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Emmerich
Eine Stunde gegen das Vergessen

Emmerich: Eine Stunde gegen das Vergessen
Hanse-Realschüler machten es vor: An dem jüdischen Brauch, Kieselsteine auf die Gräber Verstorbener zu legen, beteiligten sich gestern Vormittag viele Besucher der Gedenkveranstaltung für die Opfer des NS-Regimes. FOTO: Markus van offern
Emmerich. Am gestrigen Holocaust-Gedenktag beteiligten sich zahlreiche Emmericher Schüler mit beeindruckenden Aktionen. Von Markus Balser

"Das Vergessenwollen verlängert das Exil und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung" - diese jüdische Weisheit ist auf einem der beiden Gedenksteine, die am Ehrenmal auf dem Emmericher Friedhof zu finden sind. Dort hatten sich gestern Vormittag neben Vertretern von Rat und Verwaltung sowie des Runden Tisches "Pro Kultur Stolpersteine" auch hunderte Schüler der weiterführenden Schulen Emmerichs eingefunden, um am Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes teilzunehmen - und das im besten Sinne des Wortes. Denn sie waren nicht nur als Zuschauer gekommen, sondern beteiligten sich auch mit beeindruckenden Aktionen an diesem Gedenktag.

So war etwa um die beiden Gedenksteine Stacheldraht gewickelt worden, der durch die Schüler als Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durchtrennt wurde. Gedanken zu Frieden und Toleranz trugen Hanse-Realschüler vor, die danach jeweils einen Kiesel auf dem Gedenkstein ablegten und alle Gäste dazu einluden, es ihnen gleich zu tun.

Dr. Jan Heiner Schneider erläuterte diesen Brauch, der aus der jüdischen Religion stammt, ebenso wie die Bedeutung der Inschriften auf den Gedenksteinen.

Zuvor hatten Leni Wochnik und Matthias Vogl vom "Runden Tisch Stolpersteine" ein Gedicht und Erläuterungen zur Bedeutung des Stacheldrahtes als Symbol der Unterdrückung und Ermordung vieler Millionen Menschen vorgetragen. Für den erkrankten Bürgermeister Peter Hinze war sein Stellvertreter Herbert Ulrich eingesprungen, um die Hauptrede des Vormittags zu halten. Er dankte dabei auch ausdrücklich den Schülern, die - obgleich eine Generation, die für das Geschehene nicht verantwortlich sei - durch ihre Teilnahme an dem Gedenktag die Erinnerung in die Zukunft trügen. "Denn wirklich tot sind die Ermordeten und Entrechteten erst dann, wenn wir sie vergessen haben und sich keiner mehr an sie erinnert."

Ulrich griff in seiner Rede auch aktuelle Entwicklungen der Gegenwart auf, verwies auf viele Ecken der Welt, in der die grausamen Prinzipien der Nazi-Diktatur noch oder wieder präsent seien und auch dazu führten, dass Millionen von Menschen vor ihnen flüchteten. Dabei können auch hier die Lehren aus der Vergangenheit hilfreich sein: "Beim Blick in die sozialen Medien kommt einem bei dem, was über fremde Menschen geschrieben wird, der Verdacht auf, dass der Schoß noch fruchtbar ist und aufs Neue die Ideologie gebiert, die wir glaubten, überwunden zu haben."

Am Ende der Gedenkveranstaltung besuchten die Gäste die Gräber jener jüdischen Mitbürger, die während der NS-Zeit starben und auf dem Friedhof beigesetzt wurden.

Quelle: RP
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