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Emmerich
Eine Spiellänge Fußballtalk im Klever Kinosaal

Emmerich. Rund 250 Zuhörer verfolgten die Diskussion mit Max Eberl und Dr. Reiner Körfer von Borussia Mönchengladbach. Von Sabrina Peters

Kleve Die letzte Frage war es, die sich als einer der Höhepunkte des Abends erweisen sollte. "Herr Eberl, schauen Sie sich doch mal einen Spieler aus der D-Jugend von Siegfried Materborn an", lautete die Anregung eines Zuschauers im Klever Tichelpark-Kino. Max Eberl, Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, nahm den gut gemeinten Hinweis erst einmal lachend entgegen, um anschließend aus der Erfahrung heraus zu antworten. "Je jünger sie gut sind, desto weniger schaffen sie später den Sprung in die Bundesliga", sagte Eberl. Wenn der Spieler in der B-Jugend immer noch so gut Fußball spiele, könne sich der Zuschauer aber gerne noch einmal bei ihm melden.

Ob es der junge Kicker von der Materborner Allee tatsächlich mal in einen Kader der Fohlen-Elf schaffen werde, blieb an diesem Abend unbeantwortet. Dafür erhielten die rund 250 Zuschauer interessante Einblicke in die Welt der Borussia, ins Nachwuchs-Scouting, in Profi-Verträge und die Arbeit eines Sportdirektors.

Die Diskussionsrunde wurde von Dr. Robert Peters, Sportchef der Rheinischen Post und gebürtiger Gocher, moderiert. An ihr nahm auch der Klever Herzspezialist Professor Dr. Reiner Körfer teil, der neben seiner beruflichen Tätigkeit am Duisburger Herzzentrum seit nunmehr drei Jahren den Vorsitz im Aufsichtsrat des Gladbacher Bundesligisten inne hat.

In dem fast anderthalbstündigen Talk - eine gute Fußballspiel-Länge - gab sich Eberl selbstkritisch sowie ironisch und überzeugte mit seinen Antworten die anwesenden Fans, die ihn zwischenzeitlich sogar mit Applaus bedachten. Vor gut sechseinhalb Jahren, als Eberl den Posten des Sportdirektors in Gladbach übernahm, war das noch anders. Da hatte der heute 41-Jährige mit Gegenwind zu kämpfen. "Der hat schon den Ball nicht getroffen, jetzt will er sich als Sportdirektor versuchen", hätten einige wohl gedacht, erinnerte sich Eberl. Doch was sich anschließend vollzog, erwies sich als Erfolgsgeschichte, die in diesem Jahr mit dem Erreichen der Champions-League-Qualifikation gekrönt wurde.

Ob er eine Art Genugtuung gegenüber seinen damaligen Kritikern verspüre, fragte ihn Peters im Rahmen des Talks. Die Antwort darauf ganz simpel: nein. "Solche Gefühle habe ich einfach nicht", merkte Eberl an. Borussia Mönchengladbach sei nicht mehr nur ein Ausbildungsverein, sondern könne ein Talent vor allem dank der besonderen emotionalen Atmosphäre rund um den Borussia-Park auch mal länger an sich binden. Im Gegenzug dazu gebe man keine utopischen Summen für Neuverpflichtungen aus. Viel mehr sei die Philosophie, Spieler aus der eigenen Jugend in den Bundesliga-Kader zu integrieren, so Eberl, der aber ein oder zwei Transfers für die kommende Saison trotzdem nicht ganz ausschloss. Einen Abgang werde es hingegen nicht mehr geben, versprach Eberl, den Werner Drießen, langjähriger Sportgeschäft-Inhaber und jetziger Intersport-Mitarbeiter, nach Kleve geholt hatte.

Für die bevorstehende Champions-League-Auslosung hatte der Gladbacher Sportdirektor zudem einen Wunsch parat. "Einen Gegner, den wir auch schlagen können, damit wir auf Platz drei wenigstens in Europa überwintern", erklärte Eberl, freute sich zugleich aber auch auf Spiele bei Real Madrid oder dem FC Liverpool.

Körfer gab Informationen aus der Arbeit des Aufsichtsrates. Der sei, im Unterschied zu anderen Bundesligisten, nur für die wirtschaftlichen Belange zuständig. "Den Fußball überlassen wir denen, die davon etwas verstehen", sagte Körfer. Diese Uneitelkeit bezeichneten sowohl Eberl als auch Körfer als einen Garanten für den Erfolg der Borussia in den vergangenen Jahren. Wo der Weg der Gladbacher hinführen könnte, beantwortete Körfer zum Schluss: "Ein Wunschdenken wäre, die 70er und 80er Jahre zurückzuholen, wo Bayern München nicht selbstverständlich Meister wurde."

Quelle: RP
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