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Bärbel Krell
Eine Rheinreise durch fünf Länder

Bärbel Krell: Eine Rheinreise durch fünf Länder
Bärbel Krell, Gesamtschullehrerin aus Spenge bei Bielefeld, am Rheinfall von Schaffhausen. FOTO: Krell
Emmerich. 55-jährige Pädagogin bereiste in den Ferien den Rhein und machte auch in Rees und Emmerich Station.

EMMERICH/REES "Zeit im Fluss" heißt die aktuelle Ausstellung im Emmericher Rheinmuseum, in der Elke Fischer und Sabine Theil ihre zweiwöchige Rheinreise mit dem Containerfrachtschiff Grindelwald von Basel nach Rotterdam dokumentieren. Auch Bärbel Krell, Gesamtschullehrerin aus Spenge bei Bielefeld, hat jetzt die Sommerferien genutzt, um den Rhein zu bereisen - aber nicht per Schiff, sondern mit dem Auto. Auf ihrer dreiwöchigen Tour durch fünf Länder machte die 55-jährige Pädagogin auch in Emmerich und Rees Station. Ein Gespräch über die nachahmenswerte Reise.

Frau Krell, wie kamen Sie auf die Idee, den ganzen Rhein abzufahren?

Krell Ich verreise gern, wollte in diesem Jahr aber nicht nach Lesotho, Alaska oder Usbekistan fliegen, sondern in Europa bleiben. In den letzten Jahren habe ich die Normandie und die Bretagne mit dem Auto bereist, was mir sehr gut gefallen hat. Eine Fernsehreportage über "Deutschlands schöne Flüsse" hat mich dann auf den Rhein gebracht.

Warum sind Sie nicht mit dem Schiff gefahren?

Krell Da bin ich pedantisch: Wenn schon, dann wollte ich den ganzen Rhein kennenlernen. Aber der ist nur bis Basel befahrbar. Außerdem, fürchte ich, wäre mir eine Schiffsreise schnell zu langweilig.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Reiseroute zusammengestellt?

Krell Ich bin am 20. Juli in Hoek von Holland gestartet und wollte am 6. August an der offiziellen Rheinquelle am Thoma-See sein. Unterwegs gab es keine bestimmten Kriterien. Ich habe die 1232,7 Rheinkilometer in überschaubare Etappen geteilt und meine Unterkünfte vorgebucht. So war ich auch in der Jugendherberge in Kleve und bin von dort nach Rees und Emmerich gefahren.

Was ist Ihnen aus Rees und Emmerich in Erinnerung geblieben?

Krell Rees hat eine sehr schöne Rheinpromenade und originelle Skulpturen. Besonders beeindruckt hat mich die Geschichte des jüdischen Friedhofs auf der Reeser Stadtmauer. Emmerich hat eine echt coole Brücke. Ich hatte es mir zur Pflicht gemacht, jeden Tag mindestens über eine der insgesamt mehr als 200 Rheinbrücken zu fahren oder zu gehen. Im Emmericher Rheinmuseum hat mich die Sonderausstellung "Zeit im Fluss" interessiert. Als großer Gladbach-Fan habe ich mich aber gewundert, dass die Stadt Emmerich ihrem prominenten Sohn Rainer Bonhof nirgendwo ein Denkmal gesetzt hat. Zumindest habe ich nirgendwo eins gesehen.

Ein altes Volkslied fragt: "Warum ist es am Rhein so schön?" Haben Sie eine Antwort darauf?

Krell Am Rhein ist es tatsächlich schön, weil es dort ungemein abwechslungsreich ist: Vom platten Land in die Region der Dreitausender, von Windmühlen zu Fachwerkhäusern, geht es durch die Niederlande, Deutschland, Frankreich, Schweiz und Liechtenstein. Weinkenner können sich jeden Abend mit einer anderen Spezialität betrinken - und Goethe war auch schon fast überall. Ich fand es angenehm, einfach so zwischen den Ländern pendeln zu können, ohne dabei "echte Grenzen" zu erleben. Das sollten wir uns in Europa von niemandem kaputt machen lassen.

Was waren die Höhepunkte Ihrer Reise?

Krell Gern erinnere ich mich an die verrückte Architektur in Rotterdam, die professionell-persönliche Stadtführung in Rees, den Blick vom Loreley-Felsen, die unendlichen Weinberge überall, das Vitra-Haus nebst Design-Museum in Weil am Rhein, die Krypta des Doms in Speyer, das Münster in Basel, den Rheinfall bei Schaffhausen, die Abendstimmung am Bodensee, die Rheinschlucht und die Via-Mala-Schlucht. Die Menschen waren überall sehr entspannt. Ich finde es bemerkenswert, wie locker ich in Pensionen und B&Bs die Schlüssel, Platz im Kühlschrank und Sitzecken in Privatgärten angeboten bekam.

Gab es unterwegs auch weniger schöne Erfahrungen?

Krell Nicht so schön fand ich die Industriegebiete rund um Leverkusen und Mannheim-Ludwigshafen. Auch wenn man auf Chur in der Schweiz zufährt, dominieren die Industrie und Hochhäuser inmitten der herrlichen Bergregion. Und es gab natürlich total überlaufene Orte wie den Kölner Dom, Rüdesheim oder Colmar. Ich sage mir dann allerdings: "Wenn ich es sehen will, muss ich es anderen auch zugestehen."

Sie unterrichten Deutsch und Englisch an der Regenbogen-Gesamtschule in Spenge. Werden die Schüler künftig viele Rhein-Geschichten zu hören bekommen?

Krell Im Deutsch-Unterricht werde ich mit Sicherheit Anknüpfungspunkte finden, zum Beispiel, wenn es um Lyrik oder Goethe geht. Bestimmt zeige ich auch eine Auswahl meiner 1700 Fotos. Ich hatte mir vorgenommen, alles zu fotografieren, an dem der Name Rhein klebt: Straßenschilder, Lokale, Hotels. Da konnte ich auch in Rees ("Hotel Rheinpark", "Rheintoreins", "Hohe Rheinstraße", "Vor dem Rheintor") und in Emmerich ("Rheinmuseum") viele Motive sammeln. Die packe ich alle als Collage in mein Fotobuch.

DIE FRAGEN STELLTE MICHAEL SCHOLTEN.

Quelle: RP
 
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