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Rees
Ein Pfarrer mit fernöstlichen Vorbildern

Rees: Ein Pfarrer mit fernöstlichen Vorbildern
2008 wurde Dr. Rainer Neu, hier mit seiner Frau Marie-Paule und den vier Kindern, mit dem Horace-B.-Silliman-Orden der Silliman Universität in Dumaguete auf der philippinischen Insel Negros ausgezeichnet. FOTO: privat
Rees. In Haldern gab es ein Wiedersehen mit Dr. Rainer Neu. Er war im Lindendorf Pfarrer von 1979 bis 1981. Von Michael Scholten

Für die Halderner Gemeinde war es ein Wiedersehen nach langer Zeit: Dr. Rainer Neu, von 1979 bis 1981 evangelischer Pfarrer im Lindendorf, ist jetzt in die kleine Kirche am Irmgardisweg zurückgekehrt. Mit Pfarrerin Elke Spörkel gab der aus Wesel stammende Theologe den Teilnehmern einer Südostasien-Tour einen "Reise-Segen" mit auf den Weg. Am 11. Januar bricht Dr. Neu mit 20 Niederrheinern nach Vietnam, Kambodscha und Thailand auf.

Mit den Kulturen und Religionen Asiens kennt sich der 65-Jährige gut aus. Er und seine Frau Marie-Paule arbeiteten unter anderem von 1988 bis 1996 als Dozenten, Missionare und Entwicklungshelfer auf den Philippinen. An der Universität Duisburg-Essen lehrt er Theologie und gewährt dort interreligiöse Einblicke in den Buddhismus und Hinduismus, ebenso in den Geisterglauben asiatischer Bergvölker. "Schon als Student hatte ich das Verlangen, eine Zeit meines Lebens im Ausland zu verbringen", sagte Dr. Neu in Haldern im Zwiegespräch mit Pfarrerin Spörkel.

1988 sei für ihn und seine Familie ein Jahr voller "Sternstunden" gewesen: "Unser erstes Kind wurde im Mai geboren, im Oktober wurde ich an der Universität Paderborn zum Professor der Soziologie habilitiert und am 1. November saßen wir im Flugzeug zu den Philippinen." Angetrieben habe ihn stets das Gebot Jesu: "Gehet in alle Welt, lehret alle Völker!" Er habe bei seinen Missionen stets das Gute im Sinn gehabt: "Missionieren heißt nicht, dass ich einem anderen Volk etwas überstülpe, sondern dass ich ihnen ein Angebot mache, während ich zugleich ihre eigenen Traditionen achte", sagte Dr. Neu. Unter den fast 300 philippinischen Studenten, denen er Theologie lehrte, seien immer wieder junge Menschen aus entlegenen Bergstämmen gewesen. Von ihnen habe er besonders profitiert: "Sie haben mein geistiges und theologisches Leben stark geprägt. Auch heute noch halte ich viele Vorträge über Spiritismus und Schamanentum."

Dr. Neu riet der Halderner Gemeinde, sich für das Jahr 2016 an der Lebenseinstellung östlicher Religionen zu orientieren: "In Asien ist die Gegenwart immer gelebte Gegenwart. Dagegen konzentriert sich unsere westliche Kultur viel zu stark auf die Verletzungen und Enttäuschungen der Vergangenheit und macht sich zu viele Sorgen über das, was die Zukunft bringen könnte. Das lenkt uns davon ab, das Hier und Jetzt intensiv zu erleben."

In Kambodscha besucht Dr. Neu mit seiner Reisegruppe den größten Sakralbau der Welt, Angkor Wat, und kehrt bei buddhistischen Mönchen und christlichen Gemeinden ein. "In Bangkok werden wir bereits erwartet", freut sich der Theologe.

Das deutsche Pastoren-Ehepaar Annegret und Ulrich Holste-Helmer, das die protestantische Gemeinde in Thailand leitet, wird die Halderner Besucher zum letzten Sonntagsgottesdienst im Januar empfangen. "Ich bin beiden nie begegnet, aber sie schrieben mir, dass sie meinen Namen kennen, seit sie vor 25 Jahren in der Philippinen-Partnerschaft Gruppe Koblenz aktiv waren. Sie heißen uns alle herzlich willkommen."

Quelle: RP
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