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Emmerich
Ein Wiedersehen in Sicherheit

Emmerich: Ein Wiedersehen in Sicherheit
Helferin Christiane Wittenhorst bei der Weihnachtsfeier für Flüchtlinge im Gespräch mit Hussain und Haoon. FOTO: markus van offern
Emmerich. Wie eine Großmutter in Elten ihre Tochter und Enkeltochter nach der Flucht aus Afghanistan wiedersah. Von Monika Hartjes

Für Bebe Rugia Ibrahimi war die Weihnachtsfeier, die die Ehrenamtler von "Elten hilft" und der Caritas Hüthum-Elten am Sonntag für Flüchtlinge und Helfer organisiert hatten, ein ganz besonderes Fest: Sie sah ihre 19-jährige Tochter Bequis und ihre sechsmonatige Enkelin Asemat wieder. Deren kleine Familie ist zurzeit in Gütersloh untergebracht. Heike und Gregor Reinen haben sie dort abgeholt, damit sie die Festtage gemeinsam mit dem Rest der Familie verbringen konnte. Die Freude war groß, als sie von ihren fünf Brüdern begrüßt wurde. Oma Bebe genoss es, Enkelin Asemat in die Arme zu schließen.

"Vor fast einem Jahr sind wir aus Afghanistan geflüchtet", erzählt Bebe Rugia Ibrahimi, die mit fünf ihrer sieben Kinder nach Deutschland kam. "Dort herrscht Krieg. Wir waren dort reich, hatten aber keine Ruhe. Hier in Deutschland sind wir sehr gut aufgenommen worden und zur Ruhe gekommen." Leider seien ihr Ehemann Sayeed Ali Aklaghi und ihr ältester Sohn Sayeed Murteza noch in Afghanistan und sie sorge sich um sie.

Der Anfang sei sehr schwer gewesen, erzählt der 16-jährige Mussa. "Wir verstanden kein Wort Deutsch, wir fühlten uns alleine und traurig." Aber es gab viele Hilfen. Im Gymnasium haben die Jungen - neben Mussa sind sein Zwillingsbruder Haroon, Mohammed (13), Hussain (11) und Mujtaba (22) gemeinsam mit der Mutter geflüchtet - Deutsch gelernt. Sie sind eifrig dabei und sprechen die Sprache bereits sehr flüssig. "Jetzt haben wir viele Freude." Auch die Nachbarn sind sehr hilfsbereit. Eine Nachbarin hat sich angeboten, die Mutter zum Einkauf in ihrem Auto mitzunehmen.

Die Schwester Belequis kam erst von einem Monat nach Deutschland, nach Gütersloh. "Das ist für unsere Familie ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk", sagte Mussa. Ob sie in Emmerich bei der Familie leben darf, steht noch nicht fest. Da sie erwachsen ist und eine eigene Familie hat, muss sie abwarten, wohin sie zugewiesen wird.

Auch wenn sie kein Weihnachten feiern, weil sie Muslime sind, so sei es doch wie ein Fest, dass die Schwester jetzt da ist, sagte Mussa. Er und seine Brüder feiern aber mit den Freunden Weihnachtsfeste. "Mohammed spielt Fußball bei der DJK, mein Zwillingsbruder und ich bei Rheingold, wir sind bei den Pfadfindern aktiv - und überall wird gefeiert. Da machen wir gerne mit."

Vor fünf Monaten flüchtete Familie Merja aus Albanien. Vater Mehdi kann schon einige Worte Deutsch sprechen, ansonsten hilft ein Übersetzungsprogramm auf dem Handy. "Wir sind hier gut aufgenommen worden", sagt Mehdi Merja, der mit Ehefrau Marsela, mit Tochter Mei (6) und Sohn Noel (3) vor dem Krieg flüchtete Auch sie sind Muslime, werden aber auf ihrem ersten Weihnachtsfest in Deutschland einen Tannenbaum aufstellen und Geschenke besorgen. "Unsere Kinder sind im Polderbuschkindergarten, lernen dort Deutsch und Weihnachtslieder", erzählt der Vater.

Fast alle Familien, die mittlerweile in Hüthum und Elten eine Wohnung gefunden haben, kamen zur Weihnachtsfeier im Eltener St. Martinus-Pfarrheim Bei Kaffee und Kuchen unterhielten sie sich untereinander und mit den Helfern.

"Wir wollen öfter solche Aktionen starten. Oft werde ich in den Flüchtlingsfamilien eingeladen. Wir wollen uns öfters treffen", erzählt Jeanet Luitwieler, eine der Initiatoren von "Elten hilft". Auch für die Kinder soll es besondere Angebote geben. "Die Integration der Flüchtlinge steht bei uns im Mittelpunkt."

Quelle: RP
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