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Rees
Eine Schwalbenstadt in Bergswick

Rees: Eine Schwalbenstadt in Bergswick
Seit April haben Uferschwalben hunderte Bruthöhlen in eine Schwemmsand-Halde auf dem Holemans-Betriebsgelände in Rees-Bergswick gegraben. Ende Juli werden die Jungvögel die Höhlen verlassen, im nächsten Jahr graben die Uferschwalben neue an anderer Stelle. Bild unten: Claudia Kressin, Bate Böckels und Gechäftsführer Michael Hüging-Holemans präsentieren das Fachbuch. FOTO: michael Scholten
Rees. Dieses Bild zeigt "Natur aus zweiter Hand". Das Unternehmen Holemans glaubt, dass eine kluge Nutzung seiner Baggerseen Vorteile für den Niederrhein hat. Von Michael Scholten

Baggerseen sind die deutlichsten Hinterlassenschaften des Kies- und Sandabbaus am Niederrhein. Welche Chancen die künstlichen Gewässer bieten, aber auch welche Sorgen sie bei Kritikern schüren, behandelt das neue Fachbuch "Oberwasser. Kulturlandschaft mit Kieswirtschaft", das die Holemans GmbH jetzt veröffentlicht hat. Es ist für 20 Euro am Reeser Firmensitz, Vor dem Rheintor 17, erhältlich.

In zwölf illustrierten Beiträgen beschreiben Wissenschaftler, die auch beim Holemans-Symposium 2014 auf dem Neuhollandshof in Bislich referierten, die touristischen und wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten des Wassers in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. "Wir sind mehr denn je überzeugt, dass der Niederrhein Oberwasser bekäme durch eine kluge, gemeinschaftliche und weitsichtige Nutzung der Seen, die hierzulande durch unser unternehmerisches Handeln entstanden sind", betont Michael Hüging-Holemans, Geschäftsführer der Holemans GmbH, im Vorwort.

Beim Pressegespräch mit der Rheinischen Post machte Hüging-Holemans jetzt deutlich, dass die Holemans Niederrhein GmbH, die 2014 aus der Fusion der Niederrheinischen Kies- und Sandbaggerei GmbH (Rees) und der Suhrborg & Co. GmbH (Wesel) hervorging, verstärkt in weiter entfernte Ausgrabungsgebiete investiert, weil die "restriktive Landesplanung" über 2020 hinaus keine neuen Abbaugebiete in Rees und Wesel vorsieht. So sind die Reeser mit zwei 100-prozentigen Tochterfirmen im Osnabrücker Land und in der Kölner Bucht aktiv, während sie sich linksrheinisch mehrheitlich an den Sand- und Kies-Aktivitäten der Issumer Gossen GmbH beteiligen. Der Standort Rees sei noch "für etliche Jahre" gesichert. Doch ob die GmbH auch nach dem Ende des Reeser Abbaus in der Rheinstadt bleibt, lässt Michael Hüging-Holemans offen: "Ich bin ein Freund von schlanker Verwaltung, die ihren Sitz in der Nähe der Abbau-Betriebe hat."

Im Rahmen einer Pressetour führten Beate Böckel und Claudia Kressin die Besucher über das Betriebsgelände in Rees-Bergswick und stellten die Biotop-Lagune im Reeser Meer vor. In Folge der 2010 erteilten Abgrabungsgenehmigung für das Gebiet Haffensche Weide wurde das gegenüberliegende Ostufer des Südsees rekultiviert. Um die "Natur aus zweiter Hand" herzustellen, wurden 700.000 Kubikmeter Sand von älteren Abraumhalden und von der Abgrabung in den Haffenschen Weiden verwendet. Eine Landzunge blieb mit dem Festland verbunden, eine kleinere wurde abgekoppelt und zur Insel. "Wir haben nichts angepflanzt, sondern alles der Natur überlassen", erläuterte Böckel. So wuchsen krautreiche Uferfluren, Röhrichte und Weichholz-Auen. Im Flachwasser gedeihen Armleuchteralgen. Inzwischen haben sich Flussregenpfeifer und Austernfischer angesiedelt, außerdem Weißwangengänse, Graugänse, Möwen, Trauerseeschwalben und Kiebitze.

Eine Besonderheit ist die riesige Kolonie von Uferschwalben, die ihre Nisthöhlen in einer Steilwand aus feinem Schwemmsand gebaut haben. Die kleinste heimische Schwalbenart hat nach ihrer Rückkehr aus dem afrikanischem Winterquartier damit begonnen, bis zu 70 Zentimeter tiefe Bruthöhlen in den Sand zu graben. Ende Juli werden die Jungvögel die Höhlen verlassen, im nächsten Jahr graben die Uferschwalben neue an anderer Stelle. Deshalb kann der Schwemmsand, der von Baufirmen als günstiges Füllmaterial verwendet wird, bald wieder abgetragen und verkauft werden.

Quelle: RP
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