße 118 a, unter einem Dach mit Fliesen Thiele, verkauft Rosemarie Netta auf fast 200 Quadratmetern alles, was das Trödlerherz begehrt, zu kleinen Preisen. Wenn es um Nachschub geht, hat die gebürtige Berlinerin ein einfaches Geschäftsmodell: "Ich nehme alles an, kann aber nichts dafür bezahlen." Viele Reeser stört das nicht: Sie laden bei Rosemarie Netta viele tausend Fundstücke ab, die dienstags bis samstags zwischen 9 und 12.30 Uhr für eine einzigartige Trödelmarkt-Atmosphäre sorgen. Egal ob Dampfradio, Bierhumpen, ausgestopfte Fasane oder Schallplatten mit den Hits der Achtziger: Rosi hat's.

Stammkunden sind Sammler und Trödler vom Niederrhein, aus dem Ruhrgebiet oder aus den Niederlanden. Rosemarie Netter ermuntert vor allem ärmere Familien oder auch Asylbewerber regelmäßig vorbeizuschauen: "Ich gebe gern Rabatte, wenn ich merke, dass ich helfen kann."

Wer seine Fundstücke lieber verkauft als spendet, hat dazu auf den Flohmärkten der Region die Gelegenheit, auch wenn Standgebühren und mitunter viel Schlepperei und andere Arbeit anfallen. Der beliebte Trödelmarkt im Bürgerhaus Bienen wird leider nicht wiederbelebt, aber die Open-Air-Alternativen im Wunderland Kalkar oder am Ossenbruch im Emmericher Industriegebiet Ost II (Sonntag, 7. August, 9 bis 17 Uhr) sind auch für Reeser gute Möglichkeiten, sich als Verkäufer zu versuchen. Ob die Einnahmen versteuert werden müssen, daran scheiden sich die Geister. Rein rechtlich dürfen Privatpersonen durch den Verkauf ihres Trödels bis zu 512 Euro (nach Abzug der Standkosten und sonstigen Ausgaben) verdienen. Wer mehr einnimmt, müsste theoretisch bei der Stadtverwaltung einen Gewerbeschein bzw. Reisegewerbeschein beantragen und seine Einnahmen versteuern.

Auch privat organisierte Trödelmärkte in der Nachbarschaft oder ein "Garage Sale" am eigenen Haus nach US-Vorbild bewegen sich in einer juristischen Grauzone. Denn jeder Flohmarkt, egal ob er auf öffentlichem oder privatem Grund stattfindet, muss angemeldet und von der Stadt genehmigt werden. Private Initiativen werden in der Regel aber von den Behörden geduldet.

Natürlich bietet auch das Internet viele Wege, Gebrauchtes loszuwerden. In geschlossenen Facebook-Gruppen wie "Alles was zu verschenken ist in Rees" oder "Zu Verschenken und Suchen am Niederrhein" darf kein Geld fließen. Dagegen besteht bei lokalen Facebook-Seiten wie "Kinderbörse 46459 Rees" oder auf der vielgenutzten Internetseite ebay-kleinanzeigen.de die Aussicht auf einen kleinen (oder großen) Gewinn für die Familienkasse.

Quelle: RP
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