| 00.00 Uhr

Rees
Ein Turm für alle Schiffer

Rees: Ein Turm für alle Schiffer
Rees. Bildergeschichten: Michael Hoffmann hat eine detailgenaue Zeichnung des Reeser Pegelturms angefertigt. Von Michael Scholten

Spaziergänger auf der Rheinpromenade sehen es: Der Rhein führt im Moment so wenig Wasser wie selten zuvor. Erste Ausflugsfahrten, die ab Emmerich mit dem Fahrgastschiff "Stadt Rees" starten sollten, wurden abgesagt, weil der Weg über den Steiger zum Schiff zu steil wäre. Doch ist die Schifffahrt aktuell noch sicher?

Darüber gibt der Pegelturm Auskunft, der im Jahr 1902 als Ergänzung an die spätmittelalterliche Stadtmauer gebaut wurde und vom Wasser- und Schifffahrtsamt unterhalten wird. Als vor 13 Jahren der 100. Geburtstag des Türmchens gefeiert wurde, fertigte der Architekt und ehemalige Reeser Stadtplaner Michael Hoffmann eine detailgenaue Zeichnung des historischen Bauwerks und der darin enthaltenen Technik an. In seiner Kunstgalerie Am Bär sind die Kunstdrucke weiterhin erhältlich.

"Ohne meinen Nachbarn Rolf Rösen hätte ich vermutlich gar nicht gewusst, wie alt der Pegelturm ist", sagt Hoffmann. Rösen hatte zu seiner Verabschiedung vom Wasser- und Schifffahrtsamt eine Farbkopie des Bauantrags der Rheinstrombauverwaltung geschenkt bekommen. Hoffmann, der zuvor das Buch "Rees - Der historische Stadtgrundriss" mit eigenen Zeichnungen veröffentlicht hatte, griff das Jubiläum gern auf. Seine Zeichnung zeigt auch den spitzen Turm, der im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den 50er Jahren durch ein deutlich flacheres Dach ersetzt wurde.

Auch die runden Fenster unter dem Dach gab es früher nicht - und schon gar nicht die zwei hinter den Scheiben montierten Webcams, die heute im Minutentakt aktuelle Bilder der Rheinpromenade und des Rheins auf die Internetseite www.rees-erleben.de übertragen. Im Buch "Rees - Da kann man nicht meckern", das Michael Hoffmann und die Reeser Autorin Gisela Behrendt zu Weihnachten 2006 herausgaben, wird die Funktionsweise des Pegelturms beschrieben: "Ein Zulauf vom Rhein führt in den Pegelschacht. Dort bewegt sich ein Schwimmer mit dem Wasserstand. Über eine Welle wird dann die Pegeluhr gesteuert. Früher lasen Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes dreimal am Tag den Pegelstand ab. Heute wird jede Minute ein Wert gemessen, digitalisiert und gespeichert. Dann kann jeder Seemann den Pegelturm anrufen und den aktuellen Pegelstand erfahren."

Der Pegelstand ist nicht identisch mit der Tiefe des Rheins, sondern gibt die garantierte Wassertiefe innerhalb der Fahrrinne an. Bei Normalwasserstand ist der Rhein bei Rees sechs Meter tief, der Pegel beträgt aber nur 2,70 Meter.

Hoffmann wird seine Zeichnungen des Pegelturms, der auf dem original Bauplan "Selbstregulirender Controlpegel vor Rees" heißt, am 22. und 23. August auch bei der Kunstmesse im Bürgerhaus ausstellen. Ungerahmte Schwarzweiß-Drucke sind für 35 Euro erhältlich, die farbigen Versionen, die im Stil des Bauhauslehrers Lyonel Feininger handkoloriert wurden, kosten 150 Euro. Am 8. November nimmt er auch am Reeser Kunstsonntag teil und öffnet seine Galerie Am Bär. Kontakt: Telefon 02851 3271.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rees: Ein Turm für alle Schiffer


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.